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Verbalgefecht auf niedrigstem Niveau

Der Boxkampf um den WBC-Titel am Samstagabend in der mit 19.000 Zuschauern ausverkauften Lanxess-Arena in Köln zwischen Witali Klitschko und dem kubanischen Herausforder Odlanier Solis hat nur 179 Sekunden gedauert. Die vom ukrainischen Champion angekündigte „Schlacht“ blieb zunächst aus, sollte bei der Pressekonferenz aber verbal und auf niedrigstem Niveau doch noch stattfinden.

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Unmittelbar vor dem Ende der ersten Runde erwischte Klitschko den mutigen und explosiv schlagenden Exil-Kubaner an der Schläfe, der strauchelte benommen im Rückwärtsgang, verdrehte sich dabei das rechte Knie, fiel hin und konnte nicht mehr stehen. Der Ringrichter zählte den wankenden Solis an, schaute ihm in die Augen und erkannte schließlich auf Knock-out. Der Kurzauftritt des Kubaners war aber vielversprechend und kündigte ein sehenswertes Duell an.

Das Knie von Odlanier Solis wird von einem Offiziellen inspiziert

APA/EPA/Rolf Vennenbernd

Klitschko hatte zunächst geglaubt, Solis würde simulieren.

Weil Klitschkos Rechte keineswegs verheerend war, sah Solis-Promoter Ahmet Öner sie nicht als Ursache für das schnelle Ende an. Auch Klitschko selbst räumte ein, es sei „kein Blackout-Treffer“ gewesen. Seinen ersten Eindruck, Solis simuliere, korrigierte er später aber. „Wenn Witali ein echter Mann ist und er bis dahin noch nicht zurückgetreten ist, tritt er danach noch einmal gegen Solis an“, sagte Öner und ergänzte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Witali stolz auf einen Sieg ist, der auf einem Unfall und einer Verletzung beruht.“

Ringarzt schließt Karriereende nicht aus

Nach Auskunft des Arena-Stalls hat sich der Kubaner einen Riss des vorderen Kreuzbandes und des äußeren Meniskus zugezogen sowie einen Knorpelschaden erlitten. Dem 30-Jährigen droht damit eine Zwangspause von bis zu einem Jahr. Ringarzt Stefan Holthusen schloss gar ein Karriereende nicht aus. Er habe „einen falschen Schritt“ gesetzt, meinte Solis zur Verletzung. „Das war Pech.“

Die 19.000 Zuschauer waren nach dem Blitzkampf außer sich vor Enttäuschung und Wut. Die billigsten Plätze in der Lanxess-Arena unter dem Dach hatten mindestens 25 Euro gekostet. Für ein VIP-Ticket mit Bewirtung musste man sogar bis zu 600 Euro hinlegen. Kein Wunder also, dass das schnelle Ende mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert wurde. „Es tut mir leid für die Zuschauer. Ich kämpfe nicht für mich, ich kämpfe für sie“, entschuldigte sich Klitschko.

Entgleisungen auf der Pressekonferenz

Während Solis in der Kölner Universitätsklinik untersucht wurde, ging es in der Lanxess-Arena heiß her. „Asozialer“ und „Krimineller“ waren noch die saubersten Vokabeln, die auf der Pressekonferenz hin- und herflogen. Weil Klitschko-Manager Bernd Bönte sich nicht an Solis-Promoter Öners gebrülltes „Halt die Fresse“ halten wollte, rutschten die beiden in Fäkalsprache ab, so dass eine Fotografin entnervt aufsprang und „Hört endlich auf!“ schrie. Doch selbst danach ging das Verbalgefecht weiter.

Boxpromoter Ahmet Oener

Reuters/Kai Pfaffenbach

Solis-Promoter Öner leistete sich auf der PK wieder einmal einen Ausraster.

Bönte hegt eine abgrundtiefe Abneigung gegen Öner, der wegen seiner Ausraster berüchtigt ist, sich einst bei einem Kampfabend in Hamburg mit Sicherheitskräften eine wilde Schlägerei geliefert hatte und im vergangenen Jahr wegen Erpressung, Körperverletzung und Nötigung zu einer 22-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. „Öner hat meine Familie bedroht und mich dreimal geschlagen“, erklärte Bönte.

Klitschko peinlich berührt

Dem als höflicher Zeitgenosse bekannten Klitschko waren die Entgleisungen sichtlich peinlich. „Das ist eine private Sache zwischen Menschen. Ich möchte nicht Unterwäsche in der Pressekonferenz waschen“, meinte der 39-jährige Ukrainer, der jetzt 42 Siege in 44 Kämpfen auf dem Konto hat, davon 39 durch K. o. Sein nächster Gegner, versicherte der 2,02-Meter-Hüne, werde „noch besser als Solis“. Der Kubaner musste seine erste Niederlage nach 17 Siegen hinnehmen.

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