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Politiker ist Spieler des Jahres
Borissow distanzierte bei der in der Nacht zum Montag zu Ende gegangenen Wahl den Zweitplatzierten, Dimitar Berbatow von Manchester United (24 Prozent oder 1.955 Stimmen), deutlich. Auch der Dritte bei der Fanabstimmung kommt aus der Amateurliga - Wassil Lukajew von Schipka (aus dem Dorf Dragor) bekam 430 Stimmen oder fünf Prozent. Das letzte Wort bei der Kür zum Fußballer des Jahres 2011 haben aber 200 Sportjournalisten.
Protest gegen Profis
Sie müssen sich nicht an das Ergebnis der Fanabstimmung halten. Laut bulgarischen Experten sei es aber schwierig, diese zu umgehen. Die Kommentatoren des privaten Radiosenders Darik erklärten die Ergebnisse als eine Art „Protestvotum“ der Anhänger gegen die schlechte Leistungen der Profispieler sowohl in der Nationalelf als auch in der ersten Liga. Außerdem sei man der Nominierungen von Berbatow überdrüssig.

Reuters/Eric Vidal
Premier Borissow war für die Fans der beste bulgarische Fußballer 2011
Der Stürmerstar, derzeit meist nur Reservist bei Manchester United, hat den Preis seit 2003 schon siebenmal gewonnen. Heuer gelten erstmals neue Regeln bei der Wahl des Fußballers des Jahres. Den Fans wurde die Möglichkeit eingeräumt, im Internet Namen vorzuschlagen und abzustimmen. Unter die ersten 20 kamen jeweils nur zwei Spieler der bulgarischen Großclubs Lewski Sofia und ZSKA Sofia und des aktuellen Meisters Litex Lowetsch.
Premier will Annullierung
Der von den Fans gewählte Politiker will den Titel jedoch nicht und fordert die Annullierung des Votums. „Diese Abstimmung bedeutet nicht, dass Borissow der beste Spieler ist“, erklärte der Premier am Montag in einem Schreiben. „Sie zeigt lediglich, dass im bulgarischen Fußball Reformen und eine neue Politik nötig sind.“ Die Nationalelf des Landes wurde zuletzt heftig von Fans und Medien kritisiert. Die Mannschaft war in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 unter Lothar Matthäus gescheitert.
„Ich schlage vor, dass die Organisatoren die Abstimmung annullieren oder dem besten Nachwuchsspieler den Titel geben“, erklärte Borissow. Der Premier, der in seiner Jugend Karateleistungssportler und danach auch Trainer gewesen ist, setzt sich tatsächlich für den Sport ein, geben Beobachter zu. Er unterstützte den Bau einer modernen Sporthalle in der Hauptstadt Sofia. Dort will er gemeinsam mit Fußball-Legende Hristo Stoitschkow auch ein neues Nationalstadion haben. Zuletzt setzte er sich dafür ein, einen Sponsor für seine Lieblingsmannschaft Lewski Sofia zu finden.
„Auf nur einem Fuß hinkend“
Borissows Vorliebe für Fußball brachte ihm aber auch einige Probleme. 2010 wurden Aufnahmen von Telefongesprächen publik, in denen er den Zollchef zur Wiedereinstellung eines entlassenen Freundes von ihm aufforderte, mit dem er zur Mittagszeit Fußball spielt. Im Mai 2009 kurz vor den Parlamentswahlen brach sich Borissow - damals noch Bürgermeister der Hauptstadt Sofia - bei einem Mittagsspielchen den Fuß. Nach dem Parlamentssieg erklärte er, dass er die Linken „auch auf nur einem Fuß hinkend“ geschlagen hat.