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Fanproteste gegen geplante Testspiele

Das Engagement von Red Bull bei RasenBallsport Leipzig (RB Leipzig) stößt in der deutschen Fußballszene auf kaum Gegenliebe. Sogar gegnerische Fans machen gegen den vermeintlichen Retortenclub mobil, der in den vergangenen Tagen folglich vergeblich nach einem Testspielgegner in der Regionalliga-Pause suchte. Denn vereinbarte Begegnungen wurden kurzfristig abgesagt.

Weder die Union Berlin noch KSV Hessen Kassel hielten den Protesten der eigenen Fans stand. Kassel wäre der Ersatzgegner am Freitag gewesen, nachdem schon die Berliner einen Rückzieher gemacht hatten. Den traditionsbewussten Anhängern beider Vereine ist der vermeintliche Retortenclub, der 2009 mit den Millionen von Dietrich Mateschitz gegründet worden war, ein Dorn im Auge. Als reines Kunstprodukt wird er angesehen, das mit viel Geld, aber ohne Tradition, den Durchmarsch von der Regionalliga in die höchste Spielklasse schaffen soll.

Dagegen setzen sich die alteingesessenen Fans der Traditionsvereine zur Wehr. Sogar den Fußball im Allgemeinen sehen sie durch Leipzig in seiner Existenz bedroht, wie von Kassel-Sympathisanten festgehalten wurde. Und so boykottieren sie jenen Verein, der sich nach Hoffenheimer Vorbild dank Millioneninvestitionen im Profifußball etablieren und nach ganz oben will. Dass nun der eigene Club gegen RB Leipzig testen wollte, brachte das Fass erst recht zum Überlaufen und die Fanseele zum Kochen.

„Schlag ins Gesicht“

In den Internetforen der Vereinsseiten von Union Berlin und Kassel, die am Freitag nun statt gegen Leipzig pikanterweise gegeneinander spielen, wurde die sofortige Absetzung des Spiels gefordert, in Kassel sogar ein vorgefertigtes Fax an die Geschäftsstelle bereitgestellt und mit der Blockade des Mannschaftsbusses gedroht, sollte der Termin in Leipzig wahrgenommen werden. „Das wäre ein Schlag ins Gesicht der Kasseler Fanszene“, war im Forum des Vereins u. a. zu lesen.

Selbst für den Matchtag waren Protestkundgebungen erwartet worden. Ihren Unmut gegen die vermeintlich fehlende Fußballkultur in Leipzig machten einige Fans schon beim DFB-Pokalspiel gegen Halle im Leipziger Stadion auf Transparenten kund. Mit Parolen wie „Love football, hate Red Bull“ und „In Leipzig stirbt die Fankultur“ wurde gegen die Mateschitz-Elf Stimmung gemacht. Dem Milliardär wird das egal sein. Zweitligist Berlin reagierte dagegen ebenso wie Regionalligist Kassel auf die Vorbehalte und ließen das Freundschaftsspiel gegen Leipzig sicherheitshalber platzen.

Clubs geben nach

„Die Entscheidung für dieses Testspiel ist nach rein sportlichen Motiven erfolgt. Es gibt natürlich auch andere Perspektiven dazu und es ist wichtig und richtig, diese ebenfalls zu berücksichtigen. Das nicht getan zu haben, war ein Fehler“, begründete Christian Beck, Teammanager der Union Berlin. „Um in der jetzigen Situation weitere Unruhe von der Mannschaft fernzuhalten, sei es durch eine politische Diskussion, sei es durch bereits angekündigte Aktionen. Diesem Ziel dient die Absage des Testspiels“, sagte Kassel-Vorstandsmitglied Albrecht Striegel.

In den Reihen der Leipziger, die neben fehlender Akzeptanz zuletzt auch gegen eine sportliche Krise kämpften, wurde die schlechte Kunde betont gelassen zur Kenntnis genommen. „Wir bedauern, dass das Testspiel nicht stattfindet. Selbstverständlich respektieren wir die Entscheidung“, kalmierte RB-Geschäftsführer Dieter Gudel. Trainer Thomas Oral flüchtete in Galgenhumor: „Falls sich kein anderer Gegner mehr findet, werden wir die Trainingsintensität erhöhen.“ Die Leipziger Konzentration gilt dem Ligaschlager gegen VfB Lübeck am 3. April.

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