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Getrübte Freude

Österreich hat am Mittwoch bei der alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen in der Zusammensetzung Anna Fenninger, Michaela Kirchgasser, Marlies Schild, Romed Baumann, Philipp Schörghofer und Benjamin Raich im Teambewerb Silber gewonnen. Im Finale unterlagen die ÖSV-Stars gegen Frankreich bei Punktegleichstand lediglich um 0,18 Sekunden in den Laufzeiten.

Überschattet wurde der erstmals im Parallel-RTL-Modus ausgetragene Bewerb von einer schweren Verletzung von Raich, der in seinem ersten Lauf gegen Kroatien ausschied. Entsprechend unterschiedlich, zwischen freudig und gedämpft, waren dann auch die Reaktionen über Platz zwei. Eine falsche Anzeige im Ziel hatte zudem zunächst den Sieg Österreichs verkündet.

Jubel von Romed Baumann, Philipp Schoerghofer, Michaela Kirchgasser und Anna Fenninger (AUT)

GEPA/Christian Walgram

Auch bei Silber gilt: Geteilte Freude ist doppelte Freude.

Während Baumann Silber „auch nicht so schlecht“ fand, freute sich Fenninger schon mehr: „Es war ein Wahnsinnsbewerb. Gleich zu Beginn war es sehr spannend. Ich habe zwei gute Läufe runtergebracht und bin sehr froh über die Medaille.“ Auch Schörghofer sah in dem Bewerb eine Bereicherung des WM-Programms: „Der Teambewerb ist interessant für die Zuschauer. Auch für uns ist es spannend, nebeneinander zu fahren. Es ist ein Kick dahinter - anders als bei einem normalen Rennen. Wir sind mit Silber sehr zufrieden.“

Spannung gleich zum Auftakt

Nach einem Freilos in der ersten Runde traf Österreich im Viertelfinale auf Kroatien und hatte hart zu kämpfen, das vorzeitige Aus konnte nur knapp vermieden werden. Die Kroaten hatten sich zum Auftakt m Achtelfinale gegen Kanada mit 3:2 durchgesetzt. Nach einem „toten Rennen“ zu Beginn zwischen Tea Palic und Britt Janyk entschied schließlich ein Sturz von Paul Stutz aus dem Starttor das Duell zu Ungunsten der Kanadier.

Benjamin Raich

Reuters/Dominic Ebenbichler

Österreich gewann Silber, verlor aber Benjamin Raich durch Verletzung.

Pyrrhussieg gegen Kroatien

Schild hatte bei ihrem Lauf gegen die Kroatin Sofija Novoselic keine Chance, verlor um 0,47 Sekunden und Österreich lag 0:1 im Rückstand. Im zweiten Rennen passierte dann das Unglück: Raich schied gegen Natko Zrncic-Dim aus, wobei er sich schwer am linken Knie verletzte. Die Österreicher zitterten in der Folge um den Gesundheitszustand von Raich und bei einem 0:2-Rückstand auch um den Aufstieg ins Semifinale.

Doch Kirchgasser („Es gibt sowieso nur Attacke“) setzte sich gegen Palic durch und Baumann schaffte mit seinem Sieg gegen Tin Siroki in einem Herzschlagfinish noch den 2:2-Ausgleich. Aufgrund der schnelleren Einzelzeiten (52,12 zu 52,67) kam Österreich ins Halbfinale, in dem Italien (3:1-Sieg über die USA) der Gegner war.

Souverän ins Finale

Statt Raich und Schild wurden Fenninger und Schörghofer ins Rennen geschickt. Die Kombi-Weltmeisterin gewann ihren Lauf gegen Daniela Merighetti um 0,17 Sekunden. Schörghofer erhöhte mit einem knappen Sieg (0,11 Sekunden) gegen Massimiliano Blardone auf 2:0. Kirchgasser hängte danach mit einer souveränen Vorstellung Johanna Schnarf um 0,82 Sekunden ab und sicherte den Finaleinzug. Baumann hatte im letzten Lauf gegen Cristian Deville keine Probleme und fixierte mit 0,81 Sekunden Vorsprung den 4:0-Erfolg.

Im Duell um Gold wartete Frankreich, das sich nur dank der um 0,04 Sekunden besseren Laufzeiten im Halbfinale gegen Schweden durchsetzte. Bereits im Viertelfinale hatten die Franzosen um lediglich 18 Hundertstelsekunden gegen Deutschland die Nase vorne gehabt.

