Ein notwendiger Wechsel
Thomas Pöck hat eine neue Herausforderung gesucht und gefunden. Der 29-jährige Verteidiger, der 2004 gleich in seinem ersten NHL-Spiel ein Tor erzielte, schlägt nach zwei Jahren in der Schweiz seine Zelte in der schwedischen Stadt Örnsköldsvik auf. Im Interview mit ORF.at spricht Pöck über seine Gedanken zum hohen Norden, die Vaterrolle und die Krise im Nationalteam.
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ORF.at: Sie haben im Frühjahr bei MODO Hockey in Schweden unterschrieben, welche Erwartungen haben Sie an Ihren neuen Club?
Thomas Pöck: Es wird eine sehr gute Erfahrung werden, die schwedische Liga hat ja einen sehr guten Ruf. Man geht in jede Meisterschaft mit dem Ziel, Erster zu werden. Von den Wettbüros in Schweden sind wir so um Rang neun eingestuft, schauen wir mal, ob wir besser sein können. Mein erstes Ziel ist natürlich das Play-off.
ORF.at: Örnsköldsvik ist eine eishockeyverrückte Stadt, wie gehen Sie mit dem öffentlichen Druck um?
Pöck: Der größte Druck kommt von einem selber, nicht von den Fans oder den Medien. Ich kenne keinen Sportler, dem es egal ist, ob er gewinnt oder verliert. Es gibt vielleicht Leute, die sich im Laufe der Zeit weniger reinsteigern, aber es verliert niemand gerne.

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Mit Rapperswil-Jona kämpfte der Kärntner immer gegen den Abstieg
ORF.at: Wie fällt Ihre Bilanz nach zwei Jahren in der Schweiz bei Rapperswil-Jona aus?
Pöck: Es war sehr schön in der Schweiz, nur das Gefälle zwischen den Top Vier und dem Rest ist einfach zu groß, ein kleines Team hat fast keine Chance. Ich bin in einem Alter, wo es mittelfristig nicht wichtig ist, viel Geld zu verdienen, denn sonst wäre ich in Russland. Ich möchte wieder Erfolg haben. Bei den New York Rangers oder in Hartford waren wir immer im Play-off, und das macht einfach am meisten Spaß.
ORF.at: War der fehlende Erfolg der Hauptgrund für den Wechsel?
Pöck: Es war für mich jetzt der Zeitpunkt, wo ich etwas anderes sehen wollte. Für meine Entwicklung, glaube ich, war der Wechsel in eine andere Liga, ein anderes Umfeld notwendig. Was aber nicht heißt, dass ich nicht wieder in die Schweiz zurückgehen würde. Bei Rapperswil ging es während meiner Zeit ziemlich drunter und drüber, Trainerwechsel und so weiter. Darauf hat man als Spieler zwar keinen Einfluss, aber es war sicher einer der Gründe, warum ich von dort wegwollte.
ORF.at: Sie sind seit November Vater, wie sehr wirkt sich Ihre neue Rolle auf ihre Vorbereitung aus?
Pöck: Es ist natürlich eine Umstellung, man hat nicht mehr so viel Zeit wie früher. Ich komme weniger zum Golfspielen (lacht). Aber es macht einen Riesenspaß, jede Minute mit meinem Sohn ist eine Gaudi, und es gibt immer etwas Neues. Meine Vorbereitung hat sich nicht geändert, Eishockey ist mein Job.
ORF.at: Im April sorgte Ihre Absage für die A-WM für Aufsehen, war die Familie der einzige Grund?/
Pöck: Ich bin in der Schweiz so früh ausgeschieden, dass es für mich mit Vorbereitung und WM sieben Wochen ohne meine Familie gewesen wäre. Und mir waren fast zwei Monate in einem Hotel in Österreich und der Slowakei zu lange, während meine Familie in den USA sitzt. Ich bin der Meinung, dass das A-Niveau zu hoch ist, als dass ich für einen Monat in die USA fahre, dann zurückkomme und dann A-WM spiele. Der Preis war mir zu hoch.
ORF.at: Wie sehr hat Sie die Kritik an Ihrer Entscheidung geärgert?
Pöck: Die Leute reden sowieso, wie sie glauben und wollen. Teamchef Bill Gilligan war der Einzige, der mich angerufen hat. Was andere Spieler, Betreuer oder Funktionäre denken, dabei kann ich ihnen nicht helfen. Wenn ich in der Zeitung Kritik lese, dass man ja auch nicht aufhören kann zu arbeiten, nur weil man Kinder hat, dann ist das eine Meinung, die ich akzeptieren muss. Ich habe eine andere Meinung und auch keine einzige Nacht schlecht geschlafen.
