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Ein Monat unbedingt, 14 Monate bedingt

Die zentrale Figur in Österreichs bisher größtem Dopingskandal, der frühere Sportmanager Stefan Matschiner, muss nicht ins Gefängnis. Das Wiener Straflandesgericht verurteilte ihn wegen versuchten Blutdopings und der Weitergabe von illegalen Präparaten zu einem Monat Haft und 14 Monaten auf Bewährung.

Da der bisher unbescholtene Matschiner wegen der Angelegenheit bereits fünf Wochen in Untersuchungshaft saß, wird ihm das auf die Strafe angerechnet. Daher muss er nicht ins Gefängnis. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Matschiner hatte zuvor gestanden, zwischen 2005 und 2008 insgesamt acht von ihm betreuten Sportlern - unter ihnen Ex-Radprofi Bernhard Kohl - verbotene Mittel gegeben zu haben.

Richterin glaubt Kohl-Vorwürfe

Für Richterin Martina Spreitzer-Kropiunik stand zweifelsfrei fest, dass Matschiner am 24. September 2008 - und damit rund sechs Wochen nach Inkrafttreten des neuen Anti-Doping-Gesetzes, das seither Blutdoping in Österreich unter Strafe stellt - bei seinem ehemaligen Schützling Kohl und zwei weiteren Radprofis in Linz eine illegale Blutabnahme mittels einer Blutzentrifuge durchgeführt hatte. Matschiner hatte das vehement bestritten und versichert, er wäre damals beruflich in Belgrad gewesen.

Ex-Radprofi Bernhard Kohl

APA/Herbert Neubauer

Ex-Radprofi Bernhard Kohl blieb bei seiner Aussage.

Das Gericht schenkte allerdings der Darstellung Kohls Glauben, der in dem Strafverfahren ausführlich gegen seinen ehemaligen Manager ausgesagt hatte. Bei den anderen beiden Sportlern, die Matschiner in einer eigens dafür angemieteten Wohnung zum Blutdoping empfangen haben soll, handelte es sich laut Kohl um den seit 2007 mit Dopingvorwürfen konfrontierten Dänen Michael Rasmussen und den im Juli 2010 wegen Dopings gesperrten Italiener Pietro Caucchioli. Laut Kohl soll die Zentrifuge von ihm selbst, Rasmussen und dem Ende 2009 von der NADA suspendierten Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann finanziert worden sein.

Fünf Dopingabnehmer bleiben geheim

Während Matschiner versicherte, im Hinblick auf das Anti-Doping-Gesetz nach dem Sommer 2008 hierzulande kein Blutdoping mehr betrieben, sondern die Zentrifuge nach Ungarn verschafft zu haben, wo derartige Praktiken noch straffrei sind, hatte er zugegeben, seit 2005 an acht Sportler EPO und Wachstumshormon weitergegeben zu haben.

Namentlich nannte er den im Oktober 2008 der CERA-Einnahme überführten Kohl und die ebenfalls als Dopingsünderin aufgeflogene Triathletin Lisa Hütthaler. Ein weiterer Abnehmer war laut rechtskräftigem Urteil der Schweizer Ex-Radprofi Markus Zberg. Die Identität der übrigen Sportler wurde in dem Gerichtsverfahren nach einer zu vermutenden Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung nicht gelüftet.

„Doping gehört dazu wie Frühstück“

„Ich bereue nichts, weil ich mir nicht vorwerfen kann, dass ich jemanden gesundheitlich in Gefährdung gebracht hätte“, hatte Matschiner in seinem Schlusswort unmittelbar vor der Urteilsverkündung zur Weitergabe der verbotenen Präparate betont. Er habe versucht, „nach bestem Wissen und Gewissen“ zu handeln und seinen Sportlern „nur das gegeben, was alle nehmen“. Doping gehöre zum Hochleistungssport „wie das Frühstück“, so Matschiner bereits beim Prozessauftakt im August.

Mittlerweile sei er froh, sich von dieser „Parallelgesellschaft“ entfernt zu haben, „weil mich das ankotzt und ich nicht mehr Teil davon sein will. Ich weine dem keine Träne nach“, legte er beim Prozessfinale noch ein Schäuferl nach.

Kohl und Hütthaler Großabnehmer

Im Bezug auf Kohl und Hütthaler wurde Matschiner allerdings zu weit größeren als den von ihm eingeräumten Mengen verurteilt: Demnach überließ er Kohl insgesamt 200.000 Einheiten Dynepo, was den Radsportler mindestens 50.000 Euro kostete, und Lisa Hütthaler zumindest 60.000 Einheiten, wofür diese 10.000 bis 20.000 Euro bezahlte. Die Richterin stützte sich dabei auf die Aussagen der beiden Sportler, die im Zeugenstand „nachgerechnet“ hatten.

Spreitzer-Kropiunik billigte Matschiner zu, sich bei diesen Geschäften nicht bereichert zu haben, doch wäre sein Tun jedenfalls geeignet gewesen, die Gesundheit seiner Abnehmer „abstrakt zu gefährden“, hielt die Richterin fest, der bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren die verhängte Strafe aus generalpräventiven Erwägungen angemessen erschien: „Es bedarf eines deutlichen Zeichens an die Öffentlichkeit, dass das Anti-Doping-Gesetz ernst genommen wird und mit Strafen sanktioniert wird.“

Auffallenderweise waren von den Sportlern, die mit Matschiner zu tun hatten bzw. gehabt haben sollen, lediglich Kohl und Hütthaler als Zeugen erschienen. Beide hatten nach Abgabe eines positiven Dopingtests die Einnahme verbotener Substanzen gestanden. Demgegenüber kamen Rasmussen, Caucchioli, Hoffmann und Zberg ihren Ladungen „beharrlich nicht nach, was insofern nicht weiter verwunderlich ist, als sie hier unter Wahrheitspflicht aussagen müssten“, wie die Richterin abschließend bemerkte.

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