Themenüberblick

Luft für Villas-Boas wird dünner

Über dem Stadion an der Stamford Bridge sind dunkle Wolken aufgezogen. Das Starensemble ist mit 17 Punkten Rückstand bereits aus dem Rennen um den englischen Meistertitel. Die Kluft zwischen Trainer Andre Villas-Boas und seinen Spielern wird immer tiefer. Ein Schreiduell im Training offenbarte: Bei Chelsea liegen die Nerven blank.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Was als Aussprache nach dem desaströsen 0:2 am vergangenen Wochenende bei Everton geplant war, endete vor den Augen von Teambesitzer Roman Abramowitsch in einer gegenseitigen Abrechnung. Villas-Boas, der die Leistung in Liverpool als die schlechteste der bisherigen Saison bezeichnete, hielt den Spielern ihre leichtfertigen Fehler und ihren mangelnden Einsatz vor. Im Gegenzug hagelte es von den Akteuren Kritik an der Taktik des Portugiesen.

Chelsea-Trainer Andre Villas-Boas

APA/EPA/Kerim Okten

Villas-Boas zeigt die Richtung an, doch die Spieler folgen ihm nicht

Experiment gescheitert?

Schon zuvor hatte sich der 34-Jährige den Unmut der Spieler zugezogen, als er nach der Niederlage gegen Everton kurzfristig den geplanten freien Tag aus dem Programm strich und das Team zum Rapport auf das Trainingsgelände beorderte. Der Trainer hat laut englischen Medien nun den letzten Rückhalt innerhalb der Mannschaft verloren. Laut Boulevardblatt „Sun“ ist es den Spielern mittlerweile egal, ob Villas-Boas weiter im Amt bleibt oder nicht.

„Die Spieler haben lange zu ihm (Villas-Boas, Anm.) gehalten, weil sie wussten, dass seine Änderungen von oben angeordnet waren“, wird eine anonyme Quelle in der „Sun“ zitiert. Der Blick auf die Tabelle zeige nun, dass das Experiment mit dem früheren Protege von Ex-Chelsea-Coach Jose Mourinho gescheitert ist. „Die Stimmung in der Kabine ist sehr angespannt. Mehr und mehr Spieler fragen sich, ob er der richtige Mann für den Job ist“, so der anonyme Informant.

Champions League als letzte Hoffnung

Villas-Boas war nach dem Europa-League-Sieg mit dem FC Porto nach London gelotst worden. Insgesamt 33,4 Millionen Euro ließ sich Clubbesitzer Abramowitsch den Transfer und die Ablöse für Vorgänger Carlo Ancelotti kosten. Musste man in der Vorsaison unter Ancelotti nur Manchester United in der Tabelle den Vortritt lassen, erfolgte unter Villas-Boas der Absturz in die - für Chelsea-Verhältnisse - Bedeutungslosigkeit. Statt um den Titel kämpfen die „Blues“ gerade noch um einen Platz in der Qualifikation zur Champions League.

In der Königsklasse, neben dem FA-Cup die letzte Hoffnung auf einen Titel in dieser Saison, droht der nächste Tiefschlag für die mit russischen Millionen vollgepumpte Londoner Mannschaft. Im Viertelfinale muss Chelsea nächste Woche zum wiedererstarkten SSC Napoli. Eine weitere Niederlage könnte den Geduldsfaden von Abramowitsch bald reißen lassen. Noch hält der russische Mäzen an jenem Trainer fest, den er in Eigenregie an die Stamford Bridge gelotst hat.

Abramowitsch hält zu Trainer

Beim Schreiduell auf dem Trainingsplatz stärkte Abramowitsch noch demonstrativ seinem Coach den Rücken und kritisierte ebenfalls den Einsatz der Spieler. Der Wind könnte sich jedoch bald in die andere Richtung drehen. Denn Abramowitsch „verbrauchte“ in seinen achteinhalb Jahren als Besitzer des Clubs bisher fünf Trainer. Selbst so bekannte Namen wie Luis-Felipe Scolari, 2002 Weltmeistertrainer von Brasilien, oder eben Ancelotti wurden vom ungeduldigen Russen vorzeitig vor die Tür der Stamford Bridge gesetzt.

Links: