Wieder Skandal um Balotelli
Schlimm genug, dass der italienische Fußball in einem Wettskandal steckt. Nun steht auch noch einer der prominentesten Legionäre des vierfachen Weltmeisters in einem schiefen Licht. Mario Balotelli von Manchester City werden Kontakte zur Camorra, der neapolitanischen Mafia, nachgesagt.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Der Grund für das Gerücht: Der 20-jährige Stürmer von Manchester City besuchte laut einem Polizeibericht an der Seite von zwei Bossen der Camorra den Stadtteil Scampia, eines der verrufensten Viertel von Neapel. Der Spieler hatte sich im Juni 2010 mit den beiden Bossen Salvatore Silvestri und Biagio Esposito, Spitzenvertretern von zwei prominenten Camorra-Clans, auch fotografieren lassen.
Hitzige Diskussionen
Scampia ist seit Jahren Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen verfeindeten Camorra-Clans um die Vorherrschaft im Drogengeschäft. Der 2008 veröffentlichte Film „Gomorrah“, der in ungeschönten Bildern das Mafia-Wesen in Neapel beschreibt, spielt in Scampia. Der Besuch Balotellis an der Seite der Camorra-Bosse sorgte daher für jede Menge Kritik und hitzige Diskussionen.
„Wir kämpfen seit Jahren, um der Jugend in den schwierigen Vierteln Neapels eine Zukunft zu geben. Man sollte die Kriminalität auf keine Weise verherrlichen“, protestierte der neapolitanische Priester Aniello Manganiello. Der Geistliche führt seit Jahren eine Kampagne gegen das organisierte Verbrechen in der Metropole.
Balotelli will nichts gewusst haben
Balotelli, der vor kurzem Manchester City zum Sieg im englischen FA-Cup geführt hatte, wehrte sich nach Bekanntwerden des Polizeiberichts gegen die Vorwürfe, mit der Camorra in Kontakt zu stehen. „Ich wollte lediglich ein Viertel besuchen, von dem man wegen der Kriminalität viel spricht“, meinte der 20-Jährige, „ich wusste nicht, dass ich mit Mafiosi zu tun hatte.“ Sein Manager Mino Raiola widersprach dem Vorwurf ebenfalls vehement.
„Mario ist in keine kriminelle Aktivitäten verwickelt. Er war wenn nur aus Neugierde in dem Viertel“, meinte Raiola. Balotelli soll von mehreren Menschen begleitet worden sein, laut Raiola sei es unmöglich, alle Personen zu kennen. „Es hängen viele Menschen am Fußball. Unmöglich, dass man von allen weiß, wer sie sind“, so der Manager weiter, „ich betone, dass Mario absolut nichts mit dem Wettskandal zu tun hat.“ Pech nur, dass ausgerechnet die Camorra als einer der Drahtzieher des Wettskandals verdächtigt wird.
Immer gut für Skandale
Das jüngste Gerücht ist in jedem Fall ein weiterer negativer Vermerk im Lebenslauf des Stürmers. Der in Palermo als Sohn ghanaischer Immigranten geborene und bei italienischen Zieheltern aufgewachsene Stürmer sorgte in seiner noch kurzen Karriere immer wieder für Aufregung. Die italienische Version von Marko Arnautovic soll etwa im Trainingszentrum von Manchester City Jugendspieler mit Dartpfeilen beschossen haben.

APA/EPA/Marc Atkins
Balotelli (r.) sorgt mit kleinen Skandalen immer wieder für Schlagzeilen.
Im August 2010 fuhr er seinen schwarzen Luxussportwagen spektakulär zu Schrott, blieb dabei aber unverletzt. Und im Oktober 2010 wurde er in Brescia festgenommen, weil er mit einem anderen Sportwagen auf das Gelände eines Frauengefängnisses fuhr. Einem Gerücht zufolge wollte er eine Prostituierte aufsuchen. Auf dem Beifahrersitz saß Balottelis jüngerer Bruder Enock. Balotellis Rechtfertigung: Er sei neugierig gewesen, wie es in einem Frauengefängnis zugehe.
Von eigenen Fans beschimpft
Der Stürmer war aber auch immer selbst Zielscheibe von Attacken. In den Stadien wurde er immer wieder rassistisch beschimpft. Setzte er sich zur Wehr, nahmen es ihm die Fans übel - auch die eigenen. Bei Inter Mailand verscherzte es sich Balotelli, nachdem er durch rassistische Chöre im Halbfinale der Champions League 2010 gegen Barcelona das Inter-Trikot verächtlich wegwarf. „Es gibt keine schwarzen Italiener“, gaben ihm die Inter-Fans zur Antwort.
Der jüngste Bericht über den Ausflug Balotellis mit Mafia-Begleitung ist Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. Auch wenn der 20-Jährige keine Kontakte zur Camorra haben will, beschäftigt ihn dieses Thema doch. Beweis: eine Tätowierung, die eine Mafia-Pistole und fünf Charaktere, die seine Familie darstellen sollen, zeigt. Die Erklärung des Stürmers: „Es ist eine Warnung an die Mafia. Wer meiner Familie etwas antut, wird dafür bezahlen.“
Links: