Weltmeister gewinnt Reifenpoker
Sebastian Vettel hat am Sonntag den im Finish erneut von einem dramatisch wirkenden Unfall überschatteten Grand Prix von Monaco gewonnen und damit seinen ersten Sieg im Fürstentum gefeiert. Rang zwei in einem Sekundenkrimi ging an Fernando Alonso, Jenson Button wurde Dritter.
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Was lange ein echter Reifenpoker mit ganz unterschiedlichen Strategien beim Spitzentrio war, bekam sechs Runden vor Schluss noch zusätzliche Dramatik, als es beim Überrunden zu einem Crash kam und Lotus-Renault-Pilot Witali Petrow erst nach einiger Zeit aus dem Auto geborgen wurde. Der Russe kam aber offenbar ohne ärgere Verletzungen davon und das zuvor unterbrochene Rennen konnte fortgesetzt werden.
„Es ist unglaublich“
Zum Vorteil von Vettel, der nach lediglich einem Boxenstopp nun seine abgefahrenen Reifen während der Rennunterbrechung wechseln konnte. In den letzten Runden ließ der Deutsche nichts mehr anbrennen und hielt die zuvor wütend anstürmende Konkurrenz von Alonso und Button auf Distanz. „Ich hab gedacht, das ist die einzige Chance, das Rennen zu gewinnen. Es war ganz schön knapp“, betonte Vettel, der auf eine Einstoppstrategie gesetzt hatte.
„Es ist unglaublich. Ich fühle mich sehr geehrt, meinen Namen auf der Liste der Sieger zu sehen“, sagte Vettel, dessen ausgelassene Mechaniker ihn so einkesselten, dass der Heppenheimer kaum einen Schluck aus der Magnumflasche Champagner nehmen konnte.

AP//Luca Bruno
Belohnung nach harter Arbeit: Sebastian Vettel im Champagnerbad.
Keine gröberen Probleme beim Start
Red-Bull-Pilot Vettel hatte beim Start keine Probleme und konnte den Angriff von Button im McLaren, der zu ihm hinüberzog, abwehren, dahinter überholte Ferrari-Star Alonso Webber im zweiten Red Bull. Im mittleren Teil des Feldes gab es eine Berührung zwischen Hamilton im McLaren und dem schlecht weggekommenen Mercedes-Pilot Michael Schumacher, beide konnten aber weiterfahren.
Der Weltmeister legte gleich ordentlich los, nach zwei Runden hatte Vettel schon über drei Sekunden Vorsprung, den er danach aber nur noch geringfügig ausbaute. Die größte Spannung gab es zu diesem frühen Zeitpunkt des Rennens beim Duell zwischen Hamilton und Schumacher um Rang neun, das der Brite in der zehnten Runde für sich entschied.
Verwirrung in der Red-Bull-Box
Schumacher, der mit den Hinterreifen Probleme hatte, kam als erster Fahrer in der 13. der 78 Runden an die Box und holte sich dabei auch gleich einen neuen Frontflügel ab. Drei Runden später war dann der zweitplatzierte Button mit dem Reifenwechsel an der Reihe, womit er offenbar für Verwirrung bei Red Bull sorgte.
Denn als Vettel eine Runde später hereinkam, dauerte der Stopp überraschend lange. Noch schlechter erging es seinem Teamkollegen Webber, der unmittelbar nach dem Deutschen auf rund 15 Sekunden Stehzeit kam. Mit diesem Manöver schob sich Button vor Vettel an die Spitze, Vorjahressieger Webber fiel sogar bis auf Rang 14 zurück. Pech hatte danach aber auch Hamilton. Bei seinem Boxenstopp patzte man auch bei McLaren und hatte die Reifen noch in den Heizdecken verpackt.
Erster Einsatz des Safety-Cars
Vorne fuhr Button mit den neuen Supersoft-Reifen dem Feld auf und davon, nach 25 Runden betrug sein Vorsprung auf Vettel und Alonso schon 13 bzw. 16 Sekunden. Doch der rot markierte Pirelli-Pneu baute schnell ab, in der 33. Runde holte sich der McLaren-Pilot seinen dritten Reifensatz (wieder Supersoft) und fiel hinter Vettel und Alonso zurück.
Gleich danach kam das Safety-Car erstmals in dieser Saison zum Einsatz, weil Felipe Massa im Tunnel mit seinem Ferrari an der Leitplanke entlangschrammte und das linke Vorderrad abriss. Für Schumacher war das Rennen nach einem technischen Defekt praktisch gleichzeitig ebenfalls vorbei.

