Hoffnung auf neuen Schwung
Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine ist Geschichte. Österreichs Nationalteam ist wieder einmal nur Zuschauer bei einem großen Turnier. Auch der angestrebte Sieg zum Abschluss blieb mit dem 0:0 gegen Kasachstan am Dienstag versagt. Auf den neuen Teamchef Marcel Koller wartet viel Arbeit. Denn die Qualifikationsbilanz fällt eindeutig negativ aus.
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Nicht nur aufgrund der nackten Zahlen waren die zehn Spiele, acht unter Teamchef Dietmar Constantini, zwei unter Interimscoach Willi Ruttensteiner, kein Gewinn. Nur dreimal (Kasachstan und zweimal Aserbaidschan) ging Österreich als Sieger vom Platz, dreimal schaffte man immerhin ein Remis, aber viermal ging man als Verlierer vom Platz. Vom angestrebten zweiten Rang in der Qualifikationsgruppe A musste man sich bereits früh verabschieden. „Wir waren nicht gut genug“, lautete daher auch das Resümee von Routinier Paul Scharner.
Aufsteiger Alaba
Immerhin wuchsen in der abgelaufenen EM-Quali einige junge Spieler zu Stammkräften, die vom Potenzial her eine erfolgreichere Zukunft für das Nationalteam versprechen. So etablierte sich etwa Aleksandar Dragovic als gute Alternative in der Abwehr, Daniel Royer ließ in Ansätzen im Mittelfeld sein Talent aufblitzen. Der Aufsteiger der Qualifikation heißt jedoch David Alaba. Der 19-jährige Legionär bei Bayern München mauserte sich nicht nur zum Stammspieler, sondern auch zum Antreiber der Mannschaft.

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David Alaba geht als Sieger aus der verpatzten EM-Quali hervor
Vorbildlicher Einsatz, technische Raffinesse und unbedingter Siegeswille zeichneten den Youngster aus. Pech, dass Alaba in seinen Bemühungen oft allein auf weiter Flur stand. Einen Sprung ins Rampenlicht schaffte auch Martin Harnik, der bei den meisten gefährlichen Angriffen der Österreicher seine Beine im Spiel hatte. Der Stuttgart-Legionär muss sich nur einen Vorwurf gefallen lassen: In der Verwertung seiner Chancen war Harnik weit weg von Effizienz.
Abschlussschwäche und Abwehrfehler
Die Chancenverwertung war auch das größte Manko des ÖFB-Teams in der abgelaufenen Qualifikation. Egal ob Harnik, Marc Janko oder Marko Arnautovic - die Österreicher bekamen vor dem gegnerischen Tor meist das große Zittern im Fuß. Ein Umstand, der dem ÖFB-Team etwa im Heimspiel gegen Deutschland (1:2) trotz guter Leistung zum Verhängnis wurde. Mitschuld war die fehlende Präzision beim entscheidenden Pass. „Der letzte Pass war oft zu schlampig“, so Kapitän Janko etwa nach dem 0:0 gegen Kasachstan.
Eine Aussage, die sich auch auf die gesamte Qualifikation übertragen lässt. Die fehlende Konsequenz im Abschluss wurde durch teils haarsträubende Abwehrschnitzer noch verstärkt. Die österreichische Defensive ließ sich im entscheidenden Moment nur allzu gerne billig ausspielen. Beispiel: das 1:0 der Türkei in Istanbul, als ein Einwurf die gesamte Abwehr mit einem Schlag öffnete und für Konfusion sorgte.
Fehlende Konstanz
Offensichtlich wurde in den zehn Qualifikationsspielen auch die fehlende Konstanz in den Leistungen der Mannschaft. Gute und schlechte Leistungen wechselten sich wie Mondphasen ab. Besonders bitter: Spielte man wie gegen Deutschland zu Hause gut, wurde man nicht belohnt, spielte man wie etwa zu Hause gegen Belgien schlecht, wurde man sofort bestraft. Ein roter Faden, den es unter Neo-Teamchef Koller zu durchschneiden gilt. „Das Potenzial in der Mannschaft ist da. Jetzt gilt es, Stabilität reinzubringen“, sagt auch ÖFB-Boss Leo Windtner.
Einzige Konstante in der Qualifikation waren Aufreger abseits des Spielfeldes. „Skandalnudel“ Arnautovic und Handgreiflichkeiten in der Kabine, bis hin zu „Trottel-Sagern“ bei vom Teamchef abgebrochenen Pressekonferenzen, dazu die ewige Causa „Constantini gegen Andreas Ivanschitz“ schadeten dem Klima innerhalb und außerhalb der Mannschaft. Zumindest die Stimmung wurde nach der Ablöse von Constantini laut Spieleraussagen besser. Auch Taktik wurde wieder richtig bewertet.

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Auch Janko konnte die Torausbeute der Österreicher nicht entscheidend heben
Keine Ausreden mehr
Trotz klar verpassten EM-Turniers 2012 übten sich Spieler und Trainer unmittelbar nach dem enttäuschenden 0:0 in Kasachstan wieder in Zweckoptimismus. „Wir haben neue Schritte in die richtige Richtung gesetzt“, sagte etwa Christian Fuchs und setzt dabei auf den frischen Wind von Koller. „Wir haben in der EM-Qualifikation die Erkenntnis gewonnen, dass es so, wie es war, nicht funktioniert“, schickte der mehrmalige Kapitän auch Kritik in Richtung Tirol: „Es ist nicht schlecht, wenn ein Trainer von außen kommt.“
Im Hinblick auf die WM-Qualifikation, in der mit Deutschland, Schweden, Irland, Kasachstan und den Färöern in Gruppe C äußerst unangenehme Gegner warten, ist eine deutliche Steigerung notwendig. „Da müssen wir einen Schritt nachlegen“, so Janko. Schonfrist gibt es keine mehr: „Ich sage sicher nicht, dass wir noch Zeit brauchen. In der nächsten Quali geht’s los, da ist jeder gefragt.“
Karl Huber, ORF.at
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