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„Keine drei Minuten Langeweile“

Unglaublich, unfassbar, unbegreiflich: Nach der Gala gegen Inter Mailand haben sich die siegreichen Schalke-Spieler mit Superlativen überschlagen. „Sensationell, wir haben heute ein Wunder erlebt“, schwärmte Kapitän Manuel Neuer nach dem spektakulären 5:2, mit dem die königsblaue „Notelf“ den Champions-League-Titelverteidiger vorgeführt hatte.

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„Für die Zuschauer war es ein fantastisches Spiel und für uns ein grandioser Abend“, sagte Trainer Ralf Rangnick. „Die Partie hätte auch 5:10 oder 4:8 ausgehen können. Es gab keine drei Minuten Langeweile.“ Der historische Sieg im Giuseppe-Meazza-Stadion rief bei den Schalkern Erinnerungen an den bisher größten Triumph vor 14 Jahren an gleicher Stelle wach. Selbst Christoph Metzelder, der am Dienstag wegen eines Nasenbeinbruchs nicht spielte, dachte an den UEFA-Pokalsieg 1997.

Jubel von Schalkes Trainer Ralf Rangnick

AP/Antonio Calanni

Ralf Rangnick scheint für Schalke der richtige Mann zu sein.

Vorfreude auf Manchester oder Chelsea

„Doch das war einzigartig und wäre nur zu toppen, wenn wir den Titel holen. Wahnsinn, solch einen Abend gibt es nur im Europacup“, sagte der Abwehrspieler. Der erstmalige Einzug ins Halbfinale der Königsklasse und eine weitere Prämie von 4,2 Millionen Euro sind Schalke kaum noch zu nehmen. Im Rückspiel am 13. April könnte sich der Revierclub sogar eine 0:3- oder 1:4-Niederlage leisten.

Rangnick warnte trotzdem davor, den italienischen Triple-Sieger schon abzuschreiben. „Wir haben sicher einen großen Schritt gemacht, aber noch nicht den endgültigen.“ Die rund 5.000 mitgereisten Fans freuten sich dagegen schon auf weitere Höhepunkte gegen Chelsea oder Manchester United und skandierten: „Seht ihr Bayern, so wird das gemacht.“ Die Münchner waren im Achtelfinale gegen Inter trotz eines 1:0 in Mailand daheim mit 2:3 ausgeschieden.

Magath-Nachfolger leistet ganze Arbeit

„Wir fühlen uns jetzt relativ sicher. Aber es sind noch 90 Minuten zu spielen“, warnte Neuer, für den das Ergebnis auch lange nach dem Abpfiff „noch immer unbegreiflich“ war. Dabei schien die Partie nach dem Blitztor von Dejan Stankovic den erwarteten Verlauf zu nehmen. Schon nach 25 Sekunden war der deutsche Nationalkeeper erstmals geschlagen. Neuers Kopfballabwehr außerhalb des Strafraums landete beim Serben, und der erzielte aus 51 Metern ein denkwürdiges Tor.

Neuer nahm es zumindest nach dem Spiel mit Humor: „Ein bisschen ärgerlich, dass ich nicht 40 Meter weit köpfen kann. 30 Meter waren zu kurz. Der Schuss ging nach hinten los.“ In nur zwei Wochen hat Magath-Nachfolger Rangnick den Schalkern jedenfalls neues Selbstbewusstsein eingehaucht. Seine Mannschaft spielte engagiert, zweikampfstark und mutig, Joel Matip (17.), der Brasilianer Edu (40., 75.) sowie Raul (53.) mit seinem 72. Europacup-Tor deckten die Abwehrprobleme der Italiener schonungslos auf. Für den fünften Schalker Treffer sorgte Verteidiger Andrea Ranocchia (57.) per Eigentor.

Wiedersehen mit Ex-Trainer am Samstag

Selbst das 1:2 durch Diego Milito (34.), der beim Finalsieg 2010 gegen Bayern beide Tore erzielte, warf Schalke nicht aus der Bahn. Die Youngsters Matip und Kyriakos Papadopoulos oder die unter Ex-Coach Felix Magath in den Regionalliga-Kader verbannten Hans Sarpei und Alexander Baumjohann wuchsen über sich hinaus. „Es spricht für die Mannschaft, dass sie so zurückgekommen ist“, lobte Rangnick, der das Team nun auf das Wiedersehen mit Magath vorbereitet, der am Samstag mit Wolfsburg nach Schalke zurückkehrt.

„Wir wollen die Wolfsburger schön weghauen“, kündigte Verteidiger Sarpei an. Und Magath selbst war vom Auftritt seiner ehemaligen Schützlinge ebenfalls begeistert: „Das war eine großartige Leistung von Schalke. Natürlich habe ich mir das Spiel angeschaut und mich sehr für die Mannschaft gefreut.“

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