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UCI und Boss McQuaid im Zwielicht

In der bizarren Dopingaffäre um Alberto Contador soll der dreifache Tour-de-France-Sieger offenbar von höchster Stelle gedeckt und geschont werden. Laut der spanischen Zeitung „El Pais“ will der Weltverband UCI den Madrilenen nur mit einer dreimonatigen Sperre belegen. Der Fall solle so schnell und geräuschlos wie möglich ad acta gelegt werden - ein „Kuhhandel“, von dem beide Seiten profitieren.

Contador bestätigte am Sonntag im dänischen Fernsehen (TV 2) geheime Absprachen mit der UCI, die immer mehr ins Zwielicht gerät. „Die UCI bat mich, niemandem etwas zu sagen. Es schien alles in Ordnung, und ich bin davon ausgegangen, dass der Fall intern geregelt wird. Wegen der vereinbarten Vertraulichkeit hatte ich auch Bjarne Riis nicht informiert“, sagte Contador, der seinen neuen Mannschaftsleiter Riis in der Vorwoche vor vollendete Tatsachen gestellt hatte.

Radfahrer Alberto Contador bei der Pressekonferenz

APA/EPA/Emilio Naranjo

Contador macht den Weltverband UCI in Dopingcausa immer unglaubwürdiger.

Sperre im Urlaub als reine Farce

Sollte der Spanier regulär zwei Jahre gesperrt werden, stünde der Saxo-Bank-Sungard-Teamchef 2011 ohne Topfahrer da. Mehrere spanische Medien berichteten am Wochenende, UCI-Chef Pat McQuaid habe gegenüber Carlos Castano, dem Präsidenten des Königlichen Spanischen Verbandes, behauptet, man sei auf der Suche nach einer diskreten Lösung. Innerhalb der nächsten acht bis zehn Tage solle die peinliche Angelegenheit vom Tisch sein, habe der Ire am Rande der Straßen-WM in Australien im internen Kreis mitgeteilt.

„Wir sagen zu diesen Spekulationen nichts“, erklärte UCI-Sprecher Enrico Carpani am Sonntag. Die mögliche Sperre könnte rückwirkend ab 24. August gelten - an diesem Tag erhielt Contador von der UCI Kenntnis von der positiven Probe - und am 24. November enden. Damit würde der Spanier, der bereits seinen Urlaub angetreten hat, in der Vorbereitung auf die neue Saison keine Zeit verlieren. Abgesehen von weiterem Imageverlust wäre der Schaden für Contador - ebenso wie die bei ihm gefundene Menge des Kälbermastmittels Clenbuterol - minimal.

So schnell wie möglich zu den Akten

Bei einer derartigen Regelung bestünde für die UCI allerdings Rechtfertigungsbedarf gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Die WADA wertet Clenbuterol im Körper - ein Grenzwert existiert nicht - als Dopingvergehen, das im Fall Contador eine Zweijahressperre nach sich ziehen muss. „Es wird keinen Fall Contador geben. In einigen Tagen legen wir die Angelegenheit zu den Akten.“ So zitierte „El Pais“ McQuaid am Samstag.

WADA-Generaldirektor David Howman warnte jedoch davor, trotz der winzigen gefundenen Menge von 50 Picogramm Clenbuterol den Fall herunterzuspielen. Am Rande der Commonwealth-Spiele in Indien sagte er, eine geringe Menge „bedeutet nicht, dass nicht betrogen wurde“. Nur das Durchsickern der Testergebnisse an die Presse habe dazu geführt, dass das Problem nicht wie „geplant“ intern gelöst werden konnte, schrieb das Blatt weiter.

Spanien „ignoriert“ Dopingproblem

Die ARD („McQuaid lügt“) hatte UCI-Boss McQuaid am vergangenen Mittwoch mit den Erkenntnissen eines positiven Clenbuterol-Befundes konfrontiert. Der oberste Repräsentant des Radsports hatte erklärt, von nichts zu wissen - um den Fall wenige Stunden später in einer Presseerklärung publik zu machen. Inzwischen weiteten ARD und „L’Equipe“ die Vorwürfe aus und sprachen von Indizien, die bei Contador Blutdoping nahelegten.

Nach Informationen der ARD-„Sportschau“ vom Sonntag könnten 480 Nanogramm Rückstände eines sogenannten Platicisers aus den Plastikbeuteln reinfundierter Blutkonserven bei Contador stammen. Auf Anfrage erklärte Contador dazu: „Diese Werte wurden mir von der UCI nie mitgeteilt.“ Sein Sprecher Jacinto Vidarte nannte die Vorwürfe des Bludopings „Science-Fiction“.

Nach der Contador-Affäre und den positiven A-Proben von dessen Landsleuten Ezequiel Mosquera und David Garcia auf das Verschleierungsmittel HES macht McQuaid Druck auf die spanische Regierung. Madrid ignoriere das Dopingproblem, meinte der Ire. „Dort scheint bisher kein Wille erkennbar, dagegen anzugehen“, sagte der umstrittene UCI-Chef.

Contador beteuert Unschuld

Contador, der schon 2006 mit der Dopingaffäre um den Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht worden war, hatte am 21. Juli eine Urinprobe abgegeben, in der das Kölner Antidopinglabor die minimalen Spuren fand. Der Spanier, der in den letzten Wochen an Rücktritt dachte, beteuert weiter, verunreinigtes Kalbfleisch sei Grund für den Befund. „Ich habe daran gedacht, mich nie wieder auf ein Rad zu setzen. Ich bin enttäuscht von der Welt des Radsports“, sagte der 27-Jährige in einem „Marca“-Interview.

Um seine Unschuld zu beweisen, will er nichts unversucht lassen. „Wenn es nötig ist, meine Proben einzufrieren, um diese in fünf Jahren - wenn das Testverfahren weiter perfektioniert ist - noch analysieren zu können, dann autorisiere ich das“, sagte Contador der Nachrichtenagentur AP. Er wolle sich auch mit einer kurzen Sperre nicht abfinden. „Ich bin völlig unschuldig. Weshalb sollte ich da eine Sperre akzeptieren?“, betonte Contador am Montag in einem Interview mit dem spanischen TV-Sender Antena 3.

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