Themenüberblick

Bis zu zehn Jahre Stadionverbot

Alles neu bei Rapid Wien, aber nicht in Sachen Kader, sondern in Sachen Umgang mit den eigenen Anhängern: Einen Tag vor Trainingsbeginn und knapp einen Monat nach dem Platzsturm beim Wiener Derby im Hanappi-Stadion präsentierten die Hütteldorfer am Dienstag neben neuem Heimdress auch ihr Konzept gegen Hooligans. Mit einem Maßnahmenkatalog will man gewaltbereiten Fans zu Leibe rücken.

„Wir müssen und werden reagieren“, sagte Rapid-Präsident Rudolf Edlinger. Wichtigster von insgesamt zehn Punkten ist der, der die bereits unmittelbar nach dem Skandalderby angekündigten Stadionverbote für Randalierer betrifft. „Wir haben so viele Platzstürmer wie möglich ausgeforscht und der Bundesliga gemeldet“, so Edlinger. Wie lange diese Anhänger die Stadien nicht mehr betreten dürfen, darüber entscheidet die Liga.

Rapid-Präsident Rudolf Edlinger

APA/Herbert Neubauer

Edlinger will bei Randalierern kein Auge mehr zudrücken.

Geldstrafen oder Arbeitsleistung

„Der Strafrahmen beträgt zwischen zwölf Monate und zehn Jahre“, so der Rapid-Präsident. Die unmittelbar nach dem Derby geforderten lebenslangen Sperren wird es aufgrund der Ligaregeln nicht geben. Von einem von Rapid verhängten Hausverbot betreffend das Hanappi-Stadion hält der ehemalige Finanzminister wenig: „Es hat keinen Sinn, ein solches auszusprechen, wenn die Betroffenen in andere Stadien abwandern können.“

Der Club wird daher künftig Randalierer mit Geldstrafen belegen. Rapid plant, sich an den Hooligans mit 1.000 Euro Geldstrafe pro Kopf für den entstandenen Schaden schadlos zu halten. Knapp 100 Personen sollen laut Rapid-Manager Werner Kuhn bisher ausgeforscht worden sein. Wer sich die Geldstrafe nicht leisten kann oder will, soll die Möglichkeit haben, die Strafe in 150 Stunden Arbeitsleistung für Rapid abzugelten.

Pyrotechnik muss draußen bleiben

Insgesamt 350.000 Euro soll der Schaden betragen, den die Platzstürmer am 22. Mai dem Verein zugefügt haben: 50.000 Euro Strafe durch die Liga, 300.000 Euro Verlust durch die zwei verhängten Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Der Platzsturm fügte uns schweren Schaden zu, vom Image her und auch wirtschaftlich“, so der Rapid-Präsident. Der Club erteilt daher auch dem weiteren Einsatz von Pyrotechnik für Fanchoreographien eine Absage.

Pyrotechnik ist im Hanappi-Stadion künftig verboten. Auch das „Kammerl“ hinter der Westtribüne hat ausgedient. Zusätzlich wird jede Person, die einen Gegenstand auf das Spielfeld wirft, für ein Jahr ausgesperrt. „Solche Fans werden mit zwölf Monaten Stadionverbot belegt“, so Edlinger. Neu wird laut Clubführung auch das Rapid-Dorf. Die Fanzone vor dem Stadion wird neu organisiert. Essen statt trinken lautet die Devise, Alkohol ist im Rapid-Dorf künftig verboten.

Abo gegen Lichtbild

Ebenfalls im Maßnahmenkatalog zu finden ist die angekündigte Personalisierung der Dauerkarten auf der Westtribüne. Die Abos für die „West“ werden so wie die Tageskarten auf der Osttribüne nur noch gegen Lichtbildausweis abgegeben. Damit will man die Weitergabe der Dauerkarten an gewaltbereite Zuschauer, etwa aus dem Ausland, verhindern. Einziger Schönheitsfehler: Die Tickets auf den Längsseiten, der Nord- und Südtribüne, bleiben von dieser Maßnahme unberührt. Der Aufwand wäre laut Rapid „organisatorisch zu groß“.

Befürchtungen, gewaltbereite Fans könnten sich durch dieses Schlupfloch anonym Zutritt zum Stadion verschaffen, will man mit einer besseren Fanarbeit entgegentreten. Fanbetreuer und Stadionsprecher Andy Marek will noch mehr „auf den Dialog mit den Fans“ setzen. Trotzdem wird auch der Zugang der Anhängerschaft zur Mannschaft beschränkt. Künftig wird nur noch ein Training pro Woche öffentlich zugänglich sein.

Happel- statt Hanappi-Stadion

Edlinger hofft, dass die mit der Fanbasis nicht abgesprochenen Maßnahmen keine Auswirkung auf die Stimmung im Hanappi-Stadion haben werden, gibt aber zu, dass „es nicht einfach“ sein wird. Stichwort Stimmung: Die wird gegen den Erzrivalen Austria künftig sowieso nicht mehr im Westen Wiens gemacht. Denn Derby-Heimspiele Rapids sollen künftig ausnahmslos im großen Ernst-Happel-Stadion im Wiener Prater über die Bühne gehen. „Mit dem Katalog werden die Fans keine Freude haben, aber wir hatten mit dem Derby auch keine Freude“, so Marek.

Links: