Ganz oder gar nicht
Rund ein Jahr nach dem Ende seiner schillernden Karriere weint Hermann dem alpinen Skisport keine Träne nach. Ein Comeback könne sich der 37-jährige Salzburger, der knapp vor Beginn der Olympiasaison am 13. Oktober in der Wiener Hofburg überraschend seinen Rücktritt erklärt hat, deshalb „eher nicht vorstellen“. Das gab er in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ (Freitag-Ausgabe) zu Protokoll.
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Und so wird Maier auch nicht der Einladung zur Weltmeisterschaft nach Garmisch-Partenkirchen folgen, wo ihn OK-Chef Gerd Rubenbauer zu gern als quotenbringenden Vorläufer in der WM-Abfahrt gesehen hätte. „Das ist ein Wahnsinnsvorschlag. Da müsste mir schon am Pol das Hirn einfrieren“, meinte Maier, der im Winter mit Ö3-Mikromann Tom Walek zu einer Expedition ins ewige Eis des Südpols aufbrechen wird.
„Von der Kraft her ginge es“
Wobei die Kondition dabei zwar keine negative Rolle spielen, Maier aber dennoch kein gutes Bild abgeben würde. „Von der Kraft her ginge es noch“, erklärte der Salzburger, „aber von der Geschwindigkeit nicht. Außerdem: Bevor ich mich da als Vorläufer runterhaue, starte ich gleich im Rennen - halbe Sachen sind nicht meins.“ In Form hält bzw. bringt sich Maier derzeit mit „sehr viel Berggehen“ - vom Pensum her laut Maier allerdings nur mehr ein Drittel seines früheren Ausdauertrainings. Für den Wettlauf zum Südpol („14 bis 15 Stunden täglich mit Gepäck“) sollte das reichen.
Wobei sich Maier ein Sport-Comeback nur im Skifahren nicht vorstellen kann, auf anderer Ebene sehr wohl - auf dem grünen Rasen. Aber nicht als Fußballer: „Wenn der Umbau vom Haus am Attersee fertig ist und mir langweilig wird, fang ich vielleicht zum Golfen an“, sagte Maier, der sich in seiner bewegten und von einem schlimmen Motorradunfall („Mein größter Sieg“) unterbrochenen Karriere mit drei Weltmeistertiteln, zwei Olympia- und vier Gesamtweltcup-Siegen sowie 54 Weltcup-Triumphen zum erfolgreichsten österreichischen Skifahrer der Geschichte aufgeschwungen hatte.
„Berthold ist einer wie ich“
Die Leistungen bzw. die Saisonvorbereitungen seiner früheren ÖSV-Teamkollegen unter Neo-Cheftrainer Mathias Berthold verfolgt er natürlich, wiewohl aus sicherer Distanz. Ob er sich selbst den Job als ÖSV-Trainer antun würde? „Dafür ist es noch zu früh - aber zu lange warten darf man dafür auch nicht“, bekannte Maier: „Das kann nur in einem Zeitraum von fünf Jahren passieren, sonst wäre ich vom Geschehen schon zu weit weg und hätte alle Entwicklungen, vor allem auf dem Materialsektor, verpasst.“
In Berthold („Mathias hat Großes vor, steht vor einer riesigen Herausforderung“) erkennt Maier aber ohnehin den richtigen Mann in der richtigen Positon: Weil er sich vor die Mannschaft stelle. Das sei Maier bei Bertholds Vorgängern in aktiven Zeiten früher oft abgegangen. „Berthold ist wie ich: ein Prellbock“, attestierte Maier, weil er das mediale Interesse auf ziehe. „So etwas braucht ein Team.“ So wie es bei ihm damals gewesen ist. „Die anderen konnten sich im Hintergrund bestens vorbereiten, für die war das super. Der Maier wird es schon machen. Und dann war ich weg.“ So ist es, und dabei dürfte es auch bleiben.
Michael Fruhmann, ORF.at
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