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Teamchef Heraf zieht den Hut

Für Marco Djuricin war das entscheidende Match der U19-EM am Samstag in Frankreich ein Tanz auf des Messers Schneide. Nach zahlreichen vergebenen Chancen avancierte der 17-Jährige doch noch zum Helden des Abends. Mit dem verwandelten Elfmeter in der 87. Minute schoss Djuricin Österreich zum 1:0 gegen die Niederlande und somit zur U20-WM 2011 in Kolumbien.

Lange Zeit hatte es in Mondeville danach ausgesehen, als ob Österreichs WM-Träume nicht zuletzt aufgrund der Abschlussschwäche des Hertha-BSC-Legionärs platzen würden. „Ich hatte vier große Chancen, eine 80-prozentige und drei 100-prozentige. Normal muss ich die machen. Aber ich bin geduldig geblieben. Robert Gucher hat mir immer gesagt, dass ich noch mein Tor machen werde.“

„Puls von 100.000“

Und sein ÖFB-Teamkollege sollte recht behalten, denn kurz vor Schluss wurde der eingewechselte Georg Teigl von Rodney Sneijder, dem kleinen Bruder von „Oranje“-Superstar Wesley, im Strafraum zu Fall gebracht. Zielstrebig schnappte sich Djuricin den Ball, denn er bildet gemeinsam mit Christoph Knasmüllner (zurück bei Bayern München) das Nummer-Eins-Duo bei Strafstößen.

„Ich musste dieses Tor für Österreich machen. Ich hatte einen Puls von 100.000“, erzählte Djuricin, der dennoch Tormann Jeroen Zoet souverän verlud und den Schuss eiskalt ins rechte Eck setzte. „Normal schieße ich immer in die Mitte. Aber der Goalie ist ins andere Eck gesprungen, da war’s dann leicht“, berichtete der Wahl-Berliner, für den Österreich „85 Minuten die bessere Mannschaft“ war.

U19-Teamspieler Marco Djuricin

Gwendoline Le Gof

Marco Djuricin schießt Österreich in der 87. Minute zur U20-WM.

Siegreich ohne Alaba

Bemerkenswert ist auch, dass die U19 diesen Sieg ohne David Alaba (ebenfalls zurück bei den Bayern) zustande gebracht hat. „David kann uns noch mehr unterstützen. Aber wir haben gezeigt, dass wir es auch ohne ihn können“, so der Stürmer, dessen Vater Goran „Gogo“ Djuricin ehemaliger Bundesliga-Profi war und nun Co-Trainer von U19-Teamchef Andreas Heraf ist.

„Ich habe zu Gogo gesagt: ‚Bitte nicht der Marco‘“, gestand Heraf. Bei ihm wurden Erinnerungen an das entscheidende Match der Qualifikation gegen Dänemark (4:3) wach. Auch da hatte Djuricin per Elfmeter den wichtigen Treffer zum 3:3 markiert.

„Hut ab“ vor Djuricin

Nach Schlusspfiff hieß es für Heraf „Hut ab“ vor Djuricin junior. „Sich als 92er-Jahrgang nach so vielen vergebenen Chancen in der 87. Minute den Ball zum Elfmeter schnappen, da muss man ihm einfach gratulieren.“ Auch ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner war von der Courage des Matchwinners begeistert.

„Mit hat es imponiert, wie er nach den vergebenen Chancen zum Elfmeter hingegangen ist und Verantwortung übernommen hat. Sehr viele Pessimisten haben gemeint, dass er sicher verschießt. Djuricin ist in diesem Spiel gereift. Er hat gezeigt, dass er einmal einer werden kann. Genau solche Spieler brauchen wir dann später in der A-Nationalmannschaft. Das sind Situationen, die einen Spieler wirklich weiterbringen“, erklärte Ruttensteiner.

Auf dem richtigen Weg

Weitergebracht hat Djuricin auch ein Erlebnis bei seinem Arbeitgeber Hertha, bei dem er 2008 bereits nach sechs Wochen fast wieder rausgeflogen wäre. Djuricin war undiszipliniert, erst ein Video seines damaligen Trainers Thomas Krücken brachte ihn auf den richtigen Weg. Krücken spielte Djuricin Szenen von seinem Auftreten auf dem Rasen vor und erzielte damit die gewollte Wirkung. „Ich war geschockt“, erinnert sich Djuricin, der sich daraufhin am Riemen riss.

Noch ist nicht fix, ob Djuricin weiterhin bei den nun von Markus Babbel trainierten Berlinern in der zweiten deutschen Liga bleibt. „Die Verhandlungen laufen“, hielt sich Djuricin bedeckt. Eine Rückkehr nach Österreich schließt er vorerst einmal aus, im Frühjahr hatte er Angebote von Salzburg und Rapid abgelehnt. „Ich will mich im Ausland durchbeißen.“ Das traut Djuricin auch Herthas neuem Österreicher Daniel Beichler zu: „Er kann bei Hertha eine große Nummer werden.“

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