Lust gegen Frust, Euphorie gegen Angst
Die Stimmung vor dem 137. Revierderby zwischen dem souveränen Spitzenreiter Borussia Dortmund und dem kriselnden Erzrivalen Schalke könnte unterschiedlicher nicht sein. BVB-Coach Jürgen Klopp brachte es vor dem Duell am Freitag in Dortmund auf den Punkt: „Man kann aus Lust auf Erfolge erfolgreich sein und aus Angst vor Misserfolgen.“
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Die beiden Fangruppen verbindet seit Jahrzehnten eine innige Feindschaft - längst nennen sie sich nur „Lüdenscheid-Nord“ (Dortmund) und „Herne-West“ (Schalke), um die Vereinsnamen nicht aussprechen zu müssen. Die Polizei plant seit Wochen ihren Großeinsatz beim „Hochrisikospiel“ zum Auftakt der 21. Runde. „Diese Derbys sind das Geilste, was es gibt“, sagt Dortmunds Nationalspieler Kevin Großkreutz. Allein deswegen wünscht man sich gegenseitig zwar viel Böses - aber auf keinen Fall den Abstieg.

dapd/Oliver Lang
Heiße Derby-Stimmung garantiert
Unterschiedliche Gefühlswelten
Erfolgstrainer Klopp wird nicht müde, seine Höhenflieger vor den angeschlagenen Schalkern zu warnen. Er sieht sogar „viele Vorteile“ beim Gegner: „Ihre Qualität ist hoch, wir sind nicht der haushohe Favorit. Sie können aus einer negativen Erwartungshaltung heraus überraschen. Wir werden uns aber mit allem wehren, was wir haben.“ Dass sich die auf Wolke sieben schwebenden Dortmunder auf dem Weg zum siebenten Meistertitel aber ausgerechnet vom schwächelnden Tabellenelften stoppen lassen, scheint mehr als fraglich.
Selbst Schalke-Trainer Felix Magath sagte: „Unser Gegner ist der kommende Meister. Und zu Hause ist der BVB als Tabellenführer haushoher Favorit.“ Gleichwohl sieht er Chancen: „Wir haben auch vor zwei Wochen beim damaligen Zweiten Hannover gewonnen.“ Die Stimmung bei Schalke ist nach zwei Rückrunden-Niederlagen und wegen der umstrittenen Personalpolitik von Magath aber auf dem Tiefpunkt. Aus Sorge um einen weiteren sportlichen Absturz und eine ähnliche Lehrstunde durch den BVB wie beim 1:3 im Hinspiel laufen die Fans Sturm.

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Schalke-Trainer Magath kann sich keine weitere Derby-Pleite leisten.
„Magier“ unter Beschuss
35 neue Spieler holte Magath seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren, 26 verließen den Club. Dass der 57-Jährige auf dem Winter-Schnäppchenmarkt die „Ladenhüter“ Angelos Charisteas und Ali Karimi holte, bringt das Fass zum Überlaufen. Das Vertrauen in „Magier“ Magath ist erschüttert. Erneut wehrte sich der Trainer am Donnerstag gegen die Vorwürfe: „Ich bin nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde geholt, um den Umbruch zu machen. Das war in der sportlichen und wirtschaftlichen Lage schwierig. Dafür braucht man mehrere Transferperioden.“
Selbstverständlich mache er auch Fehler, setzte Magath fort. „Ich habe nie behauptet, dass ich unfehlbar bin. Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen und nicht alle die Philosophie des Clubs mittragen.“ Vergessen sind Platz zwei im Vorjahr, das aktuelle Erreichen des Champions-League-Achtelfinales und des DFB-Pokal-Halbfinales. Zumal die angekündigte Aufholjagd in der Liga ausblieb. Im Gegenteil: Platz fünf ist in weite Ferne gerückt.
Nur in Dortmund keine Sorgen
Schalke gleicht einem Pulverfass. Allein ein Derby-Sieg könnte die erhitzten Gemüter etwas beruhigen. Doch der Druck auf das Team um die Starstürmer Raul und Klaas-Jan Huntelaar ist enorm. Gegen den BVB muss Magath nicht nur dem formschwachen Huntelaar, sondern auch Jefferson Farfan vertrauen, dessen Verkauf nach Wolfsburg in letzter Minute scheiterte. Während Charisteas wegen zu großen Trainingsrückstandes nicht zum Kader gehört, steht Winter-Einkauf Anthony Annan vor seinem Bundesliga-Debüt.
Den vor Selbstvertrauen strotzenden Dortmundern bereiten nicht einmal die Ausfälle von Neven Subotic (Sperre) und Shinji Kagawa (Fußbruch) Sorgen. Subotic wird durch Felipe Santana ersetzt, und der Japaner Kagawa wurde in der Zentrale schon beim 3:0 in Wolfsburg hervorragend von Shootingstar Mario Götze vertreten. So ist die Vorfreude auf ein Fußballfest groß. „Das wird ein geiles Derby“, sagte Kevin Großkreutz. Ob der Ex-Dortmunder Christoph Metzelder der Rückkehr freudig entgegenfiebert, ist nicht überliefert. Er sagte nur: „Ich weiß, was mich erwartet.“
34. und letzte Runde
Samstag, 5. Mai: |
Dortmund |
Freiburg |
4:0 |
Köln |
Bayern München |
1:4 |
Bremen |
Schalke |
2:3 |
Mainz |
Mönchengladbach |
0:3 |
Nürnberg |
Leverkusen |
1:4 |
Stuttgart |
Wolfsburg |
3:2 |
Hannover |
Kaiserslautern |
2:1 |
Hertha BSC |
Hoffenheim |
3:1 |
Augsburg |
Hamburger SV |
1:0 |
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