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Legionäre schrittweise reduzieren

Die Vereine der Erste Bank Eishockey Liga befinden sich knapp einen Monat vor dem Start in die neue Saison am 9. September in der heißen Phase der Vorbereitung. Doch auch hinter den Kulissen geht es heiß her. Bei der Ligasitzung am 3. September planen einige Clubs den Aufstand gegen das bestehende System. Federführend dabei sind der Villacher SV und die Moser Medical Graz 99ers.

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Der Präsident der Grazer, Jochen Pildner-Steinburg, hatte bereits bei der vorangegangenen Ligasitzung am 15. Mai auf Änderungen im System gepocht, um ein Auseinanderbrechen der Liga zu verhindern und das österreichische Eishockey zu verbessern. Die blamable Vorstellung des Nationalteams bei der A-Weltmeisterschaft in der Slowakei zeigte deutlich, wie stark das Feuer am Dach brennt.

„Es besteht Handlungsbedarf“

VSV-Obmann Giuseppe Mion legte am Dienstag in einem Interview mit dem „Kurier“ nach und ließ einen Ausstieg seines Clubs vor der übernächsten Saison durchblicken, sollten sich die Verhältnisse nicht ändern. Auf Nachfrage von ORF.at gab sich Mion jedoch etwas zurückhaltender. „Ich denke jetzt einmal nur bis zum 3. September und dann wird man sehen, wie die Fronten sind“, so der Kärntner, „aber eines ist klar: Es besteht Handlungsbedarf.“

VSV-Obmann Giuseppe Mion

GEPA/Wolfgang Jannach

VSV-Obmann Mion ist mit dem Zustand der Liga unzufrieden

Der Hauptkritikpunkt ist seit Jahren der gleiche: Zu viele Legionäre, zu wenig Chancen für junge Österreicher und zum Drüberstreuen die Unzufriedenheit über die seit 2007 existierende Punkteregelung. „Andere Nationen haben auch kein Punktesystem und sind besser als wir. Das muss man schon hinterfragen“, so Mion, der mit den Verantwortlichen der Grazer, der Black Wings Linz und HK Jesenice bei der kommenden Ligasitzung eine Mehrheit für eine schrittweise Rücknahme der Legionärsanzahl pro Team erreichen will.

Umdenken hat stattgefunden

„Dann wird man sehen, ob der Wille zur Veränderung da ist oder ob man so weiter macht, bis es nicht mehr geht“, so Mion. Auch bei Vereinen wie den Vienna Capitals, die vor wenigen Jahren sogar einer totalen Freigabe der Legionärsanzahl nicht abgeneigt waren, habe angesichts der Vorstellungen des Nationalteams ein Umdenken stattgefunden. „Wien hat bereits seine Philosophie umgestellt und schaut, dass es mehr österreichische Spieler im Kader hat.“

Das Konzept, dass der VSV-Obmann am 3. September erneut auf den Tisch bringen will, wurde laut Mion 2010 von einer Expertengruppe, der neben dem Villacher auch der damalige Teamchef Bill Gilligan und KAC-Trainer Emanuel Viveiros angehörten, ausgearbeitet. Mion: „Im Hintergrund ist bereits einiges passiert, die Umsetzung fehlt noch. Das Konzept wurde auch abgegeben, aber es ist leider nichts passiert.“

Mehr heimische Clubs gefordert

Schützenhilfe erhält der ehemalige Verteidiger ausgerechnet aus Klagenfurt. „Der KAC hat bereits signalisiert, dass er diesen Weg gehen will. Die Klagenfurter wollen heuer mit sechs Legionären beginnen, um ein Zeichen zu setzen“, sagt Mion. Nur Red Bull Salzburg dürfte von den österreichischen Clubs aufgrund der internationalen Ausrichtung des International Icehockey Development Models beim Vorschlag aus Graz und Villach wohl nicht mitziehen.

Mion gibt sich dennoch optimistisch: „Wenn jemandem etwas am österreichischen Eishockey liegt, wird er bei diesem Vorschlag mitmachen.“ Ziel ist es auch, mehr österreichische Clubs wieder in die oberste Spielklasse zu bringen. Nach der Aufnahme des HC Znojmo stehen den sechs heimischen Vereinen bereits fünf ausländische Clubs gegenüber. „Für die Liga ist es sicher auch wichtig, das ein tschechischer Club dabei ist, weil man von Sponsorseite in diese Richtung interessiert ist“, so Mion.

Lieber sehe der 52-Jährige aber Vereine wie den HC Innsbruck oder VEU Feldkirch in der EBEL. „Mannschaften wie Innsbruck, Dornbirn oder Feldkirch müssen unbedingt ins Boot, heimische Vereine sind für das österreichische Eishockey wichtiger, als jedes Jahr einen ausländischen Club dazu zu nehmen“, so Mion, „Es müssen alle das gleiche Ziel verfolgen und in den Nachwuchs und nicht in Ausländer investieren.“

Karl Huber, ORF.at

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