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Morgenstern eine Klasse für sich

Thomas Morgenstern ist bei der ersten Herren-Skisprung-Entscheidung der Titelkämpfe in Oslo in souveräner Manier seiner Favoritenrolle gerecht geworden und hat sein erstes Einzelgold bei einer WM gewonnen. Der 24-jährige Kärntner kam am Samstag auf dem Midtstubakken in beiden Durchgängen auf die Höchstweite (101,5 m/107,0 m) und siegte 9,1 Punkte vor seinem Teamkollegen Andreas Kofler.

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Für den 26-jährigen Innsbrucker war es ebenfalls die erste Einzelmedaille bei Weltmeisterschaften. Der drittplatzierte Pole Adam Malysz lag bereits 17,0 Zähler hinter Morgenstern. Der undankbare vierte Platz blieb dem vierfachen Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz.

„Ein schöner Tag“

Morgenstern ist jetzt nach seinen vier Titeln in der Mannschaft fünffacher Weltmeister. Entsprechend euphorisch fiel sein erster Jubel aus. „Gedanken habe ich im Moment keine im Kopf. Unglaublich“, sagte der frisch gekürte Weltmeister. „Ein schöner Tag, sehr geniale Sprünge, und alles war eigentlich so, wie ich es mir vorgestellt habe: relative Windstille, Schneefall. Da habe ich gewusst, das sind meine Bedingungen. Danke für alles, dass heute alles so gut funktioniert hat.“

Andreas Kofler und Thomas Morgenstern

GEPA/Andreas Reichart

Andreas Kofler und Thomas Morgenstern hatten die Konkurrenz im Griff.

Der Kärntner war offenbar genau in der richtigen Wettkampfstimmung: „Ich war sehr nervös, aber ein bisschen Nervosität ist immer gut, denn das pusht auch irgendwo. Ich freue mich jetzt einfach riesig über den Tag heute. Ich wusste, dass ich es draufhabe. Schön, dass die WM so beginnt. Weltmeister zu werden war immer ein Traum.“

Morgenstern auf dem Springerolymp

Morgenstern hatte sich nach bisher sieben Saisonsiegen bereits vor der WM zum zweiten Mal zum Gesamtweltcup-Sieger gekürt und außerdem erstmals die Vierschanzentournee gewonnen. Mit dem zuvor noch fehlenden Gold in einem WM-Individualbewerb hat er jetzt zu Matti Nykänen, Jens Weißflog und Espen Bredesen aufgeschlossen, die sowohl Olympia- und WM-Gold im Einzel als auch den Tournee-Sieg und den Gesamtweltcup-Triumph geschafft haben.

Thomas Morgenstern springt zwischen Andras Kofler und Adam Malysz am Siegerpodest in die Höhe.

APA/Barbara Gindl

Für den Freudensprung brauchte Morgenstern keine Schanze.

„Die allerhöchste Ebene vom Spitzensport“

ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner war ob der überzeugenden Vorstellung seiner Athleten um Superlative nicht verlegen: „Zuallererst möchte ich dem Thomas und dem Andi gratulieren. Es war hervorragend, was sie heute gezeigt haben. Sie haben es geschafft - obwohl der Druck und die Erwartungshaltung so groß war. Das ist nicht selbstverständlich. Was die da heute gezeigt haben, ist die allerhöchste Ebene vom Spitzensport. Dass man dann auch noch so eine spielerisch aussehende Leistung bringt, ist das ganz Besondere an der Sache.“

Der „Silberne“ Kofler fand das Ergebnis des Springens vom Midtstubakken „sensationell. Ich hab so eine Freude - das ist unglaublich, und es tut richtig gut. Es war spannend bis zum Schluss, und ich hab’s hinuntergebracht.“

Titelverteidiger Loitzl verpasst Finale

Drittbester Österreicher wurde Gregor Schlierenzauer als Achter. Martin Koch schaffte als 29. gerade noch das Finale der besten 30 und verbesserte sich dann noch auf den 21. Rang. Für den Normalschanzen-Titelverteidiger Wolfgang Loitzl war der erste WM-Bewerb schon nach dem ersten Durchgang vorbei: Der Steirer landete nach einem 86-m-Sprung nur an der 37. Stelle. „Die Bedingungen waren nicht gut, und der Sprung auch nicht“, war Loitzls knapper Kommentar.

Österreich hat damit am Samstag nach Bronze durch Felix Gottwald in der Nordischen Kombination einen kompletten Medaillensatz geholt und hält somit bereit bei zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Das ÖSV-Team führt damit die Medaillenwertung ex aequo mit Norwegen an.

Nordische WM in Oslo

Samstag:

Herren-Springen Normalschanze

1. Thomas Morgenstern AUT 101,5 / 107,0 269,2
2. Andreas Kofler AUT 99,5 / 105,0 260,1
3. Adam Malysz POL 97,5 / 102,0 252,2
4. Simon Ammann SUI 97,5 / 101,5 247,6
5. Tom Hilde NOR 94,0 / 101,5 244,8
6. Kamil Stoch POL 94,0 / 101,0 240,5
7. Severin Freund GER 95,5 / 100,0 239,2
8. Gregor Schlierenzauer AUT 93,5 / 98,0 235,2
9. Anders Bardal NOR 97,0 / 98,5 232,6
10. Anssi Koivuranta FIN 98,5 / 94,0 231,9
11. Michael Uhrmann GER 93,5 / 99,5 231,2
12. Sebastian Colloredo ITA 96,0 / 97,0 230,4
13. Daiki Ito JPN 92,5 / 98,0 229,9
14. Martin Schmitt GER 93,5 / 97,5 229,4
15. Anders Jacobsen NOR 92,5 / 99,0 229,0
16. Denis Kornilow RUS 96,0 / 98,0 228,8
17. Peter Prevc SLO 94,0 / 95,0 224,6
18. Olli Muotka FIN 97,5 / 94,5 224,1
19. Piotr Zyla POL 93,5 / 96,0 224,0
20. Janne Ahonen FIN 96,0 / 94,0 223,0
21. Martin Koch AUT 90,0 / 97,5 222,4
. Jakub Janda CZE 91,0 / 96,5 222,4
23. Pawel Karelin RUS 95,0 / 92,0 218,1
24. Taku Takeuchi JPN 93,0 / 95,5 217,9
25. Andrea Morassi ITA 91,5 / 95,0 215,9
26. Noriaki Kasai JPN 93,5 / 92,5 215,7
27. Borek Sedlak CZE 93,0 / 93,0 215,0
28. Emmanuel Chedal FRA 94,0 / 94,0 214,7
29. Andreas Küttel SUI 91,5 / 93,5 211,4
30. Nikolaj Karpenko KAZ 94,0 / 86,0 194,6
Nicht für das Finale qualifiziert:
37. Wolfgang Loitzl AUT 86,0 93,2
38. Matti Hautamäki FIN 84,5 91,7
46. Johan Remen Evensen NOR 90,0 85,1

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