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„Finale“ der EM-Reise

Am Dienstag steigt für das ÖFB-Team in Kasachstan das letzte Spiel in der EM-Qualifikation. Auch wenn sportlich alles entschieden ist, war die Reise nach Astana für Marc Janko und Co. durchaus eine Reise wert. Denn bei ihrer Ankunft wurden die Spieler von einer Skyline überrascht, die an die künstlichen Welten in den Emiraten erinnert. Das Ganze allerdings bei Temperaturen knapp unter zehn Grad.

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Nach dem Unabhängigkeitwerden von der Sowjetunion am 16. Dezember 1991 flossen rund 100 Milliarden Dollar (74,4 Mrd. Euro) an ausländischen Direktinvestitionen nach Kasachstan. Die wichtigsten Investoren waren die USA, die Niederlande, England, Frankreich und Italien. Die Wirtschaftsstruktur des Landes erlebte seither eine gewaltige Transformation: Während 1990 noch ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung aus der Landwirtschaft stammte, waren es 15 Jahre später nur noch sechs Prozent.

Der Industrie- und der Dienstleistungssektor legten entsprechend zu. Öl und Gas sind mit einem Anteil von rund 70 Prozent an allen Ausfuhren auch die wichtigsten Exportgüter des Landes. Darüber hinaus werden auch Metalle, Lebensmittel und Chemikalien ausgeführt. Hauptabnehmer sind Italien, die Schweiz, China, Russland, Frankreich und Deutschland.

Skyline von Astana

Reuters/Pavel Mikheev

Bisher wurden knapp zehn Mrd. Dollar in das gigantische Stadtprojekt investiert

Zweitkälteste Hauptstadt der Welt

Bestes Beispiel für den Wandel ist Astana, seit 1997 Hauptstadt von Kasachstan und mit bis zu 40 Minusgraden im Winter angeblich zweitkälteste Hauptstadt der Welt nach Ulan-Bator (Mongolei). Die Regierungsgebäude, Bankfilialen und Einkaufstempel in den am Reißbrett entworfenen Straßen zeugen von der Vision des autoritär regierenden Präsidenten Nursultan Nasarbajew, der die Stadt 1997 von Aqmola („Weißes Grab“) in Astana („Hauptstadt“) umtaufte.

Die Einwohnerzahl wuchs seither um 50 Prozent auf fast eine Million, 2030 soll das gigantische Stadtprojekt, für das bisher über zehn Mrd. Dollar (7,44 Mrd. Euro) investiert wurden, abgeschlossen sein. Und auch dank der 2009 eröffneten und mit einem ausfahrbaren Dach ausgestatteten Astana Arena, in der am Dienstag (18.00 Uhr, live in ORF eins) auch das ÖFB-Team aufläuft, wird Astana bereits als „Dubai der kasachischen Steppe“ bezeichnet.

Riese als Fußball-Zwerg

Sportlich kann Österreichs letzter Gegner in der EM-Qualifkation allerdings nicht Schritt mit der rasanten Entwicklung seines Landes halten. Kasachstan, 33-mal größer als Österreich und mit doppelt so vielen Einwohnern, ist lediglich ein Riese, was die Flächenausmaße der ehemaligen Sowjetrepublik betrifft - im Fußball zählt der zentralasiatische Staat derzeit zu den Zwergen.

Manuel Ortlechner, Zlatko Junuzovic, Sebastian Proedl, Christian Fuchs und Florian Klein

GEPA/Christian Ort

Für das ÖFB-Team ist der Weg zur EM in der Astana Arena zu Ende

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs war Kasachstan ab 1992 Mitglied des asiatischen Kontinentalverbandes, schaffte in dieser Zeit aber weder die Qualifikation für eine WM noch für die Asien-Meisterschaft. 2002 wechselte das neuntgrößte Land und gleichzeitig größte Binnenland der Welt, von dessen Fläche nur rund 5,4 Prozent westlich des Urals und damit in Europa liegen, zur UEFA.

Größter Erfolg gegen Serbien

In der Qualifikation für die WM 2006 reichte es für Kasachstan gerade einmal zu einem Punkt (0:0 in Georgien), in der Qualifikation für die Euro 2008 erwies sich Österreichs Gegner jedoch als Favoritenschreck. Gegen Serbien gab es einen 2:1-Heimsieg, außerdem wurden je zwei Unentschieden gegen Belgien und Aserbaidschan, zwei weitere ÖFB-Kontrahenten in Gruppe A, ergattert.

In der Qualifikation für die WM 2010 lief es für Kasachstan, dessen Bevölkerungsdichte von 6,01 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den niedrigsten der Welt zählt, weniger nach Wunsch. Acht Niederlagen standen zwei Siege gegen Andorra gegenüber. Eine Niederlage gegen Kroatien kassierten die Kasachen allerdings erst durch einen Treffer in der Nachspielzeit.

In der laufenden EM-Quali schauten für die aktuelle Nummer 132 der Welt dank eines 2:1-Heimsieges im Juni über Aserbaidschan gerade einmal drei Punkte heraus, die restlichen acht Partien wurden verloren.

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