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Katerstimmung an der Weser

Werder Bremen und kein Ende der Krise in Sicht: Das glatte 0:4 am 13. Spieltag der deutschen Bundesliga gegen Schalke 04 in Gelsenkirchen war nur ein weiterer Schritt in den sportlichen Bankrott. Nach dem Schlusspfiff und dem vierten sieglosen Match in Folge boten die ratlosen Bremer um ÖFB-Verteidiger Sebastian Prödl ein Bild des Jammers.

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Abgeschreckt von den Unmutsbekundungen der mitgereisten Anhänger machten sie auf halbem Weg Richtung Fantribüne kehrt und suchten das Weite. „Ich kenne die Tabelle, keine Sorge“, antwortete Clubchef Klaus Allofs auf die Frage nach der drohenden Absturzgefahr und machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Wir haben zwar keine neuen Fehler gemacht, aber die alten wiederholt. Das ist der schwerste Tag“, sagte Allofs.

Keine Trainerdiskussion

Trotz der schweren Krise sei für Allofs eine Trainerentlassung keine Überlegung wert. „Ich bin überzeugt, dass es keinen besseren gibt, der so akribisch arbeitet“, meinte er über Coach Thomas Schaaf. Der Geschäftsführer stärkte dem Fußballlehrer nach dem 0:4-Desaster sogar demonstrativ den Rücken. Zu möglichen Forderungen nach einem Rauswurf sagte Allofs: „Dann würden wir auf Druck handeln und nicht aus Überzeugung, deshalb ist das kein Thema.“ Der 48-Jährige ist seit Mai 1999 im Traineramt.

Schaaf selbst wollte sich angesichts der bedenklichen Vorstellung seiner Elf vor allem in der Deckung nicht mehr mit dem Gedanken an einen Europacup-Startplatz beschäftigen. „Das können wir so nicht akzeptieren“, klagte Schaaf, dessen Team bereits 31 Gegentreffer und damit nach Mönchengladbach die zweitmeisten der Liga kassierte. Schaaf wirkte ähnlich ratlos wie seine Profis zuvor auf dem Rasen: „Jeder freut sich, gegen uns zu spielen. Wir träumen, wir stehen da und gucken zu, wehren uns nicht.“

„Mir gehen die Worte aus“

Dabei hatte die Partie in Gelsenkirchen für Werder gar nicht schlecht begonnen. Die Gäste bestimmten das Geschehen und vergaben durch Hugo Almeida sogar die Topchance auf den Führungstreffer. Symptomatisch für die Talfahrt der Bremer war die Szene in der 22. Minute, die den Umschwung brachte: Schalkes Metzelder traf per Kopf die Latte, von dort an die Schulter von Bremen-Keeper Tim Wiese und weiter ins Tor - der Anfang vom Ende. Den Rest besorgte Raul per Hattrick.

„Mir gehen langsam die Worte aus. Wir waren bemüht, haben alles versucht und sind von Schalke in ihrem eigenen Stadion ausgekontert worden. Nach dem 0:1 ist dann jeder verunsichert gewesen, keiner hat sich mehr durchsetzen können", suchte Prödl, dessen Landsmann Marko Arnautovic am Samstag verletzungsbedingt nicht dabei war, verzweifelt nach einer möglichen Erklärung für die Misere seiner Mannschaft.

„Die Tatsachen sind klar. Wir stehen auf Platz zwölf in der Tabelle, das ist in Bremen für niemanden akzeptabel. Jetzt muss jeder für sich selbst Verantwortung übernehmen, damit wir nicht unsere Fehler wiederholen. Aber irgendwie bin ich ratlos und ich habe keine Erklärung dafür, warum es nicht besser läuft“, attestierte Prödl. Individuelle Patzer von Wiese beim zweiten Gegentreffer und DFB-Teamverteidiger Per Mertesacker beim dritten untermauerten die allgemeine Verunsicherung bei Bremens Führungsspielern.

„Es sieht nicht rosig aus“

Zu allem Überfluss ging neben den Punkten in Gelsenkirchen auch noch Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede verloren, der in der 85. Minute nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte sah. Davor musste Wesley wegen einer Muskelverletzung ausgewechselt werden. Und so stimmte Prödl ebenso wie Allofs nicht nur der Blick auf die Tabelle nachdenklich: „Die Personaldecke ist inzwischen sehr dünn, es sieht nicht rosig aus.“

Denn bereits am Mittwoch wartet in der Champions League mit Tottenham Hotspur an der Londoner White Hart Lane ein ganz schwerer Brocken. Ein Erfolg gegen die stargespickten Engländer könnte laut Prödl der erste Schritt auf dem Weg zurück zur alten Stärke sein. „Vielleicht tut es uns in der derzeitigen Situation sogar gut, wenn wir gegen ein Topteam spielen, gegen das uns momentan nur wenige etwas zutrauen“, meinte Prödl.

13. Runde

Samstag, 20. November:
Schalke Bremen 4:0
Mönchengladbach Mainz 2:3
Nürnberg Kaiserslautern 1:3
Hannover Hamburger SV 3:2
Frankfurt Hoffenheim 0:4
Freiburg Dortmund 1:2
Leverkusen Bayern München 1:1
Sonntag, 21. November:
Stuttgart Köln 0:1
St. Pauli Wolfsburg 1:1

Tabelle 2010/11

1. Borussia Dortmund 34 23 6 5 67:22 75
2. Bayer 04 Leverkusen 34 20 8 6 64:44 68
3. FC Bayern München 34 19 8 7 81:40 65
4. Hannover 96 34 19 3 12 49:45 60
5. 1. FSV Mainz 05 34 18 4 12 52:39 58
6. 1. FC Nürnberg 34 13 8 13 47:45 47
7. 1. FC Kaiserslautern 34 13 7 14 48:51 46
8. Hamburger SV 34 12 9 13 46:52 45
9. SC Freiburg 34 13 5 16 41:50 44
10. 1. FC Köln 34 13 5 16 47:62 44
11. 1899 Hoffenheim 34 11 10 13 50:50 43
12. VfB Stuttgart 34 12 6 16 60:59 42
13. Werder Bremen 34 10 11 13 47:61 41
14. FC Schalke 04 34 11 7 16 38:44 40
15. VfL Wolfsburg 34 9 11 14 43:48 38
16. Borussia Mönchengladbach 34 10 6 18 48:65 36
17. Eintracht Frankfurt 34 9 7 18 31:49 34
18. FC St. Pauli 34 8 5 21 35:68 29

Endstand vom 14. Mai. Die neue Saison beginnt am 5. August

Champions League: Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen
CL-Qualifikation: Bayern München
Europa League: Hannover 96, FSV Mainz 05, Schalke 04 (Cupsieger)
Absteiger: Eintracht Fankfurt, FC St. Pauli
Aufsteiger: Hertha BSC, FC Augsburg

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