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Chip im Ball, Torkamera, Torrichter

Die Diskussionen über technische Hilfsmittel für Schiedsrichter sind zum Dauerthema geworden. Nach krassen Fehlentscheidungen bei der WM in Südafrika kündigte FIFA-Präsident Joseph Blatter im August an, über die Einführung technischer Hilfsmittel zu debattieren. Den Videobeweis wird es aber auch in naher Zukunft nicht geben.

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Das für Regelfragen zuständige International Football Association Board (IFAB) sprach sich am 20. Oktober für eine Diskussion über mögliche technische Hilfsmittel bei umstrittenen Torentscheidungen aus. Bis Ende November konnten interessierte Anbieter ihre Technologien dem Weltverband FIFA präsentieren. Danach soll es eine Testphase geben. Eine endgültige Entscheidung über die Einführung der Torlinientechnik kann nach FIFA-Statuten erst auf der IFAB-Jahreshauptversammlung von 4. bis 6. März 2011 getroffen werden.

Überraschende Kehrtwende

Im März hatte das IFAB noch jeglicher technischer Hilfe im Fußball eine Absage erteilt. Nach den zahlreichen Debatten bei der WM in Südafrika vollzog das Gremium aber eine überraschende Kehrtwende - wohl auf Geheiß von FIFA-Chef Blatter. Allerdings verfügte das IFAB, dass die Technologie ausschließlich für die Torlinie angewandt werden dürfe und allein, um zu bestimmen, ob ein Tor fiel. Das System müsse binnen einer Sekunde Aufschluss darüber geben, ob ein Tor erzielt wurde oder nicht. Das Ergebnis der Analyse dürfe nur den Schiedsrichtern übermittelt werden.

Erstmals wurde der Chip im Ball im Herbst 2005 bei der U17-WM in Peru getestet. Schon im Mai 2005 hatte Blatter gesagt, er sei sich „hundertprozentig sicher“, dass die technologische Hilfe bei der WM 2006 in Deutschland zum Einsatz komme.

„Fußball wird von Menschen geleitet“

Der Versuch in Peru verlief zufriedenstellend, offenbarte aber auch Schwächen. So kritisierten Schiedsrichter, dass das Signal der Uhr an ihrem Arm auch dann ertönte, wenn der Ball neben dem Tor die Outlinie überquert hatte. Ein weiterer Test anlässlich der Club-WM 2005 wurde abgesagt, auch 2006 kam die neue Technik nicht zum Einsatz.

Die Ankündigungen Blatters zogen sich wie ein roter Faden durch die jüngste Geschichte des Fußballs. Meist erwies sich der Schweizer als schlechter Prophet und als Gegner des elektronischen Auges. „Ich bin gegen Videobeweise. Oft ist der Standort, die Perspektive entscheidend. Man kann das Spiel nicht noch mehr in die Länge ziehen. Fußball wird von Menschen geleitet, und Menschen sind nicht unfehlbar“, meinte er einmal.

„Menschliches Gesicht bewahren“

Statt des Chipballs wollte der Weltverband dann auf Torkameras setzen. Dazu sagte Blatter 2006: „2007 wird es möglich sein, das System einzusetzen. Das System wird funktionieren.“ Es kam die Kehrtwende. „Der Videobeweis würde dem Fußball nehmen, was ihn ausmacht. Wir wollen die menschlichen Elemente wahren“, so Blatter. „Wir konnten keinem der zwei getesteten Systeme etwas Positives abgewinnen. Außerdem hat es die Autorität des Schiedsrichters gestört. Wir müssen mit Fehlern leben, und Fußball muss sein menschliches Gesicht bewahren.“

Im Dezember 2006 waren die Torkameras im italienischen Serie-A-Spiel zwischen Udinese und Reggina getestet worden. Die Torlinien werden dabei von 20 Meter über dem Boden aufgehängten hochauflösenden Kameras überwacht. Die „Hawk Eye“-Technologie kam 2007 auch bei der U20- und U17-WM in Kanada und Südkorea zum Einsatz, bei der Club-WM 2007 prüfte die FIFA wieder den Chip im Ball.

Stopp 2008

Im März 2008 wurde der technischen Hilfe dann ein Riegel vorgeschoben. Die Regelhüter des internationalen Fußballs entschieden sich für zwei zusätzliche Schiedsrichterassistenten im Torbereich, aber vorerst gegen Chipball und Torkamera. Alle Experimente sollten gestoppt werden. Die Torrichter kamen in der Europa-League-Saison 2009/2010 zum Einsatz. Laut FIFA seien die weltweiten Kosten für die Anschaffung von Torkameras zu hoch. Zudem fürchten die Bosse, die Einführung von Torkamera oder Chipball könnte weitere technische Hilfsmittel nach sich ziehen.

Die Gralshüter der Fußballregeln

Seit 124 Jahren wacht das IFAB über die Regeln des Fußballs. Dem Gremium gehören traditionell vier Mitglieder der FIFA sowie je ein Gesandter der nationalen Verbände Englands, Schottlands, Nordirlands und Wales’ an. Einmal im Jahr kommt das IFAB zu einem Treffen zusammen und berät sowie beschließt Regelfragen. Gegründet wurde das IFAB 1886 von den vier britischen Verbänden. Die FIFA erkannte das Gremium bei ihrer Gründung 1904 an. Seit 1913 stellt die FIFA 50 Prozent der Mitglieder. Regeländerungen können nur bei Zustimmung durch 75 Prozent erzielt werden. Die FIFA-Gesandten stimmen nach einem ungeschriebenen Gesetz einheitlich.

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