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ÖFB-Teamchef Koller sorgt für Staunen

Laut übereinstimmenden Medienberichten soll Marcel Koller neuer ÖFB-Teamchef werden und damit die Nachfolge von Dietmar Constantini antreten, der nach verpatzter EM-Quali wie erwartet seinen Hut nehmen musste. Die endgültige Entscheidung pro Koller muss am Dienstagvormittag vom sechsköpfigen Direktorium des ÖFB getroffen werden.

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Bei einem Pressetermin in Oberwart soll der 50-jährige Schweizer um 13.00 Uhr (live in ORF Sport Plus und im Livestream) von ÖFB-Präsident Leo Windtner offiziell vorgestellt werden. Kollers Bestellung wäre insofern überraschend, als Windtner Gespräche mit mehreren Kandidaten geführt hatte, darunter Franco Foda, Andreas Herzog, Christoph Daum, Lars Lagerbäck und Paul Gludovatz. Den Kontakt zu Koller bestätigte Windtner erst am Montag.

Marcel Koller als schweizer Nationalspieler

Reuters/Remy Steinegger

55 Einsätze im Schweizer Nationalteam

Gemischte Gefühle

Mit Koller hätte tatsächlich niemand gerechnet. Manche Beobachter hätten eine österreichische Lösung bevorzugt, andere einen spektakulären Namen aus dem Ausland. „Was kann Koller besser als ein Foda oder die österreichischen Kandidaten?“, fragte etwa die „Kronen Zeitung“ (Dienstag-Ausgabe), „Herzog, Kurt Jara oder Gludovatz müssten sich etwas gefrozzelt vorkommen“. Frenkie Schinkels sagte in „Österreich“: „Ich hätte mir einen Teamchef gewünscht, der mehr Ansehen genießt.“

Tatsächlich dürfte Koller, der als ruhiger, kühler Taktiker beschrieben wird und als profunder Kenner der Szene gilt, ins Anforderungsprofil von ÖFB-Sportdirektor und -Interimsteamchef Willibald Ruttensteiner passen. Ruttensteiner selbst wolle in Zukunft mehr Einfluss auf die Arbeit des Teamchefs nehmen und die Linie mehr als in der Vergangenheit vorgeben, ohne in die tägliche Arbeit des Teamchefs eingreifen zu wollen. Ziel sei eine effektivere Zusammenarbeit.

Trotz guter Arbeit entlassen

Als Trainer blickt der 55-fache Schweizer Nationalspieler auf einige Erfahrung zurück. Seine letzte Tätigkeit endete aber schon 2009. Damals wurde er beim VfL Bochum, wo er ÖFB-Verteidiger Christian Fuchs kennenlernte, trotz guter Arbeit entlassen, fünf Jahre davor vom 1. FC Köln nach dem Abstieg in die zweite Liga beurlaubt. Fuchs spricht noch immer in den besten Tönen über Koller, der in Deutschland als Entdecker von Lukas Podolski gilt.

Den Anfang seiner Trainerkarriere machte Koller 1997 beim FC Wil in der Schweiz, um im Jänner 1999 zum FC St. Gallen zu wechseln, wo er in der Saison 1999/2000 Meister wurde - wofür er zum Schweizer Trainer des Jahres bestellt wurde. Im Jänner 2002 wechselte er zu Grasshoppers Zürich und holte eineinhalb Jahre später neuerlich den Titel in der obersten Schweizer Spielklasse. Österreich wäre Kollers sechste Trainerstation.

Eine billige Lösung?

Der ÖFB dürfte in Koller seinen Wunschpartner gefunden haben - kein Showman, dafür ein akribischer Arbeiter, der seinem neuen Arbeitgeber zu Dank verpflichtet ist, immerhin war der Schweizer seit zwei Jahren arbeitslos. Auch dürfte er ins Verbandsbudget passen. Als Zielvorgabe wird Koller die Qualifikation für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien mit auf die Reise nehmen. Dass er schon zu den finalen EM-Qualipartien nach Aserbaidschan und Kasachstan mitreist, ist unwahrscheinlich - eher dürfte er sein Debüt am 15. November beim Länderspiel in der Ukraine geben.

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