„Der herausragende Kandidat“
Der englische Fußballverband FA hat Roy Hodgson zum Teamchef ernannt. Der 64-Jährige, bis Saisonende noch beim Premier-League-Club West Bromwich Albion unter Vertrag, werde für die kommenden vier Jahre für die „Three Lions“ verantwortlich sein, teilte die FA am Dienstag in London mit.
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Hodgson, der bereits die Nationalmannschaften der Schweiz, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Finnlands trainiert hatte, war der Einzige, mit dem die Verbandsverantwortlichen Verhandlungen aufgenommen hatten. Der von den Medien favorisierte Tottenham-Hotspur-Trainer Harry Redknapp war aus dem Rennen. Hodgson folgt auf den im Februar freiwillig zurückgetretenen Italiener Fabio Capello. Knapp sechs Wochen vor dem Auftakt zur EM-Endrunde, bei der die Engländer ab 11. Juni in der Gruppenphase in Donezk und Kiew auf Frankreich, Schweden und die Ukraine treffen, hat das „Mutterland des Fußballs“ damit die Teamchefsuche endlich beendet.
„Das ist der wichtigste Job im englischen Fußball. Ich fühle mich geehrt und hoffe, dass wir die Ergebnisse erzielen, die jeder in England erwartet und erhofft“, sagte Hodgson. „Er war der herausragende Kandidat, wir haben nur eine Kontaktaufnahme unternommen“, sagte der FA-Vorsitzende David Bernstein. „Roy ist ein Trainer mit großer internationaler Erfahrung. Er hat Erfahrung bei den wichtigen Turnieren.“

Reuters/Luke MacGregor
FA-Chef David Bernstein setzt auf die Erfahrung von Roy Hodgson
Erfahrung mit Nationalteams und Vereinen
Hodgsons Vorgänger Capello hatte seine Amtszeit nach einem Disput mit dem Verband über die Absetzung von Kapitän John Terry beendet. Als Favorit auf den Posten hatte zunächst nicht Hodgson, sondern Redknapp gegolten. Mit Hodgson hat sich die FA aber ebenfalls für einen erfahrenen Mann entschieden. Hodgson hat bereits als Teamchef in der Schweiz (1992 bis 1995), den Vereinigten Arabischen Emiraten (2002 bis 2004) und Finnland (2006 bis 2007) gearbeitet. Auf Clubebene war er in England, Schweden, Dänemark, Norwegen, Italien und der Schweiz tätig. Dabei holte er insgesamt acht Meistertitel.
Sein Debüt als Teamchef wird Hodgson am 26. Mai im Testspiel in Oslo gegen Norwegen geben. Eine Woche später steht dann noch ein Heimspiel in London gegen Belgien auf dem Programm, ehe er dann mit seinem 23-Mann-Kader das EM-Quartier in Krakau beziehen wird.
Schweiz zu WM und EM geführt
Hodgson begann seine Trainerkarriere in Schweden, England und der Schweiz, in der er 1992 das Teamchefamt übernahm. Mit Erfolg, denn Hodgson führte die Schweizer zur WM 1994 und damit zum ersten Großereignis seit der WM 1966. Mit ihm schafften die Schweizer auch die Quali für die EM 1996 in England, noch vor dem Turnier verabschiedete sich Hodgson aber Richtung Italien, wo er mit Inter Mailand 1997 das UEFA-Cup-Finale erreichte.
Die nächsten Stationen waren die Blackburn Rovers, neuerlich Inter und die Grasshoppers Zürich, ehe sechs Jahre bei diversen Clubs in Italien, Dänemark und Norwegen sowie als Teamchef in den VAE und Finnland folgten. Mit den Finnen verpasste Hodgson nur hauchdünn die Qualifikation für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz. Beinahe wäre der Engländer 2002 auch österreichischer Teamchef geworden, ehe sich der ÖFB nach einem Hearing für Hans Krankl und damit für eine heimische Lösung entschied.
2007 kehrte Hodgson nach England zu Fulham zurück. Zunächst rettete er die Londoner knapp vor dem Abstieg, ehe der steile Aufstieg bis ins Finale der Europa League 2010 führte. Dafür wurde Hodgson zu Englands Manager des Jahres gekürt. Die folgende Zeit bei Liverpool war deutlich weniger erfolgreich, Hodgson wurde bereits im Jänner 2011 gefeuert. Seit Februar 2011 betreut Hodgson West Bromwich, bei dem auch der Österreicher Paul Scharner unter Vertrag steht.
Große Skepsis in England
Die Verpflichtung Hodgsons, die sich seit Sonntag abgezeichnet hatte, löste in England große Skepsis aus, war doch Redknapp der Wunschkandidat der Öffentlichkeit und Spieler. „Das große Glücksspiel mit Hodgson“, titelte die „Times“. Von einer „schockierenden Wahl“ schrieb der „Guardian“. Der „Daily Mirror“ nannte Hodgson „Jasager im Blazer“. „England erwartet nicht viel, Roy, das sollte dir helfen“, sagte Ex-Torjäger Alan Shearer.
Doch Hodgson passte offenbar besser ins Anforderungsprofil der nach der Rassismusaffäre um Terry auf ihr Image bedachten FA. In seinem Steuerprozess, in dem er im Februar freigesprochen wurde, sorgte Redknapp für peinliche Schlagzeilen: Er benannte ein Konto in Monaco nach Hund „Rosie“ und gab zu, „wie ein Zweijähriger“ zu schreiben. Redknapp gilt auch als Querkopf - Hodgson als „sichere“ Variante. Animositäten gegen Redknapp im für die Trainerwahl verantwortlichen Gremium sollen auch eine Rolle gespielt haben. Zudem hätte dieser laut „Times“ aus seinem Vertrag für zehn Millionen Pfund (knapp 12 Mio. Euro) herausgekauft werden müssen - Hodgson ist ablösefrei. Tottenham ließ jedoch wissen, man sei vom Verband nie wegen einer möglichen Ablöse kontaktiert worden.
Mit ihrer knapp dreimonatigen Trainersuche bekleckerte sich die FA jedenfalls nicht mit Ruhm. Interimscoach Stuart Pearce wusste bis vor ein paar Tagen nicht, ob er nicht nur das britische Team zu den Olympischen Spielen führt, sondern auch England zur EM.
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