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„Finanziell eine andere Welt“

Nach einjähriger Abwesenheit gibt die Austria ab Donnerstag ein Comeback in der Europa League. Die Wiener starten mit dem Heimspiel gegen Metalist Charkiw in die Gruppe G. „Wir werden einen Tag brauchen, an dem sehr, sehr viel passt“, sagte Austria-Trainer Karl Daxbacher, der die Ukrainer und AZ Alkmaar als Favoriten auf die beiden Aufstiegsplätze sieht.

Austria Trainer Karl Daxbacher

ORF.at/Christian Öser

Daxbacher bekommt es mit einem sehr unangenehmen Gegner zu tun

Daxbacher weiß, dass die Qualität der Mannschaft aus Charkiw weit größer als ihr Bekanntheitsgrad hierzulande ist. „Charkiw hat eine Reihe guter Spieler, vor allem aus Südamerika. Das ist finanziell eine andere Welt“, erklärte der Niederösterreicher angesichts der Millionen von Charkiws Clubboss Alexander Jaroslawski.

Die Austria hat die Ligapartien von Charkiw daheim gegen Arsenal Kiew (0:0) und auswärts gegen Karpaty Lwiw (Lemberg/2:1) live an Ort und Stelle beobachtet, zudem wurden die Qualifikationspartien der Europa League gegen FC Sochaux (0:0 daheim, 4:0 auswärts) per DVD eingehend analysiert. Das Um und Auf der Mannschaft ist im Mittelfeld der brasilianische Kapitän Cleiton Xavier.

„Nicht nur auf lieben Gott hoffen“

Hinzu kommen als herausragende Stützen der wieselflinke Stürmer Taison, ebenfalls aus Brasilien, und der argentinische Mittelfeldmann Jose Ernesto Sosa, dem einst der Durchbruch bei Bayern München nicht gelungen war. „Charkiw attackiert mit einem ähnlichen Offensivsystem wie wir den Gegner sehr früh und will ihn dadurch zu Fehlern zwingen. Und wenn die Ukrainer zu viel Platz haben, dann wird es brandgefährlich“, sagte Daxbacher.

Europa League, Gruppe G

Donnerstag, 21.05 Uhr:

Austria Wien - Metalist Charkiw

Generali Arena, SR Dean (ENG)

Mögliche Aufstellungen:

Austria: P. Grünwald - Klein, Margreitter, Ortlechner, Suttner/Leovac - Hlinka, A. Grünwald - Barazite, Jun/Stankovic, Junuzovic - Linz

Charkiw: Gorjainow - Torsiglieri, Villagra, Gueye, Pschenischnik - Cleiton Xavier, Sosa, Waljajew, Edmar - Cristaldo, Taison

Bei allem Respekt vor den Gästen aus der Ostukraine stellte der Austria-Coach aber fest: „Wir werden Selbstvertrauen zeigen und sicher nicht in Ehrfurcht erstarren. Wir wollen zeigen, dass wir gewinnen wollen und nicht nur auf den lieben Gott hoffen.“ Will man um den Aufstieg mitplaudern, sind die Heimspiele für Daxbacher „natürlich richtungsweisend“. „Mit einem Sieg würde die Hoffnung auf Rang zwei kommen.“

International mithalten

Die jüngsten schwachen Ligaleistungen sind laut Daxbacher intern besprochen und abgehakt, die Europa League bildet eine perfekte Bühne zur Wiedergutmachung. „Die Spieler können zeigen, dass sie international mithalten können“, sagte Sport-Vorstand Thomas Parits. Scouts von prominenten Clubs wie Manchester United, Borussia Dortmund und Werder Bremen werden Zlatko Junuzovic und Co. auf die Füße schauen.

Peter Hlinka hat beste Erinnerungen an Charkiw. Der Slowake hat 2009 mit Sturm Graz die Ukrainer in der Qualifikation zur Europa League überraschend aus dem Bewerb geworfen. „Charkiw hat uns damals unterschätzt“, erinnerte sich der defensive Mittelfeldspieler der Austria. Auch die Bilanz der Austria gegen ukrainische Clubs in den vergangenen zehn Jahren macht Mut.

Fans unter Beobachtung

Die K.-o.-Duelle mit Schachtjor Donezk (2002), Illischiwets Mariupol (2004) und Metalurg Donezk (2009) haben die Favoritner allesamt für sich entschieden, lediglich in einem Match der UEFA-Cup-Gruppenphase setzte es ein 0:1 gegen Dnjepr Dnjepropetrowsk. Bis Mittwochmittag waren rund 7.000 Abos für die drei Heimpartien abgesetzt, die Generali Arena fasst im Europacup 11.000 Zuschauer.

Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer hofft natürlich auf ein volles Haus, aber nicht weniger auf einen skandalfreien Abend. Schließlich hängt über den Wienern noch das Damoklesschwert eines weiteren Europacup-„Geisterspiels“ vor leeren Rängen. Nach den schweren Ausschreitungen am 3. Dezember 2009 im Heimmatch gegen Athletic Bilbao hatte die UEFA die Austria hart bestraft. Die Begegnung gegen Siroki Brijeg hatte ohne Zuschauer ausgetragen werden müssen, ein zweites derartiges Match droht bei weiteren Verfehlungen.

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