Hernanes verliert die Nerven
Südamerikas Fußballgroßmächte sind zum Auftakt des Länderspieljahres mit Sieg und Niederlage gestartet. Argentiniens Lionel Messi avancierte beim 2:1-Erfolg gegen Portugal einmal mehr zum Mann des Tages, während Brasilien bei der 1:2-Niederlage in Frankreich enttäuschte. Für den negativen Höhepunkt in Paris sorgte Hernanes, der Torschütze Karim Benzema mit einem Kung-Fu-Tritt niederstreckte.
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In Paris bejubelten 80.000 die Renaissance Frankreichs unter Laurent Blanc. Im ausverkauften Stade de France wurden die „Bleus“ nach dem Prestigesieg gegen Brasilien mit Standing Ovations verabschiedet. Auch der sonst ruhige Coach Blanc war begeistert: „Das, was ich gesehen habe, hat mir sehr gefallen.“ Fünf Siege in Serie, das hatte Frankreich zuletzt 2007 geschafft. „Es wird besser und besser“, jubelte das Sportblatt „L’Equipe“ am Donnerstag.
Skandal-WM scheint vergessen zu sein
Die Skandal-WM scheint in der Grande Nation vorerst verziehen zu sein - und das, obwohl in der Anfangself vom Mittwoch nicht weniger als sechs der „Trainingsboykotteure“ von Südafrika standen. Bester Mann auf dem Platz war aber Karim Benzema. Der bei Real Madrid kaum eingesetzte Stürmer rechtfertigte Blancs Vertrauen und erzielte in der 54. Minute auch das Siegestor. Die „Wiederauflage“ des WM-Finals von 1998 (3:0 für Frankreich) wurde dabei möglicherweise von einem Aussetzer entschieden.
Die Gäste hatten in der ersten Hälfte lange Zeit deutlich mehr Spielanteile - bis zur 39. Minute. Da drehte Hernanes durch und attackierte Benzema mit einem Kung-Fu-ähnlichen Tritt zwischen Brust und Kopf, zu sehen auch in einem Video auf YouTube. Die Szene erinnerte an das Foul des Niederländers Nigel de Jong gegen den Spanier Xabi Alonso im WM-Finale 2010. Brasilien ging nach dem Ausschluss unter, Benzema drehte auf.

Reuters/Gonzalo Fuentes
Hernanes verliert die Nerven und Brasilien einen Spieler.
Brasiliens Teamchef angezählt
In Brasilien läuten unterdessen drei Jahre vor der WM im eigenen Land erste Alarmglocken. „Wir müssen Ruhe bewahren“, erklärte der neue Teamchef Mano Menezes, nachdem ein Journalist in Paris ihn gefragt hatte, ob er „schon Druck“ spüre. Starjournalist Juca Kfouri warf Menezes in seinem Blog vor, vorwiegend Spieler einzusetzen, die von seinem eigenen Agenten betreut werden. Nach dem 0:1 gegen Argentinien setzte es für die „Selecao“ jedenfalls bereits die zweite Schlappe in Serie.
Messi und Ronaldo treffen
Im Mittelpunkt beim 2:1 zwischen Argentinien und Portugal stand das Duell der derzeit weltbesten Kicker. Das Gigantenduell Messi gegen Cristiano Ronaldo bot in Genf „pures Spektakel“ („El Pais“). Vor dem Anpfiff gab es einen unterkühlten Händedruck, später ein gemeinsames Werbefoto der Stars, die versuchten, ihr prestigeträchtiges Aufeinandertreffen herunterzuspielen. „Es gab keinen Wettstreit mit Messi. Ich habe gegen Argentinien gespielt, nicht nur gegen ihn“, sagte Ronaldo.
Während Real mit dem nach einer Stunde ausgetauschten Toptorjäger das 1:1 (21.) gelang, wurde Messi mit einem Last-Minute-Elfmetertreffer (90.) erneut zum Matchwinner für die Argentinier. Das frühe 1:0 durch Ronaldos Clubkollegen Angel di Maria (14.) legte er darüber hinaus auf. „Es war kein Sieg Messis oder Ronaldos, es war ein Sieg Argentiniens. Um einen Wettstreit zwischen uns beiden ging es nicht“, befand der Weltfußballer.
Für Portugals Teamchef Paulo Bento war es die erste Niederlage in seiner Ägide. „Portugal war nicht schlechter als Argentinien“, sagte der Ex-Internationale.
Schonkost von Weltmeister Spanien
Weltmeister Spanien begnügte sich im Bernabeu-Stadion indes mit einem matten 1:0 gegen Kolumbien. David Silva traf erst in der 86. Minute und sorgte für den ersten Sieg seit dem WM-Triumph in Südafrika. „Silva rettete ein Spiel, in dem Kolumbien den Sieg verdient gehabt hätte“, befand „As“. Weltmeistercoach Vicente del Bosque zeigte immerhin Selbstkritik: „Im Angriff waren wir schwach.“
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