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Verwirrspiel um Togos Nationalteam

Eine Woche, nachdem sich Josef Hickersberger über das 3:0 von Bahrain gegen Togo freuen durfte, kommen nicht nur beim aktuellen Teamchef der Gastgeber Zweifel auf. Das Match hätte eigentlich gar nicht stattfinden dürfen, denn beim Verband des afrikanischen Landes weiß man nichts von einem Testspiel im Königreich im Persischen Golf.

„Die Spieler, die an diesem Match teilgenommen haben, waren nicht echt. Wir haben kein Team nach Bahrain geschickt. Die Spieler sind uns unbekannt“, sagte Seiyi Memene, der Interimspräsident des togoischen Fußball-Verbandes.

Nabine Gnonh vom Sportministerium des Landes kündigte eine Untersuchung der Partie an, die am Dienstag der Vorwoche im Nationalstadion von Bahrain stattgefunden hatte. Sowohl das Ministerium als auch der Verband würden sich damit befassen, so Gnonh. „Wir haben derzeit noch keine genauen Informationen. Wir haben die Liste der Fußballer, die gespielt haben, noch nicht erhalten und wissen nicht, ob auch Spieler des Nationalteams dabei waren.“

Kein Kommentar von der FIFA

Nach dem Willen von Sportminister Christophe Tchao soll sich auch der Weltfußballverband mit der Angelegenheit beschäftigen. Die FIFA erklärte allerdings bereits, sie kommentiere den Vorgang nicht, da es sich um keine offizielle Partie gehandelt habe. Nach den Regeln des Dachverbandes können nationale Verbände ihre Freundschaftsspiele in Eigenregie vereinbaren.

Scheich widerspricht Togo-Version

Scheich Ali bin Khalifa al-Khalifa, der Vizepräsident des Fußballverbandes von Bahrain, sieht die Sache etwas anders als die Vertreter Togos. Man habe zwei Briefe vom Verband der Gäste bekommen, in denen die Entsendung des Nationalteams mitgeteilt worden sei. Al-Khalifa vermutet hinter der ganzen Sache eine Streit zwischen dem Sportministerium und dem Verband Togos.

„Leider hat es ein Problem mit dem Sportministerium gegeben“, sagte Al-Khalifa. „Wir haben mit dem Verband verhandelt und nicht mit dem Ministerium. Die FIFA hat das Spiel nur bestätigt, weil wir Bestätigungen von beiden Verbänden hatten.“

Drahtzieher in Singapur?

Wie Al-Khalifa weiter erklärte, habe die Partie nicht den Erwartungen entsprochen, und Bahrain habe eine Untersuchung gegen eine Firma eingeleitet, die nach seinen Angaben von der FIFA anerkannt sei und ihren Sitz in Singapur habe. „Es war eine schwache Togo-Mannschaft, das muss ich sagen. Die Trainer und die Spieler haben von der Partie nicht profitiert. Es hätte ein Reserveteam sein können. Wir haben jetzt eine Untersuchung gegen die Firma gestartet, die das Ganze arrangiert hat.“

Nach seinen Angaben habe die Firma aus Singapur den Großteil der Kosten übernommen, Bahrain habe nur 2.000 bis 3.000 Dollar für den Transport und einige andere Ausgaben beigesteuert.

Immer wieder negative Schlagzeilen

Erst im vergangenen Monat war ein Mitglied des technischen Personals der Nationalmannschaft Togos für zwei Jahre gesperrt worden, weil er eine Gruppe von Spielern ohne Erlaubnis nach Ägypten mitgenommen hatte. Die FIFA hatte zudem im Dezember die Verbandsspitze des Landes aufgelöst und Interimspräsident Memene eingesetzt. In einigen Wochen sollen nun neue Verantwortungsträger gewählt werden.

Vergangenes Jahr war Togo negativ aufgefallen, weil in einem Spiel der Qualifikation zum Afrikacup gegen Gabun ein gesperrter Spieler eingesetzt worden war. Weit schlimmer war freilich der Zwischenfall unmittelbar vor Beginn des Afrikacups, als im Jänner bei einem Überfall von Rebellen in Angola zwei Teamoffizielle Togos und ein Fahrer getötet wurden. Togo hatte sich daraufhin vom Afrikacup zurückgezogen und war vom afrikanischen Verband CAF für die nächsten zwei Turniere gesperrt worden. Nach Intervention durch die FIFA wurde diese Sperre später aber wieder aufgehoben.

Nun sorgt ein „Geisterteam“ dafür, dass Togo erneut in den Schlagzeilen aufscheint und der Fußball in dem westafrikanischen Land nicht zur Ruhe kommt.

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