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Erzrivalen seit 1921

Was für den Wiener Rapid gegen Austria oder für den Schotten Celtic gegen Rangers, ist Chicago Bears gegen Green Bay Packers für den Sportfan aus dem Mittleren Westen der USA. Die Rivalität zwischen der Millionenstadt Chicago und dem Provinznest Green Bay ist so alt wie die NFL selbst. Am Sonntag stehen sich die Erzrivalen zum 182. Mal gegenüber. Aber erstmals geht es um den Einzug in die Super Bowl.

Erst einmal standen sich die beiden Traditionsteams in einem Play-off-Spiel gegenüber. Am 14. Dezember 1941, knapp eine Woche nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, besiegten die Bears die Packers im überfüllten Wrigley Field von Chicago klar mit 33:14 und holten sich im nächsten Spiel gegen die New York Giants ihren vierten Titel in der National Football League (NFL).

Danny Fortmann, John Siegel und Ray Bray kämpfen um den Ball

AP

Beim bisher einzigen Play-off-Duell waren Helme noch nicht vorgeschrieben.

Insgesamt 21 NFL-Titel

Chicago und Green Bay sind auch die erfolgreichsten der Liga. Insgesamt 21 NFL-Titel (inklusive viermal Super Bowl) konnten die Clubs in ihrer Geschichte verbuchen. Zwölfmal (dreimal Super Bowl) setzten sich die Packers die Krone auf, neunmal (einmal Super Bowl) triumphierten die Bears. 48 Mitglieder der „Hall of Fame“ spielten entweder für Chicago oder Green Bay - einsamer Ligarekord. Beide Teams sind auch die ältesten noch immer in der NFL engagierten Franchises.

Die Bears wurden 1919 in Decatur/Illinois als Decatur Staleys, benannt nach Gründer A.E. Staley, aus der Taufe gehoben. 1921 übersiedelte das Team nach Chicago und feierte unter dem legendären George Halas, der bis zu seinem Tod 1983 als Besitzer die Geschicke der Bears leitete, sechs Meistertitel. Auch die Packers wurden 1919 gegründet. Earl „Curly“ Lambeau, Namensgeber für die Heimstätte der Packers, das Lambeau Field, etablierte in der Kleinstadt Green Bay an einer Bucht des Michigan-Sees sein Team und führte die Packers ebenfalls zu sechs NFL-Titeln.

Rivalen aus Leidenschaft

Nicht nur das gemeinsame Gründungsjahr, sondern auch die geografische Nähe von knapp 320 Kilometern der beiden Franchises legten den Grundstein zur bis heute andauernden Rivalität, die in der NFL ihresgleichen sucht. „Bears gegen Packers ist das Herz der NFL“, meinte etwa der langjährige Bears-Verteidiger Doug Buffone einst in einem Interview mit „Sports Illustrated“.

Kein Wunder, dass zwei der wichtigsten Trophäen in der NFL nach Protagonisten der Bears-Packers-Rivalität benannt sind. Der Sieger der National Football Conference darf sich die George-Halas-Trophy in die Vitrine stellen, wer zusätzlich auch die Super Bowl gewinnt ist um eine Vince-Lombardy-Trophy reicher. Beide Football-Legenden hegten trotz der Rivalität ihrer Clubs großen Respekt füreinander.

Die Spieler der Bears und Packers beim gemeinsamen Gebet

Reuters/Darren Hauck

Trotz aller Rivalität auf dem Feld wird nach dem Spiel gemeinsam gebetet.

Freunde und Rivalen

Auch für die aktuelle Garde bei beiden Teams ist die Rivalität zwischen Bears und Packers gegenwärtig. „Man nimmt die Stimmung in der Gemeinde auf“, so Packers-Verteidiger Charles Woodson, „man weiß, wie sehr es sich die Fans wünschen, dass man Chicago schlägt.“ Auch wenn es zwischen den Spielern der beiden Teams privat gar nicht heiß hergeht. Bestes Beispiel sind die beiden Quarterbacks. Green Bays Aaron Rodgers und Chicagos Jay Cutler verbindet privat eine Freundschaft.

Eine Freundschaft, die aber am Sonntag vergessen ist. „Jay und ich sind Kumpel, aber in dieser Woche werden wir uns nicht einmal ein SMS schreiben“, erklärte Rodgers auf einer Pressekonferenz vor dem Spiel. Auch Bears-Verteidiger Brian Urlacher, ebenfalls mit Rodgers gut bekannt, stellte bereits unmissverständlich klar: „Sie sind unser größter Rivale, gleich am anderen Ende der Straße, also ist es eine große Sache.“

Vor allem, weil es für längere Zeit das einzige echte Finale zwischen Chicago und Green Bay bleiben könnte. Denn obwohl beide Mannschaften bereits seit 90 Jahren in der Liga mitmischen, schafften es die Rivalen heuer erst zum vierten Mal gemeinsam in die K.-o.-Runde. Im Grunddurchgang ging es jeweils knapp her. In Chicago gewannen die Bears 20:17, in Green Bay die Packers 10:3 - und sicherten sich doch noch ein Play-off-Ticket.

Metropole gegen „Kaff“

Besondere Würze erhält die Rivalität der beiden Traditionsclubs durch den Gegensatz zwischen der Metropole Chicago und dem „Kaff“ Green Bay. Während Chicago mit rund drei Mio. Einwohnern im engeren Stadtgebiet das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Mittleren Westens darstellt, hat Green Bay mit rund 100.000 Einwohnern neben den Packers nur noch das Nationale Eisenbahnmuseum und Kleinindustrie zu bieten. Ein Umstand, der sich auch im Selbstverständnis der Fangruppen niederschlägt.

„Bears-Fans glauben immer, dass sie besser sind als Green Bay. Ganz einfach weil wir in Chicago leben und sie in Green Bay“, bringt es Mike Ditka, 1985 bisher letzter Meistertrainer der Chicago Bears, auf den Punkt, „das war auch so, als wir nicht besser waren“. Vor allem in der Ära von Brett Favre in den Neunzigern holten die Packers in der ewigen Bilanz gehörig auf. Trotzdem liegt Chicago mit 92 zu 83 Siegen, bei sechs Remis, in der Statistik noch vorne.

Doppelte Preise für Packers-Fans

Die Abneigung der Fangruppen treibt teils skurrille Blüten. So sorgte ein Schild an einem Lokal in Illinois kurz vor der Grenze zu Wisconsin für Aufregung, das doppelte Preise für Packers-Fans ankündigte. Obwohl laut Lokal-Besitzer als Scherz gedacht, sorgte das Schild für Unbehagen bei den in der Gegend wohnenden Anhängern der Packers. Bears-Fans hingegen empfahlen die Preise für Gäste aus Green Bay gleich zu verdreifachen.

Dementsprechend groß ist bei beiden Fangruppen die Lust dem Erzrivalen die Super-Bowl-Suppe zu versalzen. „Es gäbe nichts schöneres, als zuzusehen, wie die Packers im Soldier Field von Chicago die Halas-Trophy hochheben“, meint etwa John O’Neill, der bei Heimspielen in Green Bay im grün-gelben Bischofskostüm auftritt. Bears-Fan Mark Foster will einen überdimensionalen, aufblasbaren Bären in seinen Garten stellen. „Wir könnten in der Super Bowl 0:50 gegen Pittsburgh oder die New York Jets verlieren, wenn wir nur die Packers schlagen.“

Karl Huber, ORF.at

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