Anschuldigungen nehmen kein Ende
Nach der fragwürdigen Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar sieht sich der unter Druck geratene Fußball-Weltverband (FIFA) mit neuen Bestechungsvorwürfen konfrontiert. Der in die Schlagzeilen geratene Vizepräsident Julio Grondona hüllte sich vorerst in Schweigen, um dann - wenig verwunderlich - mit einem Dementi zu reagieren.
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Das „Wall Street Journal“ hatte berichtet, dass ein ehemaliger Angestellter des Bewerbungskomitees von Katar empfohlen habe, dem Argentinischen Fußballverband (AFA) rund 59 Millionen Euro zu bezahlen. Grondona ist seit 1979 AFA-Präsident und sitzt im Exekutivkomitee des Weltverbandes, das die WM 2022 am Donnerstag überraschend an Katar vergeben hatte. Er ist zudem seit vielen Jahren Chef der FIFA-Finanzkommission.
„Ich sage nichts dazu“, so der Argentinier in einer ersten Reaktion. „Ich bin fast 80 Jahre alt. Ich will mich deshalb nicht mehr mit so etwas befassen.“ Am Montag reagierte er gegenüber dem argentinischen Sender Radio 10 mit einem energischen Dementi. Die angebliche Zahlung von rund 59 Millionen Euro sei eine „Erfindung“, sagte Grondona. Es gebe viel „Eifersucht und Neid“, so der Verbandspräsident. Er brachte die Vorwürfe in Zusammenhang mit dem Scheitern der Kandidaturen von England und den USA, „die es gewohnt sind, immer und mit allen Mitteln zu gewinnen“.
Zahlung nicht dementiert
Die Millionenzahlung Katars sei als Unterstützung für den klammen argentinischen Verband deklariert gewesen, berichtete das „Wall Street Journal“. Angeblich sei die nationale Liga von einer Finanzkrise bedroht gewesen. Das wies Grondona zurück. „Warum sollte unser Verband eine Verschuldung in dieser Höhe aufweisen“, sagte er der argentinischen Agentur Telam.
Fuktionäre gesperrt
Bereits Mitte November hatte die FIFA auf weitere Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit WM-Bewerbungen 2018 und 2022 reagiert. Die Ethikkommission schloss am 18. November zwei Exekutivmitglieder aus. Amos Adamu aus Nigeria wurde am Donnerstag für drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen, Reynald Temarii aus Tahiti für ein Jahr. Beide waren bereits suspendiert. Öffentlich gemacht hatte den Skandal im mächtigen Verband die englische „Sunday Times“, deren Reporter Temarii und Adamu mit versteckter Kamera gefilmt hatten.
Temarii soll sich Anfang Oktober in einem Gespräch mit Reportern der „Sunday Times“ bereiterklärt haben, seine Stimme bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 für drei Millionen neuseeländische Dollar (rund 1,6 Mio. Euro) zu verkaufen, um eine Fußballnachwuchsakademie in Auckland zu gründen. Die Journalisten hatten sich als Lobbyisten für ein Konsortium von US-Firmen ausgegeben, die die Weltmeisterschaft 2022 in ihre Heimat holen wollten. Temarii beteuerte danach mehrfach seine Unschuld und betonte, er sei „absolut integer“.
Gesperrt wurden außerdem vier ehemalige FIFA-Exekutivmitglieder, die ebenfalls schon suspendiert waren. Die längste Sperre erhielt mit vier Jahren Ismael Bhamjee aus Botsuana, jeweils drei Jahre wurden Ahongalu Fusimalohi aus Tonga und Amadou Diakite aus Mali ausgeschlossen. Slim Aloulou aus Tunesien darf sich zwei Jahre lang nicht im Fußball betätigen. Auch dieses Quartett muss jeweils 10.000 Franken Strafe zahlen.
Exekutivkomitee-Mitglieder unter Verdacht
Letzte Woche sah sich die FIFA mit Bestechungsvorwürfen gegen die Exekutivkomitee-Mitglieder Ricardo Teixeira, Nicolas Leoz und Issa Hayatou konfrontiert: mit Schmiergeldzahlungen von insgesamt mehr als zehn Millionen Dollar an die drei Funktionäre in den 90er Jahren. Der Vorwurf lautet, dass das Trio Bestechungsgelder von der ehemaligen FIFA-Vermarktungsagentur ISL angenommen haben soll.
Doch die FIFA reagierte mit Gelassenheit, die Vorwürfe seien alt und damit gegenstandslos. Es handle sich um Vorgänge, die von den zuständigen Schweizer Strafbehörden bereits untersucht worden seien: „In seinem Urteil vom 26. Juni 2008 hat das Strafgericht Zug keinen FIFA-Funktionär verurteilt“, hieß es in der FIFA-Mitteilung. Es sei auch kein Mitglied des Weltverbandes wegen krimineller Delikte angeklagt worden.
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