Bilanz wie zuletzt vor 31 Jahren
Detroit und Buffalo sind in den vergangenen Jahren wirtschaftlich und sportlich für Rezession gestanden. Vor allem für Football-Fans gehörte ein braunes Papiersackerl, mit dem man sein Gesicht versteckte, bei Heimspielen zum Standard. Doch diese Zeiten sind vorbei. Denn die Detroit Lions und Buffalo Bills sorgen mit ihrer Auferstehung für Aufbruchsstimmung in den krisengeschüttelten Städten.
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Sowohl Lions als auch Bills stehen nach drei Spielen wie Titelverteidiger Green Bay Packers immer noch mit einer weißen Weste da. An den bisher letzten derart erfolgreichen Saisonstart können sich in Detroit und Buffalo nur altgediente Anhänger erinnern. 1980, also vor nicht weniger als 31 Jahren, gelangen den Lions und Bills zuletzt drei Siege in den ersten drei Spielen.
Saison ohne Sieg
Damals war Jimmy Carter noch Präsident der USA und die aktuellen Spielmacher der Bills und Lions noch nicht einmal auf der Welt. Buffalos Ryan Fitzpatrick wurde erst zwei Jahre, Detroits Matthew Stafford erst acht Jahre später geboren. Jetzt stehen beide für die Wiederbelebung ihrer Football-Teams. „Endlich hat die Stadt wieder ein Football-Team, an das sie glauben kann“, so Bills-Spieler David Nelson. Eine Aussage, die nicht nur auf Buffalo, sondern auch auf Detroit zutrifft.

Reuters/Rebecca Cook
2008 hatten die Fans der Detroit Lions nichts zu lachen
Sowohl die Lions als auch die Bills waren in den vergangenen Jahren als „Verlierer“ abgestempelt. Seit 1999 warten beide Teams auf einen Platz im Play-off. Detroit brachte es 2008 zustande, als erstes Team alle 16 Spiele in einer Saison zu verlieren, und verbesserte damit den zuvor aufgestellten Negativrekord der Tampa Bay Buccaneers, die 1976 in allen 14 Spielen ihrer Premierensaison als Verlierer vom Platz gingen.
Einmal Hölle und zurück
Mit Coach Jim Schwartz und der Auswahl von Stafford im Draft der besten Collegespieler wendete sich jedoch das Blatt für Detroit. Bereits am Ende der vergangenen Saison setzten die Lions mit vier Siegen in Serie, darunter gegen den späteren Champion Green Bay, ein Rufzeichen. Der knappe 26:23-Sieg nach Verlängerung bei den Minnesota Vikings war der bisherige Saisonhöhepunkt. Erstmals in ihrer Geschichte konnten die Lions einen 20-Punkte-Rückstand umdrehen und feierten nach 14 Jahren wieder einen Sieg in Minnesota.
„Es fühlt sich unwirklich an“, sagte Dominic Raiola, seit 2001 im Kader der Lions, „wir waren einmal in der Hölle und zurück.“ In Detroit, das sportlich jahrelang nur von den Erfolgen der Eishockey-Mannschaft der Red Wings zehrte, ist der Glaube an ein Ende der Play-off-losen Zeit so groß wie nie zuvor. Denn die Statistik spricht dafür.
Drei Viertel der Teams, die seit 1990 mit drei Siegen in die Saison gestartet waren, schafften es in die K.-o.-Runde. „Wir glauben jeder an den anderen“, so Quarterback Stafford, „das macht sehr viel aus.“ Coach Schwartz bremst jedoch die Euphorie: „Unser wichtigster Sieg liegt immer noch vor uns.“ Gemeint ist wohl die Super Bowl, denn in dieser stand Detroit noch nie.
Buffalo wieder im Rampenlicht
Groß ist das Selbstvertrauen auch am anderen Ufer des Eriesees. Die Buffalo Bills beendeten am dritten Spieltag mit einem 34:31 eine Niederlagenserie von 15 Spielen gegen New England. Ähnlich wie Detroit gegen Minnesota drehte auch Buffalo die Partie nach zwischenzeitlich 21 Punkten Rückstand - ein Coup, der dem Team von Coach Chan Gailey auch im Spiel zuvor gegen die Oakland Raiders gelungen war.

AP/Gary Wiepert
Die Patriots (r.) gingen erstmals seit langem wieder vor Buffalo in die Knie
Die Bills schafften es damit als erstes Team seit 1950, dem Beginn der NFL-Aufzeichnungen, in zwei Partien in Serie zumindest 18 Punkte aufzuholen und zu gewinnen. Buffalo schaffte damit einen großen Schritt weg vom „Loser-Team“, die Bills verloren als einziges NFL-Team in ihrer Geschichte vier Super-Bowl-Spiele in Serie, hin zur Topschlagzeile in den Zeitungen. „Es ist cool und gut für die Stadt, mehr Aufmerksamkeit zu haben“, meinte Quarterback Fitzpatrick, der einst an der renommierten Havard-Universität studierte.
Das gesteigerte Medieninteresse kommentierte der Spielmacher mit einem Augenzwinkern: „Ich habe eigentlich gut damit leben können, dass ich früher nur mit drei Reportern reden musste. Aber jetzt ist es auch gut, denn das bedeutet, wir gewinnen.“ Und Fitzpatrick und die Bills haben vom Medienrummel noch nicht genug. Denn mit einem Sieg am Sonntag gegen die Cincinnati Bengals hätte Buffalo genauso viele Siege wie vergangene Saison - nach 16 Spielen.
Karl Huber, ORF.at
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