Frankreich erlebt Fiasko
Für die wohl größten Enttäuschungen der WM in Südafrika waren die WM-Finalisten von 2006 verantwortlich. Titelverteidiger Italien war nur noch ein Schatten seiner selbst und schied ebenso in der Vorrunde aus wie Frankreich, das nur durch Skandale überzeugte und mit nur einem Punkt und einem geschossenen Tor vorzeitig in Richtung Paris abhob.
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Das französische Fiasko begann mit einem torlosen Remis gegen den späteren WM-Vierten Uruguay noch vergleichsweise harmlos. In der Pause des zweiten Spiels gegen Mexiko, das mit einer 0:2-Niederlage endete, kam es dann in der Kabine zum Eklat: Nicolas Anelka beschimpfte Teamchef Raymond Domenech mit wüsten Worten, laut der französischen Zeitung „L’Equipe“ bezeichnete er den Trainer etwa als „Hurensohn“. Wenig verwunderlich, dass Domenech den Chelsea-Stürmer daraufhin nach Hause schickte.
Höhepunkt der Blamage war in der Folge ein Trainingsstreik, mit dem die Profis gegen den Ausschluss Anelkas protestierten. Eine 1:2-Pleite gegen WM-Gastgeber Südafrika komplettierte dann die WM-Pleite der „Equipe Tricolore“. Nach der Endrunde wurden die Streikführer hart bestraft. Neben Anelka (für 18 Spiele) wurden auch WM-Kapitän Patrice Evra, Franck Ribery und Jeremy Toulalan (für fünf, drei bzw. eine Partie) gesperrt.
Italien hinter Neuseeland
Ebenfalls sieglos die Heimreise antreten musste der entthronte Weltmeister Italien. Die „Azzurri“ kamen nach einem 1:1 gegen Paraguay auch gegen „Fußballzwerg“ Neuseeland nicht über ein 1:1 hinaus und verpassten mit einer 2:3-Niederlage gegen die Slowakei nicht nur den Aufstieg ins Achtelfinale, sondern landeten in der Gruppentabelle sogar hinter den „Kiwis“ auf dem vierten und letzten Platz.
Dass die Teamchefs von Frankreich und Italien nach der WM ersetzt werden, war schon vor Turnierbeginn festgestanden. Das schwere Erbe von Domenech trat Laurent Blanc an, Marcello Lippi wurde von Cesare Prandelli abgelöst.
In der Vorrunde auf der Strecke blieben auch die Schweiz und Serbien, und das trotz 1:0-Sensationssiegen gegen den späteren Weltmeister Spanien bzw. Deutschland. Mit Südafrika, Nigeria, Algerien, Kamerun und der Elfenbeinküste blieb auch vier von fünf afrikanischen Mannschaften der Aufstieg ins Achtelfinale verwehrt.
England im Achtelfinale out
England erreichte zwar mit einiger Mühe das Achtelfinale, Goalie Robert Green sorgte beim 1:1 gegen die USA aber wohl für den größten Patzer der WM. Nach einem harmlosen Weitschuss von Clint Dempsey rutschte ihm der unberechenbare WM-Ball „Jabulani“ über die Handschuhe ins Tor.
Dieser Patzer war schließlich mitverantwortlich dafür, dass die „Three Lions“ als Gruppenzweiter hinter den USA im Achtelfinale gegen Deutschland antreten mussten und eine 1:4-Schlappe kassierten.
Südamerika im Viertelfinale gebremst
Südamerikas Auswahlen erlebten hingegen in der Gruppenphase zunächst ein Hoch, alle fünf erreichten die Runde der letzten 16, vier auch das Viertelfinale (Chile unterlag im Achtelfinale Brasilien). Im Viertelfinale war dann für Rekordweltmeister Brasilien, Argentinien und Paraguay Endstation.
Der Gastgeber der WM 2014 verspielte gegen die Niederlande eine 1:0-Führung und verlor als lange Zeit dominierende Mannschaft schließlich 1:2, die Argentinier wurden von Deutschland aus allen Titelträumen geschossen und mit 0:4 deklassiert. Paraguay musste sich Spanien 0:1 geschlagen geben.
Uruguay wirft Ghana nach Elferkrimi raus
Lediglich Uruguay zog ins Semifinale ein, wenn auch mit einer gehörigen Portion Glück. Ghana, im Achtelfinale Bezwinger der USA und letzter afrikanischer Vertreter bei der Heim-WM, erhielt beim Stand von 1:1 in der letzten Aktion der Verlängerung einen Elfmeter zugesprochen, weil „Uru“-Stürmer Luis Suarez ein sicheres Gegentor verhindert hatte, indem er den Ball auf der Linie mit der Hand in Tormannmanier abwehrte.
Suarez wurde ausgeschlossen und Asamoah Gyan, der im WM-Turnier zuvor bereits zwei Elfer verwandelt hatte, hätte Ghana direkt ins Halbfinale schießen können, doch er schoss den Ball an die Querlatte. Somit kam es zum Penaltyschießen, in dem Gyan seinen Versuch zwar verwertete, zwei seiner Teamkollegen schossen aber zu schwach und scheiterten an Uruguays Goalie Fernando Muslera.
Im Halbfinale mussten sich die „Urus“ dann den „Oranjes“ ebenso mit 2:3 geschlagen geben wie im folgenden Spiel um Platz drei den Deutschen. Die bis dahin äußerst stark aufspielende DFB-Auswahl fand im Semifinale in Spanien ihren Meister. Den Iberern reichte ebenso ein Tor zum Sieg wie danach im Finale gegen die Niederlande - da allerdings erst in der Verlängerung.
Rudolf Srb, ORF.at
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