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„Paula, beeil dich“

Wie im Vorjahr ist Lauf-Superstar Haile Gebrselassie auch heuer wieder im Rahmen des Vienna City Marathons (VCM) durch die Straßen Wiens „geflogen“. Der 38-jährige Äthopier lief am Sonntag den Halbmarathon (21,1 km) in 60:52 Minuten und entschied auch das „OMV Champions Race“ gegen Paula Radcliffe klar für sich.

Gebrselassie und die britische Marathon-Weltrekordlerin lieferten einander ein bisher einzigartiges Verfolgungsrennen der besonderen Art. Der Äthiopier startete 7:52 Minuten nach der Britin, was dem Unterschied der persönlichen Bestzeiten entsprach, an der Reichsbrücke und machte von Anfang an Zeit gut. „Das war ein gutes Rennen, vielleicht etwas windig, aber die Atmosphäre in Wien ist immer fantastisch. Hier zu laufen ist wunderschön“, so Gebrselassie.

Die Sieger des Halbmarathons Haile Gebrselassie und Paula Radcliffe

APA/Herbert Neubauer

Im Ziel kümmerte sich Gebrselassie gleich um die erschöpfte Radcliffe

Das Duell mit Radcliffe hätte nach dem Geschmack Gebrselassies ruhig spannender verlaufen können, doch die Britin konnte nicht ihre Bestform abrufen. „Paula ist es nicht so gut gegangen, ich habe sie daher bald eingeholt. Beim Vorbeilaufen sagte ich noch zu ihr: ‚Paula, beeil dich‘.“

Radcliffe konnte „nicht alles geben“

Die 38-jährige Radcliffe, die sich mit dem Lauf in Wien auch auf ihr olympisches Heimspiel im Sommer in London einstimmte, lief in ihrem gewohnt gequält wirkenden Stil, nach 1:12:03 Stunden (11:11 Minuten langsamer als Gebrselassie) auf dem Heldenplatz ins Ziel.

Radcliffe verpasste damit ihre Bestzeit um rund fünf Minuten. „Ich fühlte mich bereits nach einigen Kilometern nicht gut“, meinte die Britin und entschuldigte sich: „Es tut mir leid, ich konnte heute nicht alles geben. Ich hatte in den letzten Wochen eine Bronchitis.“

„Überholmanöver“ bei Schönbrunn

Nach fünf Kilometern hatte der zweifache 10.000-m-Olympiasieger bereits rund 1:30 Minuten aufgeholt und wurde bei fast idealen Lauftemperaturen von rund elf Grad permanent schneller. Bereits nach einem Kilometer konnten seine österreichischen Pacemaker sein Tempo nicht mehr mitlaufen und mussten abreißen lassen. Der Äthiopier lief den vierten Kilometer in 2:48 Minuten und holte bis zu 30 Sekunden pro Kilometer auf Radcliffe auf. Tausende Fans am Straßenrand feuerten beide Superstars begeistert an.

Bei Kilometer neun waren nur 3:42 Minuten zwischen den beiden Topstars, bei der Oper nur noch 2:30 Minuten. Gebrselassie war auf dem Weg zu seiner Vorjahreszeit von 60:18 Minuten. Auf der Wienzeile, kurz vor der U-Bahnstation Schönbrunn, kam es nach ca. 45 Minuten und 15 Kilometern zum „Überholmanöver“. Gebrselassie lud Radcliffe noch mit einer Handbewegung zum Mitlaufen ein, doch die Weltklasseläuferin konnte dem leichtfüßig dahin fliegenden Äthiopier nicht folgen.

Britin Paula Radcliffe läuft bei der Oper entlang

APA/Andreas Pessenlehner

Paula Radcliffe bot großen Laufsport, war aber am Ende chancenlos

„Die Leute sind nett und die Stadt ist schön“

Gebrselassie peilte in Wien eine Zeit um 61 Minuten an. Das gelang dem Äthiopier, der am 18. April seinen 39. Geburtstag feiert, in beeindruckender Weise. Kurz vor 10.00 Uhr rauschte er durch das Ziel, wenige Minuten nach ihm dann Radcliffe, die ihre angestrebte Zeit von 1:10 Stunden verpasste. Die Britin war im Ziel völlig ausgepumpt.

Nach einer kurzen Erholphase liefen Radcliffe und Gebrselassie noch nebeneinander über den Heldenplatz, um sich von den Fans zu verabschieden, während die Marathonläufer noch über die Hälfte der 42,195 km vor sich hatten. Radcliffe freute sich trotz ihrer verpassten Zeit und ihren Schwierigkeiten über den Olympiatest. „Die Leute waren sehr nett und die Stadt ist sehr schön, und es hat mir sehr gut gefallen, obwohl der Wettkampf nicht gut für mich verlaufen ist“, streute sie dem Wien-Marathon noch Rosen.

Die Halbmarathon-Bestmarke von Gebrselassie steht seit 2006 bei 58:55 Minuten, jene von Radcliffe seit 2001 bei 66:47. Die Weltrekorde halten Zersenay Tadese aus Eritrea mit 58:23 bzw. die Kenianerin Mary Jepkosgei Keitany mit 65:50.

VCM-Halbmarathon

Herren:
1. Haile Gebrselassie ETH 1:00:52
2. Philemon Rono KEN 1:05:48
3. Karl Aumayr AUT 1:07:42
4. Christian Steinhammer AUT 1:09:59
5. Wolfgang Wallner AUT 1:11:22
Damen:
1. Paula Radcliffe GBR 1:12:03
2. Valentine Kibet KEN 1:13:30
3. Lene Hjelmsö DEN 1:16:52
4. Roxana Duta ROU 1:18:14
5. Isabelle Heers AUT 1:19:00

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