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„Glasklare Indikatoren“

Das Handspiel des 21-jährigen Wiener-Neustadt-Stürmers Edin Salkic gegen Sturm Graz überschattet das am Mittwoch stattfindende Bundesliga-Saisonfinale. Laut Informationen der Vorarlberger Firma Asian Monitor Early Warning System gab es am Sonntag „glasklare Indikatoren“ auf dem asiatischen Wettmarkt, die den Manipulationsverdacht erhärten.

Extrem hohe Einsätze und atypische Quotenverläufe auf dem mit Abstand größten Wettmarkt der Welt ließen das Frühwarnsystem des Vorarlberger Unternehmens anschlagen. „Für den Spieler gilt die Unschuldsvermutung, aber es passt alles zusammen“, sagte Peter Mündle von Asian Monitor am Dienstag gegenüber ORF.at. „Es gab im Vergleich zu den bei solchen Spielen üblichen Beträgen die siebenfachen Einsätze. Und die Quote hat sich vor und während des Spiels mehrmals dramatisch verändert.“

Quoten fielen radikal

Das sind laut Mündle glasklare Indikatoren für eine mögliche Manipulation. „Natürlich kann es sein, dass man dem Spieler nun unrecht tut, aber ich glaube es einfach nicht“, sagte der Vorarlberger, der sich auch die TV-Bilder des unbegreiflichen Handspiels von Salkic, das zum entscheidenden Elfmeter beim 2:1-Sieg von Sturm führte, immer wieder angesehen hatte. Dass das österreichische Frühwarnsystem nicht anschlug, ist für Ralf Koschel, Administrator von Asian Monitor, logisch, weil es nur die österreichischen Buchmacher überwacht.

Edin Salkic (Wiener Neustadt)

GEPA/Hans Oberlaender

Edin Salkic geriet mit seinem unerklärlichen Handspiel unter Verdacht.

„Wir scannen mit unserem System den asiatischen Markt“, sagte der Deutsche. Konkret seien die Quoten auf einen Sieg von Sturm Graz im Verlauf der Partie ins Bodenlose gefallen, weil ungewöhnlich hohe Beträge darauf gesetzt worden waren - und trotzdem wurde bis zum Schluss darauf gewettet. Solche unüblichen Einsatz- und Quotenbewegungen würden von der seit dreieinhalb Jahren im Einsatz befindlichen Software erkannt und an Kunden weitergeleitet.

Prävention ist das Ziel

Während der Europäische Fußballverband (UEFA) und diverse Sportwettanbieter schon zu den Abnehmern von Asian Monitor zählen, gehört die österreichische Bundesliga laut Mündle noch nicht zum Kundenkreis und wurde daher am Sonntag auch nicht informiert. Öffentlich wurde der Fall Salkic daher auf Medienanfrage seitens der „Vorarlberger Nachrichten“ und der „Kronen Zeitung“. „So tragisch diese Entwicklung für den Sport ist, für uns ist das natürlich ein Glückstreffer“, sagte Mündle zur erhöhten Medienpräsenz des Unternehmens. „Unser Hauptaugenmerk gilt aber der Prävention.“

Die UEFA sei nach entsprechenden Hinweisen nicht erst einmal vor Anpfiff in die Kabinen gegangen und habe die Spieler darüber informiert, dass die Partie unter Beobachtung steht. „Vor allem, wenn unser System schon zwei, drei Stunden vor dem Spiel angeschlagen hat“, so Mündle. Die Quoten würden jedenfalls vom asiatischen Wettmarkt gesteuert. „Im Vergleich zu den größten Wettbüros dort ist selbst bwin ein kleines Lichtlein.“ Das rege Treiben um das Spiel zwischen Wr. Neustadt und Sturm habe in Asien schon am Freitag begonnen, berichtete Koschel gegenüber ORF.at.

Kein Vorwurf, aber Identifikation

Noch einmal angezogen habe es dann eine Stunde vor Anpfiff, was aber nicht weiter ungewöhnlich sei. Das Anschlagen des Frühwarnsystems war am Sonntag ein „längerer Prozess“, nachdem die Server von Asian Monitor den Markt wie immer in Echtzeit gescannt hatten. Was laut Koschel gegen eine aus Asien gesteuerte Manipulation spricht, ist die erhöhte Aufmerksamkeit bei diesem für die Meisterschaft entscheidenden Spiel. Zweitligapartien in Finnland und Tschechien wären dafür eher geeignet. „Es gibt von uns auch keinen Vorwurf der Manipulation“, betonte Koschel.

Nur eben die Identifikation der ungewöhnlichen Verläufe durch das System, die nun auch die Bundesliga beschäftigen. „Wir haben gehört, dass es in Asien erhöhte Wetteinsätze gegeben haben soll. In Bezug auf Österreich hat es aber keine Auffälligkeiten gegeben“, so Vorstand Georg Pangl. Die Liga habe gegen Salkic aber rechtlich nichts in der Hand. „Wir können ihn nicht anklagen oder vorladen“, so Pangl. Laut „Krone“ (Dienstag-Ausgabe) liegt dagegen bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt seit Montag eine Anzeige wegen Betrugsverdachts vor.

Harald Hofstetter, ORF.at

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