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Halbherzige Suche nach Erklärungen

Der geeichte österreichische Fußballfan hat das Nationalteam schon öfters auf den Boden der Realität zurückkehren sehen. Selten jedoch war die Landung so hart wie am Freitag mit dem 0:2 gegen Belgien in Wien. Vor dem Spiel um die wohl letzte Chance in der EM-Quali am Dienstag (19.30 Uhr, live in ORF eins) in Istanbul sieht sich Teamchef Dietmar Constantini in Erklärungsnotstand und mit vielen Baustellen konfrontiert.

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Constantinis Treffen mit der Presse am Tag nach der Heimpleite glich einem verbalen Rückzugsgefecht, klare Antworten auf offensichtliche Fehler und Mängel blieben aber aus. Die Belgier seien eine „von Haus aus“ sehr starke Mannschaft, der Spielverlauf für die Österreicher dafür „negativ“ gewesen. In einer Qualifikation zu Hause mit 0:2 zu verlieren, ist laut Constantini nicht in Ordnung, nach einem frühen 0:1-Rückstand hätten aber auch schon Klasseteams den Kürzeren gezogen.

ÖFB-Teamchef Didi Constantini

GEPA/Christian Ort

Dietmar Constantini verteidigt sich und seine Mannschaft.

Arnautovic stellt Teamchef auf die Probe

„Ich übernehme gerne die Verantwortung dafür“, betonte der Tiroler nach dem empfindlichen Rückschlag. „Die Spieler sollten sich aber zuerst selbst hinterfragen, bevor sie andere kritisieren.“ Constantini sprach von „ein, zwei“ Leistungsträgern, die ausließen, wodurch man „keine Chance“ gehabt hätte. Dass er damit auch Marko Arnautovic meinte, lag nach dessen Auftreten auf der Hand. „Marko hatte einen Tag, an dem ihm nichts gelungen ist. Und er ist der Typ, der dann grantig wird“, sagte Constantini über den offensiven Mittelfeldmann von Werder Bremen.

Mannschaftssportlich unverzeihliche Aktionen von Arnautovic, der etwa während eines Eckballs für Österreich an der Outlinie mit Constantini diskutierte, lässt man ihm aber vorerst durchgehen. „Er kann jederzeit für Akzente sorgen, darauf hofft man als Trainer. Diesmal hat er falsch reagiert“, sagte der Teamchef, fügte aber doch hinzu: „Für mich war die Aktion beim Corner auch unverständlich. Das ist aber eine interne Geschichte, die man besprechen muss.“ Was er nicht zulassen wolle, ist ein „Aufhängen“ der Niederlage an Arnautovic alleine. In den letzten Partien habe vor allem er „die spielerische Note verbessert“.

Leader gesucht, Mentaltrainer „nicht notwendig“

Dass die ÖFB-Nationalspieler, darunter gestandene Legionäre aus der deutschen Bundesliga, der Erwartungshaltung nicht gewachsen waren, wurde von Constantini selbst als Grund für die Niederlage angeführt. Einen Mentaltrainer für das Team hält er auf Nachfrage aber nicht für notwendig. „Diese Stärke hat man oder nicht, und beim 4:4 in Belgien war sie vorhanden. Klasseteams haben nach einem 0:1 auch schon verloren“, erklärte der ÖFB-Cheftrainer. Dass vor allem die jungen Spieler wie etwa David Alaba in einem solch wichtigen Spiel unsicher waren, sei dann aber doch wieder Kopfsache gewesen.

„Man könnte einen Leader suchen, aber wer würde dafür infrage kommen?“, antwortete Constantini auf die Frage, warum diesen Part des Mitreißers gegen Belgien offensichtlich niemand übernommen hatte. Auch die Tatsache, dass er bei 0:2 an zwei defensiven „Sechsern“ im Mittelfeld festgehalten hatte, indem er Yasin Pehlivan für David Alaba brachte, konnte angesichts der verbliebenen Spielzeit von immerhin 35 Minuten hinterfragt werden. „Da waren wir nicht in der Verfassung, das Spiel noch einmal zu drehen“, sagte Constantini. „Wenn ich noch einen Offensiven reingetan hätte, wäre es möglich gewesen, dass wir noch zwei kriegen.“

Gespräch mit Macho

Vertrauen in die an diesem Tag zugegeben erschreckend schwache Mannschaft sieht anders aus, obwohl Pehlivan seinen Part ohnehin offensiv zu interpretieren versuchte. Ob es an Qualität fehle? „Vielleicht, in Belgien hat sie nicht gefehlt.“ Formschwankungen hätten jedenfalls alle Spieler, junge wie alte. Dem nicht genug, hatte Jürgen Macho mit einem ähnlichen Flankenpatzer wie in Brüssel die Tormanndiskussion neu eröffnet. In dieser Sache will sich Constantini vor dem Türkei-Spiel mit Goalietrainer Franz Wohlfahrt und Macho zusammensetzen, Helge Payer wäre einem Comeback schon in Istanbul sicher nicht abgeneigt.

Zeit für Veränderungen?

Dass gegen die Türken ein unverändertes österreichisches Team beginnen wird, erscheint ausgeschlossen. Marc Janko, der seine gebrochene Mittelhand gegen Belgien mit einer Schiene schützen musste, verletzte sich bei der vergebenen Großchance in der elften Minute auch noch an der Schulter. Ein Platz für Stefan Maierhofer in der Startelf wurde daher wahrscheinlicher. Erwin Hoffer habe aber auch schon einige Male in der Mitte gespielt, brachte Constantini eine weitere Variante auf den Tisch. Für Franz Schiemer (Oberschenkelverhärtung) kam dagegen am Sonntag das Aus für die Türkei-Partie.

Harald Hofstetter, ORF.at

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