AP/Luca Bruno
Monaco 2011: Sebastian Vettel vorne weg und die Verfolger hinterher.
Welcher Reifen soll es sein?
Während Vettel weiter mit dem zweiten, härteren Reifensatz fuhr, entschied sich Alonso während der Safety-Car-Phase für einen Reifenwechsel und reihte sich mit den härteren Reifen als Dritter hinter Button wieder ein. Dieser nutzte den weicheren Reifensatz erneut für schnelle Runden und setzte sich an die Fersen von Vettel, ehe er sich in Runde 49 zu einem weiteren Boxenstopp entschied.
Damit waren die ersten drei mit ganz unterschiedlichen Strategien unterwegs, denn Vettel hatte in dieser Phase erst einen, Alonso zwei und Button schon drei Reifenwechsel hinter sich. Entsprechend unterschiedlich abgefahren waren die Pirelli-Pneus dadurch natürlich auch.
Dreikampf und später Unfall
Ab der 62. Runde gab es daher einen echten Dreikampf an der Spitze, das Trio war nur noch durch wenige Zehntel getrennt. Der viertplatzierte Kamui Kobayashi im Sauber hatte hingegen schon eine Minute Rückstand.

GEPA/xpb.cc
Streckenposten kümmern sich um Witali Petrow nach seinem Unfall.
In Runde 69 kam es dann zur dramatischsten Szene im Rennen, als die Spitze auf einen Pulk von Nachzüglern auffuhr und es beim Überrunden zu einem Crash mit gleich mehreren Beteiligten kam, von dem das Spitzentrio aber nicht betroffen war. Bernd Mayländer setzte sich im Safety-Car wieder vor Vettel, Alonso und Button, ehe drei Runden später das Rennen unterbrochen wurde, um den verunglückten Petrow versorgen zu können. Der Russe wurde mit Schmerzen in den Beinen in ein Krankenhaus gebracht.
Nach 20-minütiger Unterbrechung wurde das Rennen wiederaufgenommen und Hamilton schoss gleich einmal Pastor Maldonado im Williams ab. Dank der bei allen Autos frisch aufgezogenen Reifen änderte sich aber sonst mit Ausnahme von Webber, der Kobayashi überholte und sich Rang vier sicherte, nichts mehr an der Reihenfolge. Vettel konnte den 15. Sieg seiner Karriere dank des neuen Materials ungefährdet nach Hause fahren, und sein Teamkollege Webber holte sich beim letzten Umlauf in 1:16,234 Minuten noch die schnellste Rennrunde.
Grand Prix von Monaco
| Endstand nach 78 Runden: |
| 1. |
Sebastian Vettel |
GER |
Red Bull |
2:09:38,373 |
| 2. |
Fernando Alonso |
ESP |
Ferrari |
+ 1,138 |
| 3. |
Jenson Button |
GBR |
McLaren |
2,378 |
| 4. |
Mark Webber |
AUS |
Red Bull |
23,101 |
| 5. |
Kamui Kobayashi |
JPN |
Sauber |
26,916 |
| 6. |
Lewis Hamilton |
GBR |
McLaren |
47,210* |
| 7. |
Adrian Sutil |
GER |
Force India |
1 Runde |
| 8. |
Nick Heidfeld |
GER |
Lotus Renault |
1 Runde |
| 9. |
Rubens Barrichello |
BRA |
Williams |
1 Runde |
| 10. |
Sebastien Buemi |
SUI |
Toro Rosso |
1 Runde |
| 11. |
Nico Rosberg |
GER |
Mercedes |
2 Runden |
| 12. |
Paul di Resta |
GBR |
Force India |
2 Runden |
| 13. |
Jarno Trulli |
ITA |
Team Lotus |
2 Runden |
| 14. |
Heikki Kovalainen |
FIN |
Team Lotus |
2 Runden |
| 15. |
Jerome d'Ambrosio |
BEL |
Virgin |
3 Runden |
| 16. |
Vitantonio Liuzzi |
ITA |
Hispania |
3 Runden |
| 17. |
Narain Karthikeyan |
IND |
Hispania |
4 Runden |
| 18. |
Pastor Maldonado |
VEN |
Williams |
5 Runden |
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