Themenüberblick

Offensivtrio lässt „Veilchen“ blühen

Die Austria hat das erste Wiener Derby im Ernst-Happel-Stadion seit fünf Jahren klar für sich entschieden. In einer wahren Hitzeschlacht gegen Rapid behielten die Violetten vor 31.800 Zuschauern verdient mit 3:0 die Oberhand.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Nacer Barazite, der zuletzt in der Europa-League-Quali wie am Fließband getroffen hatte, erzielte das erste Tor der Austria (15.). Zlatko Junuzovic (52.) sorgte nach der Pause für die Vorentscheidung, Roland Linz (66.) vollendete den Triumph.

Jubel von Austria Wien

ORF.at/Christian Öser

Am Ende hatte nur die Austria Grund zum Feiern

Im ersten Aufeinandertreffen nach dem Platzsturm im Hanappi-Stadion im Mai setzte sich auch die Serie von bereits fünf Derby-Auswärtssiegen fort. Mit dem fünften gewonnenen Pflichtspiel en suite hält die Austria nach fünf Runden bei zehn Punkten. Rapid verlor nach dem Last-Minute-K.-o. gegen Sturm zum zweiten Mal und hat sieben Zähler. Auf den Rängen verlief alles friedlich - auch weil Teile der Rapid-Fans weiter auf Anfeuerungen verzichten und Temperaturen jenseits der 30 Grad nicht zu Sprints über den Rasen einluden.

Austria mit Europacup-Elan

Die Mittelfeld-Neuerwerbung Florian Mader hatte Karl Daxbacher noch nicht in die Startelf gestellt, dafür begann der Austria-Trainer im Vergleich zum Europa-League-Sieg gegen Gaz Medias mit Alexander Grünwald statt Michael Liendl im defensiven Mittelfeld. Das zuletzt sehr erfolgreiche 4-2-3-1-System behielten die Violetten auch im Duell mit dem Erzrivalen bei. Um die erste Niederlage gegen Rapid im Happel-Stadion seit dem 6. Mai 2001 zu verhindern, setzte man bei der Austria auf Offensive.

Rapid-Coach Peter Schöttel entschied sich im zentralen Mittelfeld für Harald Pichler statt Markus Heikkinen. Im Angriff begannen die Grün-Weißen mit dem langen Atdhe Nuhiu und dem schnellen Deni Alar. Hamdi Salihi, in der vergangenen Saison Matchwinner bei beiden Derby-Auswärtssiegen, musste auf der Ersatzbank Platz nehmen. Der harte Kern der Fans versagte Rapid zwar weiter lautstarke Unterstützung, insgesamt herrschte zu Beginn trotzdem Derby-würdige Atmosphäre.

Barazite trifft auch in der Meisterschaft

Das Spiel selbst entsprach der hohen Erwartungshaltung in den ersten zehn Minuten ganz und gar nicht, dann wurde es dafür umso turbulenter. Mehr oder weniger aus dem Nichts knallte Tomas Jun (10.) den Ball vom „Sechzehner“ an die Latte, Rapid-Keeper Helge Payer hatte dem Schuss nur staunend nachblicken können. Im Gegenzug rettete Austria-Verteidiger Manuel Ortlechner in letzter Sekunde vor Alar (11.), ehe es wiederum auf der anderen Seite erstmals einschlug.

Nacer Barazite, bisher mit acht Toren in der Qualifikation „Mister Europacup“ der Austria, stellte seine Hochform erstmals auch in der Bundesliga unter Beweis - und das ausgerechnet im Derby. Einen präzisen Grünwald-Querpass von links nahm der Niederländer an der Strafraumgrenze elegant auf, legte sich den Ball unbehelligt auf den rechten Fuß und bezwang Payer mit einem Flachschuss in die lange Ecke zum 1:0 (15.) für die Favoritner.

Rapidler ohne Plan

Das sollte es von der Austria vorerst gewesen sein. Man zog sich wie schon am Donnerstag nach dem ersten Tor gegen die Rumänen in die eigene Hälfte zurück. Rapid erlangte trotz augenscheinlicher Probleme im Spielaufbau mehr Anteile und kam auch zu Chancen. Boris Prokopic (19.) vergab aus guter Position stümperhaft, bei einer Doppelchance durch Alar (Austria-Goalie Pascal Grünwald parierte) und Nuhiu (aus spitzem Winkel, jeweils 19. Minute) fehlte nicht viel zum Ausgleich.

