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Start bei den Paralympics 2014 in Sotschi

Matthias Lanzinger kehrt in den Skirennsport zurück. Rund dreieinhalb Jahre nach seinem furchtbaren Sturz im Super-G von Kvitfjell gab Lanzinger seine Entscheidung am Mittwoch in Anwesenheit von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel in Wien bekannt. Als Ziel nannte der Salzburger die Paralympics 2014 in Sotschi.

Lanzinger wurde nach dem schweren Unfall am 2. März 2008 beim Super-G in Kvitfjell der linke Unterschenkel amputiert. Er wird bereits in dieser Saison mit dem Behindertensport beginnen. Nach ersten Hallenrennen Mitte November in Landgraaf in den Niederlanden stehen Anfang Dezember in Österreich die ersten Europacup-Rennen auf dem Programm.

Matthias Lanzinger mit Skischuh-Prothese

APA/Andreas Pessenlehner

Lanzingers neues Rennmaterial

„Werde hart arbeiten müssen“

„Es war mein Herzenswunsch, wieder als Rennfahrer an den Start zu gehen“, betonte Lanzinger. „Nachdem ich meine berufliche Karriere absichern konnte, habe ich wieder auf mein Herz gehört.“ Erst nach reiflicher Überlegung habe sich der Salzburger, der im Herbst 2008 ein Wirtschaftsstudium begonnen und nebenher als Marketingmitarbeiter einer Skifirma gearbeitet hatte, zum Wiedereinstieg in den Rennsport entschlossen.

„Ich habe mir für den Schritt viel Zeit genommen. Es wird sehr, sehr schwer, ich fange bei null an. Der Behindertensport ist längst zu einem Leistungssport geworden. Ich werde hart arbeiten müssen, damit ich meinen Rückstand aufholen kann“, sagte der Salzburger. Auch ÖSV-Behindertensportreferent Michael Knaus pflichtete Lanzinger bei: „Das wird eine Riesenherausforderung für ihn.“

Zu Jahresbeginn habe er den Entschluss gefasst, zu probieren, ob er wieder Leistungssport betreiben könne. Das Konditionstraining und zuletzt auch die ersten Materialtests am Gletscher hätten gut funktioniert. Nun stehe er vor einem Comeback, das aber kein leichtes wird, bekräftigte Lanzinger.

„Er ist ein Vorbild für uns alle“

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel gratulierte dem 30-Jährigen zu seiner Entscheidung. „Das freut uns sehr. Lanzinger ist einer, der etwas vorgezeigt hat, das nur ganz wenige können: Er hat gezeigt, wie man mit einem großen Rückschlag umgehen kann und zurück ins Leben findet. Das sollte uns allen ein Vorbild sein“, erklärte Schröcksnadel.

Auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum freute sich über die Rückkehr des Salzburgers. „Das ist eine Riesenchance für alle Beteiligten. Das hat es noch nie gegeben, dass ein Weltklassesportler nach einem schweren Unfall im Behindertensport zurückkehrt.“

Suche nach dem alten Schwung

Die vergangenen Monate standen bei Lanzinger ganz im Zeichen der Materialabstimmung. Nebenbei standen bis zu acht Trainingseinheiten auf dem Programm. Die Einstellung seiner Unterschenkelprothese samt Skischuh verglich Lanzinger mit dem Reifen eines Formel-1-Boliden. „Ich muss meinen alten Schwung wiederfinden, die ersten Fahrten waren jedenfalls sehr aufregend“, erzählte er.

Früher als ursprünglich geplant komme der erste Renneinsatz in den Niederlanden, weil er sich einen Startplatz für die ersten Europacup-Rennen Anfang Dezember in Österreich sichern muss. Erst danach kann er in die in dieser Saison beginnende Paralympics-Qualifikation einsteigen. „Meine Vision, bei einer WM oder Olympia eine Medaille zu holen, ist am 2. März 2008 unterbrochen worden. Nun ist mein Ziel der Start bei den Paralympischen Spielen in Sotschi“, bekräftigte Lanzinger.

Schadenersatz zugesprochen

Vor rund einem Jahr war Lanzinger für die nach dem Sturz notwendig gewordene Beinamputation von der zuständigen Gesundheitsbehörde in Norwegen das Recht auf Schadenersatz zugesprochen worden. Die staatliche Norwegische Patientenschadenskasse stellte „Versäumnisse bei der Erbringung einer Hilfeleistung“ nach dem Unfall fest.

Der norwegische Rechtsanwalt Lanzingers, Christian Lundin, sagte, dass die Klärung der Frage, ob er eine fachgerechte und ausreichende Versorgung nach dem Unfall in Norwegen erhalten habe, für seinen Mandanten „wichtig“ gewesen sei. Lanzinger habe „die ganze Zeit“ die Meinung vertreten, dass das nicht der Fall war.

Österreichische Ärzte hatten die Vorgangsweise der norwegischen Retter nach dem Unfall kritisiert. Lanzinger war zuerst mit dem Ackja ins Tal gebracht worden. Anschließend wurde der Schwerverletzte mit einem Hubschrauber zuerst ins Spital nach Lillehammer und dann erst ins Universitätskrankenhaus Ulleval in Oslo geflogen worden. Dabei ging jene Zeit verloren, die zwei Tage nach dem Sturz die Amputation von Lanzingers linkem Unterschenkel notwendig machte.

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