Knappe Niederlage gegen Frankreich

Schild verzichtete aufgrund der Sorge um ihren verletzten Freund Raich auf eine Finalteilnahme. ÖSV-Herren-Chef Mathias Berthold war jedenfalls vor dem Kampf um Gold vorsichtig und wusste: „Es wird schwierig, die Franzosen fahren schon das ganze Jahr gut.“

Fenninger konnte gleich mit einem guten Start gegen Tessa Worley auf der roten Piste viel Zeit herausholen und gewann um 0,10 Sekunden. Schörghofer war gegen Cyprien Richard chancenlos und musste sich um 0,43 Sekunden geschlagen geben. Beim Stand von 1:1 war Kirchgasser wieder gefordert, hatte jedoch im Duell mit Anemone Marmottan um 0,01 Sekunden das Nachsehen. Die Salzburgerin wollte dieser knappen Niederlage nicht nachweinen: „Mir gefällt dieser Bewerb total. Es war echt lässig. Ein Hundertstel ist ein Hundertstel. Wir können das jetzt drehen und wenden, wie wir wollen. Aber es ist zu wenig.“

Um noch Gold zu holen musste Baumann gegen Thomas Fanara gewinnen und eine gute Zeit fahren. Baumann gewann zwar sicher, in der Gesamtwertung war Österreich aber am Ende um 0,18 Sekunden zu langsam (52,10 zu 51,92).

WM-Teambewerb

Großes Finale (Plätze eins und zwei):
Österreich Frankreich * 2:2
Anna Fenninger Tessa Worley 1:0
Philipp Schörghofer Cyprien Richard 1:1
Michaela Kirchgasser Anemone Marmottan 1:2
Romed Baumann Thomas Fanara 2:2
Kleines Finale (Plätze drei und vier):
Italien Schweden 0:4
Federica Brignone Anja Pärson 0:1
Giovanni Borsotti Matts Olsson 0:2
Johanna Schnarf Maria Pietilä-Holmner 0:3
Massimiliano Blardone Hans Olsson 0:4
Semifinale:
Österreich Italien 4:0
Anna Fenninger Daniela Merighetti 1:0
Philipp Schörghofer Massimiliano Blardone 2:0
Michaela Kirchgasser Johanna Schnarf 3:0
Romed Baumann Christian Deville 4:0
Frankreich * Schweden 2:2
Taina Barioz Anja Pärson 0:1
Thomas Fanara Matts Olsson 1:1
Tessa Worley Maria Pietilä-Holmner 1:2
Cyprien Richard Hans Olsson 2:2
Viertelfinale:
Österreich * Kroatien 2:2
Marlies Schild Sofija Novoselic 0:1
Benjamin Raich Natko Zrncic-Dim 0:2
Michaela Kirchgasser Tea Palic 1:2
Romed Baumann Tin Siroki 2:2
Italien USA 3:1
Daniela Merighetti Sarah Schleper 1:0
Cristian Deville Bode Miller 1:1
Johanna Schnarf Julia Mancuso 2:1
Massimiliano Blardone Ted Ligety 3:1
Frankreich * Deutschland 2:2
Taina Barioz Lena Dürr 0:1
Thomas Fanara Fritz Dopfer 1:1
Tessa Worley Veronique Hronek 2:1
Cyprien Richard Felix Neureuther 2:2
Schweiz Schweden 0:4
Wendy Holdener Anja Pärson 0:1
Marc Berthod Matts Olsson 0:2
Denise Feierabend Maria Pietilä-Holmner 0:3
Beat Feuz Hans Olsson 0:4
Achtelfinale:
Kroatien Kanada 3:2
Tea Palic Britt Janyk 1:1
Tin Siroki Michael Janyk 1:2
Sofija Novoselic Marie-Michele Gagnon 2:2
Natko Zrncic-Dim Paul Stutz 3:2
Deutschland Slowakei 4:0
Lena Dürr Jana Gantnerova 1:0
Fritz Dopfer Jaroslav Babusiak 2:0
Veronique Hronek Kristina Saalova 3:0
Felix Neureuther Adam Zampa 4:0
Schweden Tschechien 3:1
Anja Pärson Katerina Paulathova 1:0
Matts Olsson Krystof Kryzl 1:1
Maria Pietilä-Holmner Andrea Zemanova 2:1
Hans Olsson Adam Zika 3:1

Freilos: Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, USA

* Sieg dank besserer Einzelzeiten

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