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„Ein normaler Geburtstag“

Für die Eishockey-Fans dieser Welt ist Wayne Gretzky einfach nur „The Great One“. Auch zwölf Jahre nach dem Ende seiner Karriere ist der beste Spieler aller Zeiten omnipräsent. Der 50. Geburtstag von Kanadas „Heiligtum“ am Mittwoch wird daher auch dementsprechend gefeiert. Viele Tageszeitungen haben Glückwunschseiten bei Facebook erstellt, und TV-Sender bringen Sondersendungen.

Beim Jubilar selbst klingelt bereits seit Tagen ununterbrochen das Telefon. „Ich werde ständig gefragt, was ich denn so Besonderes machen werde. Ich mache gar nichts, werde einen normalen Geburtstag mit meiner Frau und unseren fünf Kindern feiern“, erklärte Gretzky. Für ihn sei es ein Geburtstag wie jeder andere auch.

Kanadas Premierminister Stephen Harper, nur knapp zwei Jahre älter, gab dem Idol der Massen einen Ratschlag für den neuen Lebensabschnitt. „Ich kann ihm aus eigener Erfahrung sagen, dass es in diesem Alter noch jede Menge gibt, worauf man sich freuen kann“, meinte Harper.

Wayne Gretzy und Mike Krushelnyski (beide Edmonton Oilers) halten den Stanley Cup

Reuters/Gary Hershorn

Gretzky (M.) und der Stanley Cup - eine vierfache Liebesbeziehung

Vom Wunderkind zum Superstar

1972 schrieben nationale Zeitungen erstmals über ein zehnjähriges Wunderkind namens Wayne Gretzky. Zwei Jahre später hatte dieser sein erstes Radiointerview bei Kanadas größtem Sender CBC gegeben - 1979 sagte sein Oilers-Trainer Glen Sather, dass es einen wie Gretzky höchstens alle zehn Jahre gebe. Der Gepriesene selbst war damals gerade 17 und in seiner Rookie-Saison.

20 Jahre später wählten sie ihn in seiner Heimat zu „Kanadas männlichem Athleten des 20. Jahrhunderts“ und dem „größten Spieler in der Geschichte der nordamerikanischen Profiliga NHL“. „Ein guter Spieler ist da, wo der Puck ist. Ein großartiger Spieler ist da, wo der Puck hinkommt“, hatte Gretzky zu seiner aktiven Zeit oft erklärt. Mit dieser Philosophie führte er die Edmonton Oilers 1984, ’85, ’87 und ’88 zu vier Stanley-Cup-Siegen.

Trophäen pflastern seinen Weg

Neunmal wurde Gretzky mit der Hart Trophy als wertvollster Spieler ausgezeichnet, zehnmal holte er die Art Ross Trophy als bester Scorer der Saison. Als der Nationalheld am 9. August 1988 unter Tränen seinen erzwungenen Wechsel zu den Los Angeles Kings bekanntgab, unterbrachen TV-Stationen in beiden Ländern ihr laufendes Programm. Das kanadische Parlament stoppte gar eine Sitzung. Zeitungen in Edmonton erschienen tagelang mit Trauerrand.

Das Tauschgeschäft, bei dem Gretzky u. a. für Topstürmer Martin Gelinas, drei Erstrunden-Draft-Picks und 15 Millionen Dollar abgegeben wurde, ging als „The Trade“ in die Eishockey-Geschichte ein. Nach einem Intermezzo bei den St. Louis Blues brach er am 21. Juli 1996 zu seiner letzten Station, den New York Rangers (1996 - 1999), auf. Am 18. April 1999 beendete er schließlich seine bemerkenswerte Karriere.

Wayne Gretzky (New York Rangers) nach seinem allerletzten Spiel

Reuters/Gary Hershorn

1999 sagte Gretzky der Eishockey-Bühne als aktiver Spieler Lebewohl.

Nummer 99 nicht mehr vergeben

Gretzky hält noch immer die wichtigsten Offensivrekorde der NHL. Die 894 Treffer im Grunddurchgang sind wohl ebenso ein Rekord für die Ewigkeit wie die Tore inklusive Play-off (1.016), jeweils vor Gordie Howe (801 bzw. 869). Mit 92 hat Gretzky auch die meisten Tore in einer Saison erzielt (inklusive Play-off 100), nur er hat in einer Saison mehr als 200 Punkte gesammelt (viermal, mit dem Rekord 215 in der Saison 1985/86). Gretzky zu Ehren wurde seine Rückennummer 99 von der NHL seither nicht mehr vergeben. „Wenn es Wayne nicht gegeben hätte, man hätte ihn erfinden müssen“, schwärmte Kanadas legendärer „Mr. Hockey“ Gordie Howe.

Mäßiger Erfolg als Trainer

Obwohl Gretzky seit mehr als 20 Jahren in Los Angeles lebt, eine amerikanische Frau und auch die US-Staatsbürgerschaft hat, lieben ihn die Kanadier noch genauso wie in den 80ern, als er mit blonder Mähne für die Oilers über das Eis geflitzt war. Nach seiner aktiven Karriere versuchte sich Gretzky als Trainer - mit mittelmäßigem Erfolg. Immerhin hatte er das „Team Canada“ 2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City als Teammanager zur ersehnten Goldmedaille geführt.

Sein Engagement beim NHL-Klub Phoenix Coyotes gab er dagegen im September 2009 frustriert auf. Was er künftig machen wird, weiß Gretzky noch nicht genau. Europa, insbesondere London, würden Ehefrau Janet und ihn für ein Jahr reizen. Nur noch zwei seiner fünf Kinder, Tristan Wayne (10) und Emma Marie (7), wohnen bei den Eltern. Jetzt habe er die Möglichkeit, noch einmal etwas ganz Besonderes zu machen, so Gretzky, aber eigentlich brauche er nicht viel, um glücklich zu sein: „Ich stehe jeden Tag auf, genieße das Leben und hoffe, dass meine Kinder gesund bleiben.“

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