Jubel von Austria Wien

ORF.at/Christian Öser

Rapid (im Bild Stefan Kulovits) fand über 90 Minuten nicht ins Spiel

Dennoch wirkte bei den Hütteldorfern vieles planlos. Steffen Hofmann, dem auch keine zündenden Ideen kamen, sorgte zumindest mit einem 20-Meter-Freistoß (30.) für Gefahr. Pascal Grünwald war aber ebenso auf dem Posten wie auf der anderen Seite Payer bei einem Versuch des aufgerückten Ex-Rapidlers Peter Hlinka (34.). Über den Rest der ersten Spielhälfte wäre der Mantel des Schweigens zu hüllen. Zahlreiche Fouls im Niemandsland zogen einige Gelbe Karten gegen beide Teams nach sich und langweilten die Zuschauer bis zur Pause.

Endgültiges K. o. nach Wiederbeginn

Rapid-Coach Schöttel musste sich etwas einfallen lassen und brachte Christopher Drazan auf der linken Seite statt Stefan Kulovits. Außer einer langen Hereingabe von Thomas Schrammel, die Alar (50.) nur mit den Zehenspitzen erreichte und daher ins Torout verlängerte, hatten die Gastgeber aber nichts zu bieten. Die Austria kombinierte gut, ohne dabei Herausragendes zu zeigen. Und sie hatte mit Junuzovic den besten Mann auf dem Platz, der die Partie letztlich auch entscheiden sollte.

Zunächst traf der Spielmacher nach Vorarbeit von Barazite und Linz aus vollem Lauf zum 2:0 (52.), wobei sein Schuss noch für Payer unhaltbar abgefälscht wurde. Dann sorgte Junuzovic durch einen Doppelpass mit Jun für eine der schönsten Aktionen des Spiels und legte im Anschluss daran ideal zur Mitte auf. Dort wartete Linz im Stile eines Torjägers und schob seelenruhig zum 3:0 (66.) ein. Das demonstrative Schweigen vieler Rapid-Anhänger war schon davor zunehmend bemerkbar geworden, nach dem dritten Tor verließ man scharenweise das Stadion.

Prokopic sorgt für negativen Höhepunkt

Versäumt haben die unzufriedenen Fans so gut wie nichts mehr. Für den negativen Höhepunkt sorgte Prokopic mit einem rüden Foul an Austria-Verteidiger Georg Margreitter. Der Rapidler musste in der 86. Minute mit Rot vom Platz, spielerische Höhepunkte gab es auf beiden Seiten keine mehr. Schiedsrichter Gerhard Grobelnik erlöste den noch anwesenden Rapid-Anhang mit dem Schlusspfiff. Schöttel hat in den nächsten Tagen einiges an Aufbauarbeit zu leisten, die Austrianer ließen sich auf der Laufbahn des Prater-Ovals eine Viertelstunde lang von ihren Fans feiern.

Harald Hofstetter, ORF.at

tipp3-Bundesliga, fünfte Runde

Sonntag:

Rapid - Austria 0:3 (0:1)

Happel-Stadion, 31.800 Zuschauer, SR Grobelnik

Tore:
0:1 (15.) Barazite
0:2 (52.) Junuzovic
0:3 (66.) Linz

Rapid: Payer - Schimpelsberger, Sonnleitner, Soma, Schrammel - Hofmann (71. Trimmel), Kulovits (46. Drazan), Pichler, Prokopic - Nuhiu (72. Heikkinen), Alar

Austria: P. Grünwald - Klein, Margreitter, Ortlechner, Suttner - Hlinka, A. Grünwald (70. Mader) - Barazite (75. Stankovic), Jun (84. Liendl), Junuzovic - Linz

Rote Karte: Prokopic (86., Foul)

Gelbe Karten: Alar, Pichler, Heikkinen bzw. Suttner, Barazite, Stankovic

Die Besten: Keine bzw. Barazite, Jun, Junuzovic, Linz, A. Grünwald

Derby-Gesamtbilanz: (298 Spiele)
124 Rapid-Siege, 65 Remis, 109 Austria-Siege, 567:484 Tore

Links: