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„Bosman-Urteil für Fernsehrechte“

Eine englische Pub-Besitzerin hat den Milliardenmarkt der TV-Sportrechte kräftig durcheinandergewirbelt. Karen Murphy vom Red White & Blue in Portsmouth siegte in ihrem spektakulären Streit mit der reichen Premier League.

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Ein „Bosman-Urteil für Fernsehrechte“ nennen englische Kommentatoren das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom Dienstag, doch ganz so gravierend ist „Murphy’s Law“ nicht. Trotzdem sanken die Aktienkurse von Sky in Deutschland und dem englischen Anbieter BSkyB unmittelbar nach dem Richterspruch.

1995 hatte der EuGH ein Urteil gefällt, nach dem Fußball-Profis in der Europäischen Union nach Ende des Vertrages ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln dürfen. Außerdem wurden die im europäischen Sport bestehenden Ausländerregelungen gekippt. Auslöser für die Entscheidung war der belgische Fußballer Jean-Marc Bosman gewesen.

Pub-Besitzerin als mutige Vorkämpferin

Mit seiner Entscheidung vom Dienstag gab der EuGH der mutigen Pub-Besitzerin recht. Murphy hatte in ihrem Lokal Spiele der Premier League gezeigt, dafür aber keine Decoderkarte des britischen Bezahlsenders BSkyB verwendet, sondern eine günstigere aus Griechenland. Sie sparte damit nach eigenen Angaben rund 6.400 Pfund (7.500 Euro) im Jahr, zog sich aber den Ärger der Premier League und des TV-Senders zu.

Pubbesitzerin Karen Murphy

Reuters/Kieran Doherty

Karen Murphy hat Grund zum Feiern

Murphy wurde von der Football Association Premier League (FAPL) geklagt, die die Rechte zur Ausstrahlung der englischen Topliga vermarktet. Nun hat sie den Rechtsstreit gewonnen. „Ich habe es gerne getan“, sagt sie über ihren Feldzug gegen die Macht von Medienkonzernen und Fußball-Verbänden. Stressig sei es gewesen, die letzte Nacht habe sie nicht viel geschlafen. Aber die Sache sei es ihr wert gewesen: „Es ist kein freier Zugang zum Markt.“ Das Urteil auf europäischer Ebene muss noch von einem britischen Gericht bestätigt werden, das gilt allerdings als höchstwahrscheinlich.

Premier League drohen große Einbußen

Die Premier League, die nach dem jetzigen Urteil mit Einbußen von mehreren hundert Millionen Euro pro Saison rechnen muss, reagierte allerdings zurückhaltend. Die Verantwortlichen der Liga wollen sich Zeit lassen und die ganze Aussage des Urteils und „dessen möglichen Einfluss auf den künftigen Verkauf von Fernsehrechten in der Europäischen Wirtschaftsunion“ prüfen.

Medienexperten in Großbritannien befürchten nach dem Urteil Qualitätseinbußen im englischen Fußball. Der Eliteliga mit Vereinen wie Manchester United, Chelsea und Arsenal könnte durch geringere TV-Einnahmen ein Finanzproblem entstehen. Der Medienexperte Tom Cannon von der Universität Liverpool glaubt, dass die Ligen in Deutschland, Spanien und Italien von der Entscheidung profitieren können. „Spieler sind heute mobil“, sagte Cannon der BBC.

Ende für Rekordablösesummen?

Die Fernseheinnahmen sind die Haupteinnahmequelle für die Vereine der Premier League, die oft extrem hohe Ablösesummen und Spielergehälter bezahlen. Wenn die Bezahlsender nicht mehr bereit sind, so viel wie bisher für die Übertragungsrechte hinzulegen, könnte sich das auch auf die Finanzkraft der Vereine auswirken.

Der britische Medienanwalt Daniel Geey glaubt, dass die Premier League ihren TV-Rechteverkauf nun neu regeln wird: „Viel wird auf die Verhandlungen mit den Fernsehsendern ankommen und auf deren Bereitschaft, weiter die hohen Summen zu zahlen.“ Sky zahlt bis 2013 nach Medienberichten umgerechnet 1,47 Milliarden Euro für die Übertragungsrechte. Geey vermutet, dass Notfallpläne schon in den Schubladen liegen. Möglich erscheint auch eine paneuropäische Lösung, bei der die Sender international zusammenarbeiten.

„Epochale Revolution“

Sicher ist, dass durch „Murphy’s Law“ viele der derzeitigen TV-Verträge in Teilbereichen ungültig sind und die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten im Sport geändert werden muss. Das betrifft die europäischen Fußball-Ligen ebenso wie die großen Sportverbände. Die Onlineausgabe der italienischen Tageszeitung „La Gazzetta dello Sport“ schrieb von einer „epochalen Revolution“.

Der deutsche Sportmarketing-Experte Hartmut Zastrow warnte: „Die FIFA, UEFA und Champions League müssen sich warm anziehen. Nur die ganz großen Networks werden in Zukunft in der Lage sein, die Rechte zu kaufen.“ Momentan werden Rechte in jedem Land einzeln verkauft, demnächst dürfte das europaweit erfolgen.

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