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Zellengeflüster von Dopingarzt Fuentes

Der erneut ins Visier der spanischen Dopingfahnder geratene Sportarzt Eufemiano Fuentes hat nun auch die erfolgreichen Fußballer seines Heimatlandes ins Zwielicht gebracht, indem er ihnen indirekt Dopingmissbrauch vorwarf. Das berichtete die spanische Tageszeitung „El Mundo“ (Montag-Ausgabe). Nationaltrainer Vicente del Bosque dementierte umgehend.

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Fuentes wurde in jenem Zeitungsbericht in Folge der „Operacion Galgo“ (Operation Windhund), bei der in der vergangenen Woche 14 Verdächtige, darunter Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Marta Dominguez (3.000-m-Hindernis-Weltmeisterin 2009), festgenommen worden waren, mit den Worten zitiert: „Würde ich reden, hätten wir (Spanien) weder den EM- noch den WM-Titel im Fußball.“

Spanischer Arzt Eufemiano Fuentes

APA/EPA/EFE/Viktor Lerena

Fuentes sorgt wieder für Wirbel.

Der 55-Jährige soll das am Sonntag seinen Zellengenossen anvertraut haben, während er darauf wartete, von einer Ermittlungsrichterin verhört zu werden. Am Ende kamen er und fünf weitere Verdächtige unter Auflagen auf freien Fuß. Sie wurden aber des Handels mit verbotenen Substanzen und damit eines Verbrechens gegen die allgemeine Gesundheit beschuldigt. Darauf stehen bis zu zwei Jahre Haft und bis zu fünf Jahre Berufsverbot.

„Kein Doping im Fußball“

Spaniens Nationaltrainer Del Bosque wies die Spekulationen, wonach auch der spanische Fußball in den neuen Fuentes-Dopingskandal verwickelt sein könnte, umgehend zurück. „Ich habe in meiner 43-jährigen Laufbahn noch nie etwas Verdächtiges gesehen, und auch nicht erlebt, dass jemand mit Betrügereien versucht hätte, sich einen sportlichen Vorteil zu verschaffen“, sagte er am Montag in Madrid.

Auch Weltmeister Xavi erklärte trotzig, im Fußball gebe es kein Doping. Schließlich würden die Spieler ständig kontrolliert. „Wir haben die EM und die WM ohne Doping gewonnen“, betonte der Mittelfeldstar des FC Barcelona. Fuentes hatte schon nach der Aufdeckung des großen Radsport-Dopingskandals der „Operacion Puerto“ (Operation Bergpass) im Jahr 2006 behauptet, auch andere Sportarten seien darin verwickelt. Beweise dafür gibt es bis dato aber nicht. Der frühere Vorsitzende der spanischen Anti-Doping-Kommission, Guillermo Jimenez, sagte dazu am Freitag: „Es gibt in Spanien ein Dopingnetzwerk. Ihm gehören Ärzte und Sportler an, die unseren Sport beschmutzen.“

Real gewinnt Rechtsstreit

Dazu passend: Real Madrid hatte im März 2009 einen Prozess gegen die französische Tageszeitung „Le Monde“ gewonnen, die Doping-Vorwürfe gegen den spanischen Rekordmeister erhoben hatte. Ein Gericht in Madrid verurteilte das angesehene Blatt dazu, dem Club und dessen Vereinsarzt eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 330.000 Euro zu zahlen.

„Le Monde“ hatte Real Madrid und andere spanische Fußballclubs beschuldigt, die Dienste des mutmaßlichen Dopingarztes Fuentes in Anspruch genommen zu haben. Nach Ansicht des Gerichts entbehrten die Vorwürfe jeder Grundlage. Real betonte damals, mit dem Urteil seien die Ehre und das Ansehen des Vereins wiederhergestellt worden.

„Mit der Sache nichts zu tun“

Derweil wäscht Fuentes seine Hände weiter in Unschuld. Auch in der neuen Affäre wies er in seiner Aussage vor Gericht jede Verwicklung von sich. „Er hat sich für unschuldig erklärt“, sagte sein Anwalt. „Mein Mandant hat mit der ganzen Sache nichts zu tun.“ Er widme sich in Las Palmas auf Gran Canaria einzig und allein seiner Arbeit als Familienarzt. Fuentes war bereits 2006 eine der Schlüsselfiguren der „Operacion Puerto“ gewesen.

Die Sportnation Spanien steht jedenfalls wieder unter Schock. Als wären Wirtschafts- und Schuldenkrise nicht schon genug, macht das Land nun auch noch wegen eines weiteren Dopingskandals international negative Schlagzeilen. Dabei hatten die Iberer nach Erfolgen wie dem erwähnten WM-Titel im Fußball und dem Wimbledon-Sieg Rafael Nadals monatelang das „Goldene Zeitalter“ des spanischen Sports gefeiert.

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