Dänemark feiert Norweger
1905 haben die Norweger den dänischen Prinzen Carl als ihren ersten König gefeiert, 2010 liegt Dänemark dem Norweger Staale Solbakken als „Fußballkönig“ zu Füßen. Der 42-jährige Trainer führte den FC Kopenhagen als erste dänische Mannschaft ins Achtelfinale der Champions League und hauchte dem dänischen Clubfußball neues Leben ein.
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Mit einem 3:1-Sieg über Panathinaikos Athen löste Kopenhagen am Dienstag aus eigener Kraft das Ticket für die besten 16 Mannschaften Europas und löste nicht nur in der dänischen Hauptstadt eine Euphorie aus, wie man sie zuletzt 1992 nach dem sensationellen EM-Titel erlebte. Mit „Super-super-FCK unter Europas Besten“ bejubelte die Zeitung „Politikken“ den Einzug Kopenhagens ins Achtelfinale.
Kopenhagen dominiert Liga
Neben den Torschützen Martin Vingaard und Jesper Gronkjär war vor allem Solbakken der gefeierte Held. Der Norweger formte seit seinem Amtsantritt 2006 den FC Kopenhagen zum Maß aller Dinge in der dänischen Superliga. Viermal führte Solbakken die Mannschaft zum Meistertitel. In der aktuellen Spielzeit liegt Kopenhagen nach 19 Spielen ungeschlagen 19 Punkte vor dem ersten Verfolger Odense BK. „Es ist mein Job, jeden Spieler zu verbessern“, umriss der Trainer einst seine Philosophie. Verbessert hat sich vor allem die Abwehr, die für den Trainer „zu den stärksten der Champions League“ gehört.
Begegnung mit dem Tod
Dabei hätte nicht viel gefehlt und Solbakken hätte nie die Chance bekommen, sich als Trainer zu beweisen. Am 13. März 2001 brach der damalige Spieler des FC Kopenhagen im Training mit einem Herzinfarkt zusammen. Ein unbekannter, angeborener Herzfehler hätte den damals 33-jährigen beinahe das Leben gekostet. Der damalige Teamarzt Frank Odgaard kämpfte noch auf dem Rasen um das Leben des Spielers. „Es ist ein Wunder, dass er noch lebt. Sein Herz hatte aufgehört zu schlagen“, erinnerte sich der Arzt später, „er war klinisch tot.“

Reuters/ Bob Strong
Beim 1:1 in Barcelona zeigte Solbakken (l.) sein Temperament.
Doch Solbakken sprang dem Tod noch einmal von der Schaufel und begann sein zweites Leben als Trainer. „So ein Erlebnis verändert dich natürlich“, blickte der Norweger in einem Interview mit dem englischen „Guardian“ 2006 zurück, „davor wollte ich immer gewinnen, koste es, was es wollte. Aber ich habe erkannt, was im Leben wichtig ist.“ Solbakken wurde ein Herzschrittmacher eingesetzt, der noch heute den Takt im Leben des 42-Jährigen vorgibt.
Eine „ruhige Kugel“ schiebt Solbakken trotz seines Schockerlebnisses vor neun Jahren nicht. Auch zu emotionalen Ausbrüchen lässt sich der Kopenhagen-Trainer immer noch hinreißen. So ließ der Norweger seinem Ärger beim 1:1 in Barcelona freien Lauf, als der Pfiff des spanischen Goalies Jose Manuel Pinto den alleine auf ihn zustürmenden Kopenhagen-Stürmer Cesar Santin irritierte und zum Stehenbleiben animierte. Nach dem Spiel musste Solbakken zurückgehalten werden, um nicht gegen Barca-Trainer Josep Guardiola handgreiflich zu werden.
Norwegen statt Kopenhagen
Obwohl der Norweger in Kopenhagen mittlerweile Kultstatus genießt, müssen sich die Verantwortlichen in Kopenhagen bereits jetzt Gedanken über die Zeit nach Solbakken machen. Der Vertrag des 42-Jährigen läuft nach dieser Saison aus - und wird auch nicht verlängert. Solbakken hat bereits einen Vertrag als Nationaltrainer seines Heimatlandes in der Tasche.
Ein Meinungsumschwung des Erfolgscoaches ist ausgeschlossen. „Ich war bereits einmal tot, und ich möchte gerne noch etwas Neues probieren, bevor ich erneut sterbe“, stellte der Norweger bereits klar, dass er im kommenden Sommer die Stätte seiner bisher größten Trainererfolge verlassen wird. Das große Ziel ist es, auch Norwegen zurück in die Weltelite zu führen. Denn zuletzt waren die Norweger bei der Europameisterschaft 2000 bei einem großen Turnier dabei - damals noch mit dem Spieler Solbakken.
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