„Das Phänomen“ zaubert nicht mehr
Der dreimalige Weltfußballer Ronaldo („Il Fenomeno“) hat am Montag das vorzeitige Ende seiner aktiven Spielerkarriere verkündet. Der bei Corinthians Sao Paulo unter Vertrag stehende 34-jährige Stürmer erklärte seinen Rückzug selbst in einer Pressekonferenz. „Ich beende meine internationale Fußballkarriere“, sagte er. „Diese Karriere war sehr schön und wunderbar.“
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Unter vielen Tränen und mit stockender Stimme begründete Ronaldo seinen Abschied von der Fußballbühne vor allem mit Verletzungen und Medikamenten, die er nehmen müsse, die jedoch als Doping angesehen würden. Er leide an Problemen mit der Schilddrüse, die schon vor vier Jahren diagnostiziert worden seien.
„Ich möchte weitermachen, aber ich kann nicht. Ich kann es nicht mehr aushalten. Es ist Zeit. Aber es ist sehr schön gewesen", zitierte bereits am Sonntag das Blatt „Estado de Sao Paulo“ den WM-Rekordtorschützen. Ronaldo ist mit 15 Toren bei drei Fußball-Weltmeisterschaften WM-Rekordtorschütze. In der brasilianischen „Selecao“ erzielte er in 97 Spielen 62 Tore.

APA/EPA/EFE/Sebastiano Moreira
Abschiedspressekonferenz mit seinen Söhnen Alexander (5) und Ronald (10).
„Kämpfe gegen Waage und Schmerzen“
Der wegen seines Übergewichts oft belächelte Stürmer-Star kämpft schon seit längerem mit einem Formtief und hatte bereits 2010 ein Ende seiner aktiven Karriere erwogen. „Ich kämpfe gegen die Waage und die Schmerzen“, sagte er einmal. Ronaldos Vertrag bei Corinthians wäre noch bis Ende 2011 gelaufen. Allerdings war er bei den Fans in Ungnade gefallen, weil Corinthians im südamerikanischen Meisterpokal Copa Libertadores schon in der Vorrunde ausschied.
Ronaldo stand in seiner internationalen Karriere unter anderem bei den Clubs PSV Eindhoven, FC Barcelona, Real Madrid, Inter Mailand und AC Milan unter Vertrag. Nach dem Riss der Patellasehne im linken Knie im Februar 2008 verlängerten die Mailänder den Vertrag des Topspielers nicht mehr. Ronaldo kurierte sich zunächst in Rio aus, flirtete mit einem Wechsel zu Flamengo und ging dann im Dezember 2008 zu Corinthians. Mit diesem Club gelang „Il Fenomeno“ im 2009 noch einmal ein Comeback. 2010 fiel er aber lange Zeit wegen Verletzungen aus.

AP/Fernando Vergara
Ronaldo bei einem seiner letzten Einsätze für Corinthians im Februar 2011.
Abschied kurz und bündig
Der Abschied kam kurz und bündig. Vom ersten Gerücht bis zum Vollzug vergingen keine 24 Stunden. Fernsehkommentatoren sprachen von einem „historischen Tag für Brasiliens Fußball“. Zum letzten Tag seiner Karriere kam er mit Corinthians-Präsident Andres Sanchez und in Begleitung seiner Söhne Alex und Ronald zur Pressekonferenz. Auch Sanchez konnte die Tränen nicht zurückhalten.
Ronaldo hatte seine Entscheidung längst getroffen. 2010 hatte er klargemacht, dass er eines Tages nach einem Spiel sagen würde: „Basta, das war’s. Ich werde nur einmal reden, weil ich so am wenigsten leiden werde.“ Daran hat er sich gehalten. „Es gab viele Niederlagen und unzählige Siege. Ich habe viele Freunde gewonnen, und ich erinnere mich nicht daran, mir einen Feind gemacht zu haben.“

APA/EPA/Antonio Lacerda
Ab und zu in seiner Karriere war Ronaldo für seine Fans kein „Phänomen“, sondern ein Rätsel.
Der „Dicke“ und seine wilde Karriere
In Brasilien geriet er immer wieder wegen seines Übergewichtes in die Schlagzeilen, was ihm auch den wenig schmeichelhaften Namen „O Gordo“ (Der Dicke) einbrachte. Bei der WM 2006 in Deutschland soll er 95 kg gewogen haben. Für Aufregung sorgte auch sein mysteriöser Schwächeanfall inklusive Krankenhausaufenthalt vor dem WM-Finale 1998 gegen Frankreich. Ronaldo wurde aus dem Kader gestrichen, kehrte dann doch ins Team zurück, bot bei der 0:3-Abfuhr eine schwache Leistung und verabschiedete sich daraufhin für längere Zeit aus dem Team.
Bei der WM 2002 gelang die glanzvolle Rückkehr mit acht Treffern. Im Finale zerlegte er Deutschland im Alleingang und bezwang „Titan“ Oliver Kahn beim 2:0-Sieg zweimal. Es folgten erfolgreiche Jahre bei den „Galaktischen“ von Real Madrid gemeinsam mit anderen Superstars wie Zinedine Zidane, Luis Figo oder David Beckham. Nach seiner Rückkehr zum AC Milan 2007 häuften sich wieder die Verletzungen.
„Er war außergewöhnlich“
Begleitet wurde die Karriere von Ronaldo auch durch Schlagzeilen über gescheiterte Ehen, zahlreiche Affären (u. a. angeblich mit Transvestiten) und uneheliche Kinder. In Zukunft dürfte sich der vierfache Vater Ronaldo ganz der Familie und seiner Sportmarketingfirma „9ine“ widmen.
„Ronaldo war der beste Spieler, mit dem ich je gespielt habe“, erklärte sein ehemaliger Inter-Mailand-Teamkollege Youri Djorkaeff, nach der Bekanntgabe von Ronaldos Rücktritt, im französischen Radio. „Im Training hat er immer einige total verrückte Dribblings gezeigt. Wir haben dann aufgehört zu trainieren und ihm einfach zugeschaut. Er war außergewöhnlich.“
Ronaldo im Porträt
Geboren am: 22. September 1976
Geboren in: Bento Ribeiro (Brasilien)
Größe/ Gewicht: 1,83 Meter/ 90 Kilogramm
Familienstand: verheiratet
Position: Stürmer
Sportliche Erfolge:
Fußball-Weltmeister 1994 und 2002
WM-Torschützenkönig 2002
Rekordtorschütze bei Weltmeisterschaften (15 Tore)
Weltfußballer des Jahres 1996, 1997, 2002 Europas Fußballer des Jahres 1997 und 2002 Italiens Fußballer des Jahres 1998
UEFA-Cup-Sieger 1998 mit Inter Mailand
Sieger Europapokal der Pokalsieger 1997 mit FC Barcelona
Spanischer Meister 2003 und 2007 mit Real Madrid
Torschützenkönig Copa America 1999 Torschützenkönig Eredivisie Niederlande 1995 Torschützenkönig Primera Division Spanien 1997 und 2004
97 Länderspieleinsätze für Brasilien, 62 Tore
Vereine:
01/2009 - 12/2011 Corinthians Sao Paulo (BRA)
01/2007 - 06/2008 AC Milan (ITA)
07/2002 - 01/2007 Real Madrid (ESP)
07/1997 - 06/2002 Inter Mailand (ITA)
07/1996 - 06/1997 FC Barcelona (ESP)
07/1994 - 06/1996 PSV Eindhoven (NED)
07/1993 - 06/1994 Cruzeiro Belo Horizonte (BRA)
Links: