Unterschriftenliste mit Topstars
Dem Internationalen Skiverband (FIS) bläst nach der angekündigten und ab 2012/13 gültigen Materialreform rauer Wind entgegen. Die Athletenkommission brachte Ende August mit einer von rund 200 Läuferinnen und Läufern unterzeichneten Protestnote ihren Unmut über die geplanten Veränderungen zum Ausdruck.
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Bereits davor hatten die Athleten der FIS ihre Bedenken zu den geplanten Veränderungen übermittelt und eine Einbeziehung in die Verhandlungen gefordert. Passiert ist laut Athletensprecher Kilian Albrecht weder das eine noch das andere. „Dabei wollen wir mitreden und gestalten, und nicht mehr länger ignoriert werden“, so der für Bulgarien startende Vorarlberger. So sei die Athletenkommission weder über die wissenschaftlichen Untersuchungen informiert worden, noch seien Meinungen von Aktiven in die Entscheidung eingeflossen.

GEPA/Mario Kneisl
Killian Albrecht steht beim Protest der Athleten an vorderster Front
Prinzipiell unterstützen auch die Athleten die Sicherheitsmaßnahmen, die von der FIS nach den vielen schweren Stürzen und Verletzungen der vergangenen Saisonen nach ausführlichen Studien ergriffen wurden. Allerdings fühlen sie sich als am unmittelbarsten betroffener Teil des Spektakels immer noch zu wenig direkt gehört, obwohl Athletensprecher Albrecht auch beim FIS-Kongress in Portoroz dabei war. „Sind die Athleten eigentlich irgendwas wert?“, fragt sich nicht nur der Ex-Rennläufer.
„Um 20 Jahre zurück“
Dabei seien es die Athleten, die die Show machten und ihre Gesundheit oder manchmal sogar ihr Leben riskierten. Konkret stoßen sich die Fahrer, darunter auch die Weltcup-Gesamtsieger Maria Höfl-Riesch und Ivica Kostelic, trotz aller Sicherheitsbedenken an den beschlossenen Änderung der Taillierung der Ski im Riesentorlauf. Die Breite der Ski vor der Bindung darf nur noch höchstens 95 mm betragen, der Radius, der die Kurvenlänge entscheidend beeinflusst, wurde von 27 gleich auf 40 m (Damen von 23 auf 35 m) vergrößert.
„Diese neuen Dimensionen werfen unseren Sport gleich um 20 Jahre zurück“, heißt es in dem offiziellen Statement der Athleten an die FIS, „durch die Carvingski ist der Sport kraftvoller, dynamischer und nicht zuletzt attraktiver für die Zuschauer geworden.“ Auch für die Skiindustrie würde laut Athleten der Rückfall in alte Zeiten einen erheblichen Verlust bedeuten: „Wir möchten alle unseren Sport verkaufen. Ein Rückschritt hilft uns dabei nicht.“
Nachteil für kleine Läufer
Die Umstellung des gesamten Skimarktes würde der Industrie zudem Millionen kosten. Geld, das bei der Unterstützung der Läufer eingespart werden könnte, so die Befürchtung der Fahrerinnen und Fahrer. Dadurch, dass die Eltern von Nachwuchssportlern gezwungen würden, neues Material anzuschaffen, könnten viele Kinder von einer Karriere als Skirennläufer abgehalten werden. Außerdem seien die geplanten weiteren Kurvenradien ein Nachteil für kleine Athletinnen und Athleten.
„Es wäre diskriminierend. Eine Frau mit nur 1,55 m Größe hätte einen erheblichen Nachteil gegen eine 1,80 m große Frau“, ist im Brief der Athleten an die FIS zu lesen, „mit den Carvern hatten auch kleinere und nicht so muskelbepackte Läufer eine faire Chance.“ Als Beispiel wird die Situation vor 15 Jahren angeführt, als bevorzugt große Läuferinnen und Läufer vom Siegerpodest lachten: „In den letzten Jahren war auf den Podesten ein Mix aus verschiedenen Körpertypen zu sehen.“
Kurssetzung wichtiger Faktor
Daher fordern die Athleten eine Senkung des minimalen Radius von 40 auf zumindest 30 Metern. Auch die geplante Verengung des vorderen Teils von RTL-Ski bei gleichzeitigem Belassen des hinteren Endes wird von den Fahrerinnen und Fahrern abgelehnt. Ein Einlenken erhoffen sich die Athleten auch in Sachen Abfahrtsski: Hier soll der Abstand zwischen Schuh und Ski laut FIS verringert werden. Grund der Ablehnung: Ein geringerer Abstand wäre ein Nachteil für Läufer mit großen Füßen.
Letztlich wird auch angeprangert, dass man die FIS-Studie der Universität Salzburg nie zu Gesicht bekommen habe und dass man sich bei den Sicherheitsbestrebungen fast ausschließlich auf das Skimaterial konzentriere. Die Läufer sind aber der Meinung, dass gleichmäßige Pistenbedingungen sowie die Kurssetzung und die Rennanzüge mindestens genauso große Einflussfaktoren darstellen würden und daher ebenfalls Beachtung finden müssten.
Raich und Vonn fehlen auf Liste
Der Kompromiss, den die FIS nach ebenso heftiger Kritik der Industrie nun angekündigt hat, entspreche bei weitem nicht den Erwartungen der Läufer, so Albrecht. Was den Vorarlberger daher besonders freut: „Bisher hatten die Fahrer immer zehn Meinungen. Das aber jetzt ist das klarste Votum aller Zeiten. So etwas war noch nie da.“
Während Stars wie Riesch-Höfl, Kostelic, Elisabeth Görgl, Nicole Hosp, Bode Miller und Aksel Lund Svindal ihre Unterschrift geleistet haben, fehlen etwa jene von Marlies Schild, Benjamin Raich und Lindsey Vonn unter dem Papier. Während sich Raich vorerst wohl voll auf sein Comeback nach seiner Knieverletzung konzentriert, gehen der US-Amerikanerin Vonn die Vorschläge nicht weit genug.
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