Auch Bruyneel am Pranger
Gegen den frühren US-Profi Lance Armstrong gibt es neue Dopingvorwürfe. Wie die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) am Donnerstag mitteilte, wurde der siebenfache Tour-de-France-Gewinner in einem Schreiben darüber informiert, dass gegen ihn und fünf weitere Mitglieder seines ehemaligen Teams US Postal erneut entsprechende Anschuldigungen erhoben werden.
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Der 40-jährige Texaner, der seit dem Ende seiner Radsportkarriere 2011 erfolgreich im Triathlon startet, wurde mit sofortiger Wirkung für alle Wettkämpfe gesperrt. Die schriftliche Information des Beschuldigten ist der erste Schritt zu einem Dopingverfahren. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, drohen Armstrong auch die Aberkennung seiner Tour-Titel und ein enormer Imageschaden.
Nach dem Rücktritt vom Radsport war Armstrong in den Triathlon und damit zu den Wurzeln seiner Sportkarriere zurückgekehrt - mit großem Erfolg. Anfang Juni gewann er einen Halb-Ironman auf Hawaii mit 2:46 Minuten Vorsprung auf seinen ersten Verfolger. Am 13. Oktober wollte Armstrong ebendort erstmals den legendären Ironman bestreiten.

Reuters/Francois Lenoir
Armstrong bei seiner letzten Tour de France
Doping in allen Varianten
Bei den anderen Beschuldigten soll es sich um drei frühere Ärzte und zwei frühere Teamoffizielle handeln, darunter auch Armstrongs Mentor und nunmehriger Radioshack-Teammanager Johan Bruyneel und der frühere US-Postal-Trainer Pepe Martin. Weiters werden die Namen der US-Postal-Ärzte Pedro Celaya und Luis Garicia del Moral sowie jener des italienischen Mediziners Michele Ferrari genannt.
Die USADA, deren Ermittlungen sich auf die Zeit nach Armstrongs Comeback zwischen 2009 und 2010 beziehen, warf dem US-Star in ihrem Schreiben u. a. die Verwendung bzw. die Verleitung anderer zur Verwendung von EPO, verbotenen Bluttransfusionen, Testosteron und Wachstumshormonen vor. Armstrong stritt die Vorwürfe wieder ab und betonte, dass er nie gedopt habe.
Die Vorwürfe seien haltlos und würden auf den gleichen Zeugenaussagen basieren wie die im Februar ergebnislos eingestellten Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft. Unter der Führung von Cheffahnder Jeff Novitzky hatten die Ermittler zu klären versucht, ob während Armstrongs Zeit beim von der Regierung gesponserten US-Postal-Rennstall ein Dopingprogramm mit dafür zweckentfremdeten Steuergeldern aufgebaut worden war. Im Zuge dieser Untersuchungen fanden sie aber offenbar keine ausreichenden Beweise, um Anklage zu erheben.
„Sauberen Sport schützen“
Die USADA ermittelte damals jedoch weiter. „Anders als die Staatsanwaltschaft ist es unsere Aufgabe, vielmehr den sauberen Sport zu schützen als Strafrecht durchzusetzen“, sagte USADA-Chef Travis Tygart. „Unsere Untersuchungen zum Doping im Radsport gehen weiter, und wir erwarten weitere Informationen durch die Bundesermittlungen.“
Wissenschaftlich ist zumindest bewiesen, dass Armstrong, der Doping stets vehement bestritt, schon 1999 bei seinem ersten Toursieg EPO benutzt hatte. Eine nachträgliche Analyse, die die Zeitung „L’Equipe“ 2005 nach seinem ersten Rücktritt veröffentlichte, belegte das. Trotzdem gab es keine Sanktionen, weil sportrechtliche Richtlinien - eine B-Probe war nicht mehr vorhanden - dagegen sprachen.
Auch von ehemaligen Teamkollegen wie dem selbst des Dopings überführten Floyd Landis wurde Armstrong mehrfach beschuldigt, leistungssteigernde Mittel genommen zu haben. Zuletzt sagte der frühere US-Postal-Fahrer Tyler Hamilton im vergangenen Jahr, dass er gesehen habe, wie Armstrong bei und vor den Frankreich-Rundfahrten von 1999 bis 2001 EPO verwendet habe.
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