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„Absolut irregulär“

48 Stunden nach der 2:4-Niederlage gegen den SC Magna Wiener Neustadt in der 31. Runde der tipp3-Bundesliga hat die Wiener Austria gegen die Beglaubigung des Resultats Protest eingelegt. Grund des Einspruchs ist eine vom Schiedsrichterteam nicht gesehene Regelwidrigkeit, die dem Führungstor zum 2:1 der Gastgeber durch den Ex-Austrianer Hannes Aigner vorausgegangen war.

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Die Violetten begründen ihren Einspruch damit, dass nach dem Anstoß zur zweiten Spielhälfte beim Spielstand von 1:1 zwei Neustädter Spieler, einer davon war der Torschütze, bereits 15 Meter in der gegnerischen Hälfte gestanden waren. Der Vorstand des Vizemeisters, der in der Tabelle vier Punkte hinter Spitzenreiter Sturm Graz weiter Zweiter ist, hat sich intensiv mit der Thematik befasst. Die relevanten Bestimmungen wurden im Detail analysiert und das verfügbare Videomaterial studiert.

Spielfeld und markierte Wr.-Neustadt-Spieler

ORF

Der Stein des Anstoßes: In den roten Kreisen die beiden Neustadt-Spieler, die beim Anpfiff bereits tief in der Austria-Hälfte standen. Oben Hannes Aigner, der wenige Sekunden später das Tor zum 2:1 erzielte.

„Halbzeit wurde regelwidrig begonnen“

„Aufgrund der generellen und auch gesetzlichen Verantwortung zum Wohle des Klubs zu handeln, haben sich die Verantwortlichen daher entschlossen, heute den Antrag auf Entscheidung über die Beglaubigung dieses Spiels gemäß § 4(1) der gültigen Durchführungsbestimmungen der Bewerbe der österreichischen Fußball-Bundesliga fristgerecht beim Senat 1 der Bundesliga einzubringen“, hieß es einer Presseaussendung der Favoritner.

„Wir sind der Meinung, dass die zweite Halbzeit dieses Spiels regelwidrig begonnen wurde und diese Aktion zu dem für den weiteren Spielverlauf vorentscheidend 2:1 geführt hat. Das war absolut irregulär. Daher wollen wir Klarheit in dieser Sache und haben den entsprechenden Antrag gestellt“, sagte Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer.

Der Strafsenat der Bundesliga wird nach Eingang des Einspruchs den Fall demnächst prüfen und darüber entscheiden. Sollte das Gremium dem Antrag der Violetten nicht stattgeben, könnte der Rekordcup-Sieger die zweite Instanz, das Protestkomitee, anrufen.

Geringe Chance auf Neuaustragung

Eine mögliche Neuaustragung wäre im österreichischen Fußball eine Seltenheit. Erst im März 2008 wurde eine Neuaustragung des Spiels zwischen Altach und Rapid (2:1) in zweiter Instanz abgelehnt. „Nach den FIFA-Spielregeln ist der Schiedsrichter mit all seinen Stärken und Fehlern Teil des Spiels. Seine Entscheidungen zum Spielergebnis, selbst wenn sie gegen die Regeln getroffen worden wären, sind endgültig und unanfechtbar“, so das Protestkomitee damals.

Der Bundesliga-Strafsenat hatte ursprünglich am 28. Februar 2008 nach einem Rapid-Protest entschieden, das Match Altach gegen Rapid wegen eines Formalfehlers von Schiedsrichter Bernhard Brugger wiederholen zu lassen. Rapid-Goalie Helge Payer war zum Zeitpunkt der Ausführung des Elfers von Roland Kirchler noch nicht bereit gewesen sei.

Freiwillige Wiederholung

Immerhin gab es in Vorarlberg aber schon im September 2000 die Wiederholung der Partie zwischen Bregenz und Austria Wien. Freilich nicht auf Veranlassen der Liga. Die Austria hatten damals das eigentliche Spiel im „Ländle“ mit 4:1 gewonnen, Christian Mayrleb hatte dabei auf unsportliche Art und Weise für Violett ein Tor erzielt: Bregenz hatte den Ball wegen einer Verletzung ins Out geschossen, Dospel wollte diesen zurückbefördern. Mayrleb aber dachte, es wäre ein Pass und schoss ein.

Weil die Bundesliga in der groben Unsportlichkeit keinen Regelverstoß erkannte, erklärte sich Austria- und Bundesliga-Präsident Frank Stronach freiwillig zu einer Neuaustragung bereit. Diese endete nur wenige Tage später mit einem 2:1-Erfolg der Bregenzer.

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