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Auflösung immer wahrscheinlicher

Als hätten die Glasgow Rangers mit ihrer Insolvenz nicht schon genug Probleme, bringen drakonische Strafen der Scottish Football Association den Traditionsverein nun endgültig an den Rand des Ruins: Geldstrafen und ein zwölfmonatiges Transferembargo erschweren die Suche nach einem Käufer zusätzlich. Erbitterter Gegner der Rangers ist die Zeit.

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Bis zum Ende der Saison haben die „Gers“ noch Zeit, einen Investor zu finden. Die Saison endet aber bereits am 13. Mai. Es bleiben also nicht einmal drei Wochen, um der Liquidation zu entgehen - verglichen mit der 138-jährigen Geschichte des Vereins die Dauer eines Wimpernschlags. Vom bisherigen Eigentümer, Clubboss Craig Whyte, gibt es keine Unterstützung: Er wurde lebenslang für den schottischen Fußball gesperrt.

Fußball in Verruf gebracht

Auslöser für die Strafen war eine Serie von Regelverstößen in der Liga. Dem Club selbst werden fünf Verstöße angelastet, darunter auch, Fußball in Verruf gebracht zu haben und in unangebrachter Weise gegen die besten Interessen des Fußballs gehandelt zu haben. Gegen Eigentümer Whyte liegen zwei Rechtsverletzungen vor.

Die Rangers gehören zu den populärsten Clubs in Großbritannien. Im Schnitt verfolgen 45.000 Zuschauer die Spiele im heimischen Ibrox Stadium. Die Geschichtsbücher des Vereins sind voll mit Rekorden. Als einziger Club der Welt konnten die Rangers bisher mehr als 50 Meistertitel verbuchen, 33-mal gewannen sie den schottischen Cup, 27-mal den Ligapokal. Von 1989 bis 1997 hießt der schottische Meister neunmal in Folge Rangers FC. Auf europäischer Ebene war der Club 1972 im UEFA-Cup erfolgreich.

Als Konsequenz daraus müssen die ohnehin insolventen Rangers 160.000 Pfund (196.000 Euro) Strafe zahlen, Whyte wurde zu einer Geldstrafe von 200.000 Pfund (245.000 Euro) verdonnert. „Jeder von uns, der für den Club arbeitet, ist angesichts der Vorwürfe vollkommen schockiert und bestürzt über diese drakonischen Strafen, die über die Rangers verhängt wurden“, ärgerte sich Insolvenzverwalter Paul Clark. Viel härter trifft den Club das Verbot von Spielertransfers für zwölf Monate.

Ausgenommen davon sind lediglich unter 18-Jährige. „Für die Rangers untergräbt das Verbot, neue Spieler zu verpflichten, ernsthaft unsere Bemühungen, den Club nach der Insolvenz wieder auf die Beine zu stellen“, so Clark. Die Rangers wollen den Beschluss nicht akzeptieren und Einspruchsmöglichkeiten prüfen.

Käufersuche erschwert

Der Insolvenzverwalter macht sich nämlich zunehmend Sorgen, keinen Käufer mehr für den schottischen Rekordmeister zu finden: „Wir wissen auch nicht, wie potenzielle Käufer auf diese Sanktionen reagieren.“ Interessenten müssten sich wohl damit abfinden, nur eine „Jugendmannschaft“ von unter 18-Jährigen aufs Feld schicken zu können, denn die Topspieler dürfen den Club im Sommer verlassen. Darunter sind beispielsweise der Ex-Austrianer Sasa Papac und der schottische Teamstürmer Steven Naismith. Ex-Rapid-Stürmer Nikica Jelavic hatte schon Anfang des Jahres in Richtung Everton das Weite gesucht. Die Ausstiegsklausel war die Bedingung der Spieler für einen Gehaltsverzicht bis zu 75 Prozent als „Sanierungsmaßnahmen“.

Fans mit dem Banner "Our club will never die"

AP/Scott Heppell

Die Fans glauben noch an ein Weiterbestehen

„Das Transferembargo kommt der Zerstörung des Clubs nahe“, urteilte BBC-Analyst Roddy Forsyth. „Was soll das anderes bedeuten, als den Verein an den Rand des Abgrunds zu stürzen?“ Auch Vereinsboss Whyte, der vom Verband als „ungeeignete Führungskraft“ verurteilt wurde, zeigte sich erbost: „Wir sind Schottlands größter Club. Der Verband sollte uns helfen und nicht auf einen am Boden Liegenden treten.“

Insolvenzverfahren läuft

Die Glasgow Rangers hatten im Februar Insolvenz angemeldet, weil die britische Steuerbehörde Nachzahlungen in der Höhe von rund 59 Millionen Euro fordert. Daraufhin waren dem Club in der laufenden Meisterschaft zehn Punkte abgezogen worden. Die „Gers“ sind mit 66 Zählern dennoch sicherer Zweiter in der schottischen Liga, aber Erzrivale Celtic Glasgow durfte schon am 7. April vorzeitig den Meistertitel feiern.

Immerhin hatten die Rangers mit dem 3:2-Sieg im „Old Firm“ am 25. März den 43. Titelgewinn des Rivalen noch etwas hinauszögern können. Der Derbyerfolg könnte aber für lange Zeit das letzte Highlight in der 138-jährigen Clubgeschichte gewesen sein. Bei Celtic ist sich Vereinschef Peter Lawwell sicher: „Wir brauchen die Rangers nicht.“

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