ORF.at: Auch das Fehlen unserer NHL-Spieler Thomas Vanek und Michael Grabner wurde kritisiert ...
Pöck: In Nordamerika interessiert das keinen. Es fahren nur Spieler zur WM, die in der NHL nicht mehr Play-off spielen. Sicher kann man sagen, egal, ich fahre zur WM, aber das kann sich nur ein Spieler vom Kaliber eines Alexander Owetschkin leisten. Was soll sein General Manager bei Washington schon sagen. Ohne Owetschkin ist seine Mannschaft nur die Hälfte wert. In diese Kategorie bin ich leider auch nie gefallen. Wenn es Dir verboten wird, zur WM zu fahren, dann heißt es für Dich, Bitte und Danke sagen, sonst nichts.

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Pöck spielte 2010 bei der B-WM in den Niederlanden zuletzt für Österreich.
ORF.at: Bei der WM hieß es nach dem Abstieg: Wir sind halt nicht besser, es fehlen die Basics. Kann man mit dieser Einstellung überhaupt bestehen?
Pöck: So schlimm, wie manche es darstellen, ist es sicher nicht. Zwischen Platz 14 und 18 im Welteishockey schwirren wir aber herum: Mit ein wenig Glück bleibst du oben, mit Pech steigst du ab. Meiner Meinung nach müsste man im Nachwuchs was ändern. Auch wenn im Winter geschrieben wurde, wie super unser Nachwuchs gespielt hat. Aber die spielen im C-Pool. Alles, was recht ist, eine Gruppe darunter spielst du mit Australien und Neuseeland.
ORF.at: Muss sich Österreich also auf eine längere Zeit in der B-Gruppe einstellen?
Pöck: Ich bin überzeugt, dass wir sofort wieder aufsteigen. Dafür haben wir noch genug gute Spieler. Mit einem Vanek, Grabner und Nödl sieht die Sache auch im A-Pool anders aus. Aber es kann nicht sein, dass, wenn drei Spieler nicht kommen, nichts mehr funktioniert.
ORF.at: Vanek und Grabner sind als Torjäger bekannt, fehlen dem Team gute Stürmer zur A-Klasse?
Pöck: Bei uns fehlt es weniger an den Stürmern, sondern mehr an der Verteidigung. Und vor allem an der Masse an Spielern. Wir haben nur sechs österreichische Mannschaften und in jeder spielen bis zu acht Ausländer. Also hast du rund 100 Leute, die für das Nationalteam spielen können, aber nur zehn, die auch im Club zum Einsatz kommen, wenn es darauf ankommt. 2004 haben in der Liga nur vier Legionäre spielen dürfen, und die Österreicher sind zum Zug gekommen.
ORF.at: Die Legionärsregelung ist also die Wurzel allen Übels?
Pöck: Die Punkteregelung ist da, und darüber kann man schimpfen, so viel man will. Das Problem ist, dass in den Vereinen nur die Legionäre in den wichtigen Situationen zum Einsatz kommen. Beispiel Linz: Sie haben vier Legionäre und Robert Lukas in der Verteidigung. Dort spielt sonst kein Österreicher mehr in der Verteidigung, der Rest schaut bei der Tür hinaus. Wie will man dann etwa dort jemals einen besseren österreichischen Eishockeyspieler herausbringen?
ORF.at: Die Punkteregelung ist vor allem für Spieler über 24 Jahre ein Hindernis ...
Pöck: Du bist durch die Punkteregelung ein Ausländer im eigenen Land. Je besser Du als Österreicher spielst, umso weniger Chancen hast Du, im nächsten Jahr einen Vertrag zu bekommen. Vielleicht wäre es besser, die Legionärsanzahl komplett freizugeben, denn dann hätte man wenigstens die Chance, sich einen Platz zu erkämpfen. Andererseits ist es fraglich, wie viele Österreicher wirklich einen Job haben, wenn ein Club zum Beispiel nur mit Slowaken spielen kann.
ORF.at: Immer wieder wird die Schweiz als Vorbild genannt, zu Recht?
Pöck: Sicher wird in der Schweiz besser gearbeitet, der Grund ist aber, dass dort einfach viel mehr Geld vorhanden ist. Es wird dort einfach mehr für die Nachwuchsarbeit und für Trainer ausgegeben. Deswegen ist das Niveau von allen dort höher. Die Liga stänkert zwar auch und wünscht sich mehr Legionäre, aber sie setzt es nicht um. Es wird der Nachwuchs forciert und die Legionärsbeschränkung beibehalten.
Das Gespräch führte Karl Huber, ORF.at
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