Themenüberblick

„Ich übergebe nur ein ordentliches Haus“

Seit 1990 ist Peter Schröcksnadel Präsident des österreichischen Skiverbands (ÖSV). Das Ende der Amtszeit des seit 30. Juli 70-jährigen Tirolers ist nicht absehbar - von Amtsmüdigkeit keine Spur. Im Interview mit ORF.at blickt er zurück und erklärt, woraus er seine Kraft schöpft und warum er vor, aber nicht nach Olympia in Turin zurücktreten wollte.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

ORF.at: Herr Schröcksnadel, zu Ihrem 70er waren Sie in Kanada - wie haben Sie ihn gefeiert?

Peter Schröcksnadel: Ruhig, nur mit ein paar Freunden. Große Feste zu meinem Geburtstag geben mir nichts, doch nehme ich mir Zeit für mich und mein Hobby, das Fliegenfischen.

ORF.at: Kanada ist so etwas wie Ihre zweite Heimat geworden.

Schröcksnadel: Ich habe viele gute Freunde dort und kann eine unberührte Natur genießen. Dort zu fischen, ist mehr als reine Jagd nach Trophäen. Oft stehe ich eine Woche am Fluss und fange vielleicht zwei Fische, aber ich bin dabei immer hoch konzentriert und ständig in Bereitschaft. Das ist Entspannung pur, und Zeit hat auf einmal eine völlig andere Dimension. Du bist immer konzentriert und doch völlig bei dir.

ORF.at: In Österreich wurden Sie für Ihre Verdienste mit dem Großen Ehrenzeichen der Republik belohnt. Was bedeutet das für Sie?

Schröcksnadel: Es ist eine große Freude, wenn man von vielen erfolgreichen Menschen Anerkennung erfährt. Natürlich ist mir völlig bewusst, dass es dabei nicht nur um meine Leistungen geht, sondern um die Erfolge des Österreichischen Skiverbandes, und hinter denen steht ein gesamtes Team. Da sind Mitarbeiter und Wegbegleiter, wie Klaus Leistner oder Hans Pum und viele mehr, die einen großen Anteil an diesen Erfolgen haben. Ich bin nur der, der vorangeht und den Kurs vorgibt.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und Sport- und Verteidigungsminister Norbert Darabos

GEPA/Mario Kneisl

Schröcksnadel beim Empfang des Großen Ehrenzeichens

ORF.at: Wie definieren Sie sich in Ihrer Rolle als ÖSV-Präsident?

Schröcksnadel: Mein Job ist es, die Rahmenbedingungen für unsere Athleten zu stellen. Die richtigen Betreuer und den gesamten Mitarbeiterstab zu stellen, damit unsere Athleten optimale Bedingungen haben. Gewinnen müssen sie selbst.

ORF.at: In bisher 21 Jahren Dienstzeit gab es viele Erfolge. Welcher war Ihr schönster?

Schröcksnadel: Das waren so viele. Als wir bei den alpinen Herren das erste Mal seit Karl Schranz wieder den Gesamtweltcup gewonnen haben oder die vielen Comebacks. Die überragenden Leistungen der Skispringer. Die 21 Medaillen in Turin, da wäre vieles zu erwähnen.

ORF.at: Als ÖSV-Präsident stehen Sie allen Wintersportarten vor, was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Schröcksnadel: Ich bin ein Alpiner, das ist kein Geheimnis. Wer jedoch einen unserer Skispringer, Snowboarder, Kombinierer oder wen auch immer fragt, wird hören, dass ich mich für alle Sparten einsetze und für alle Athleten da bin. Der ÖSV ist eine große Familie, und wir halten alle zusammen und ziehen an einem Strang.

ORF.at: „Austria is a too small country to make good doping.“ Wie denken Sie über Ihre Aussage in Turin heute?

Schröcksnadel: Sie wurde sicher missinterpretiert. Ich stehe nach wie vor dazu: Ja, es gab schwarze Schafe in Österreich, die sich mit unerlaubten Mitteln einen Vorteil verschaffen wollten. Das haben wir im Skiverband sofort lückenlos aufgeklärt. Professionelles, organisiertes Doping, wie es in anderen Ländern in staatlichen Stellen durchgeführt wurde, hat es bei uns jedoch nie gegeben.

ORF.at: Hatten Sie jemals Rücktrittsgedanken?

Schröcksnadel: Ja, vor den Olympischen Winterspielen in Turin habe ich daran gedacht, ob ich mein Amt nachher nicht zur Verfügung stelle. Doch ich übergebe nur ein ordentliches Haus, und nach Turin war es wichtig, dass jemand da war und sich vor die Athleten gestellt hat und sie vor Pauschalurteilen beschützt hat. Denn wie kommen die 99 Prozent Ehrlichen dazu, wegen einzelner in Verruf zu geraten.

ORF.at: Werden Sie nicht langsam amtsmüde?

Schröcksnadel: Keinesfalls, wir haben noch viel vor. Das größte Projekt ist natürlich die Weltmeisterschaft. In Schladming wollen wir in zwei Jahren eine neue Dimension eröffnen.

ORF.at: Woraus schöpfen Sie Kraft für die kommenden Aufgaben?

Schröcksnadel: Die Athleten geben mir die Kraft. Es ist mein größtes Glück, zu ihren Erfolgen etwas beitragen zu können. Und so lange ich gesund bin, werde ich aktiv bleiben und ihnen weiterhelfen.

Das Gespräch führte Michael Fruhmann, ORF.at

Link: