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Unsportlichkeit beim Zieleinlauf

Vor fast hunderttausend Zuschauern im Langlauf-Stadion und entlang den Loipen hat WM-Gastgeber Norwegen am Freitag in der Herren-Staffel seine sechste Goldmedaille bei der WM in Oslo erobert. Die Norweger setzten sich im 4x10-km-Rennen auf dem Holmenkollen 1,3 Sekunden vor Olympiasieger Schweden und 5,7 Sekunden vor Deutschland durch.

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Schlussmann Petter Northug sorgte dabei für ein glanzvolles, aber auch umstrittenes Finale. Wenige hundert Meter vor dem Ziel ließ er seine vier Rivalen in der Spitzengruppe mit einem unwiderstehlichen Antritt hinter sich, doch seine Aktion auf der Ziellinie war eine Verhöhnung der Gegner. Der 24-jährige stellte die Ski quer, blickte zum schwedischen Verfolger Marcus Hellner und fuhr dann rückwärts über die Linie.

Schweden nehmen Respektlosigkeit gelassen

Sprint-Weltmeister Hellner hatte länger zuwarten wollen als im ersten WM-Rennen, in dem er Northug nach einer frühen Attacke bezwungen hatte. „Meine Beine waren diesmal aber nicht so gut“, erklärte der schwedische Schlussläufer. Die Aktion Northugs auf der Ziellinie fand er nicht in Ordnung. „Das ist sein Stil, daher sind wir nicht überrascht, dass er so etwas macht. Aber er ist auch der Stärkste, darum hat er vielleicht auch die Berechtigung dazu.“ Verhöhnt fühle er sich nicht. „Er war schneller als ich, da ist es mir egal, was er auf der Ziellinie macht.“

Petter Northug (Norwegen) stoppt kurz vor Überquerung der Ziellinie vor Marcus Hellner (Schweden)

dapd/Eckehard Schulz

Unsportliche Aktion auf der Ziellinie überschattet sportliche Höchstleistung

Northugs zweite Goldmedaille hat damit zumindest außerhalb von Norwegen einen Kratzer abbekommen. Seine Kollegen Martin Johnsrud Sundby, Eldar Rönning und Tord Asle Gjerdalen freuten sich mit ihm über die sechste norwegische Goldmedaille in der Herren-Staffel in Folge. Damit bleibt Österreichs Goldstaffel in der Ramsau 1999 letzter WM-Bezwinger der Norweger.

Spannung bis zum Schluss

Nach dem zweiten Wechsel hatte sich ein Duell Norwegens mit Schweden abgezeichnet, die drittplatzierten Russen lagen 20 Sekunden zurück. Doch bei Kilometer 24 begann das Rennen neu, es bildete sich eine sechsköpfige Spitzengruppe. Russland fiel in der Folge zurück, und so entwickelte sich eines der bisher wohl spannendsten Staffel-Finali. Erst auf dem letzten der 40 Kilometer fiel die Entscheidung - das Ende mit Northugs umstrittener Aktion war weniger glanzvoll.

Am Vortag des Rennens war Northugs Antreten wegen einer sich anbahnenden Erkrankung noch fraglich gewesen, doch der zweifache Olympiasieger präsentierte sich 30 Stunden später in Bestform. Am Sonntag hat der Olympiasieger von Vancouver die Chance, über 50 km in der freien Technik seinen WM-Titel von Liberec 2009 erfolgreich zu verteidigen.

Österreich nur Zuschauer

Der ÖSV hatte in Ermangelung von Klasseläufern keine Staffel gestellt, am Sonntag sind im letzten Bewerb der 48. Titelkämpfe aber vier Läufer im Einsatz. Neben Routinier Jürgen Pinter laufen im Massenstart-Rennen über 50 Kilometer in der freien Technik auch die Debütanten Bernhard Tritscher, Johannes Dürr und Thomas Grader. Das Trio versucht sich erstmals in einem Rennen über diese Distanz.

Herren-Staffel (4 x 10 km)

1. Norwegen Johnsrud, Rönning, Gjerdalen, Northug 1:40:10,2
2. Schweden Rickardsson, Olsson, Södergren, Hellner + 1,3
3. Deutschland Filbrich, Teichmann, Göring, Angerer 5,7
4. Finnland Nousiainen, Jauhojärvi, Lallukka, Heikkinen 15,0
5. Italien Checchi, Di Centa, Clara, Piller Cottrer 31,0
6. Japan Shimizu, Yoshida, Kimura, Naruse 1:39,2
7. Russland Wylegschanin, Wolschenzew, Legkow, Tschernusow 2:36,1
8. Tschechien Jaks, Bauer, Magal, Koukal 2:58,0

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