Geister der Vergangenheit
Die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) hat Lance Armstrong in die Enge getrieben. Für den siebenfachen Redkordsieger der Tour der France begann am Donnerstag der wohl letzte und möglicherweise aussichtslose Kampf, seine offiziell bisher weiße Weste zu verteidigen. Durch die neuen Dopingvorwürfe gerät Armstrong stark unter Druck. Sein Lebenswerk steht auf dem Spiel.
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Auf 15 Seiten wurde Armstrong in einem Schreiben der USADA darüber informiert, dass mutmaßliche Dopingproben von ihm aus den Jahren 2009 und 2010 „vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Bluttransfusionen vorgenommen wurden“. Als erste Konsequenz sperrte die USADA Armstrong, der nach Ende seiner Radkarriere im Triathlon Fuß fasste, sofort für alle Wettbewerbe.
Startverbot bei Nizza-Triathlon
Erste Konsequenzen folgten prompt. Beim Triathlon im französischen Nizza wird Armstrong nicht antreten dürfen. Das bestätigte eine Sprecherin am Donnerstag. Armstrong war laut ihren Angaben Mitte der vergangenen Woche in Frankreich eingetroffen, um für den Wettkampf am 24. Juni zu trainieren. Laut Regeln des Triathlon-Weltverbandes (WTC) ist ein Athlet während laufender Ermittlungen nicht berechtigt, an einem Wettkampf teilzunehmen, sagte Nizza-Pressesprecherin Delphine Vivet.
„Armstrong ist deswegen für alle WTC-lizenzierten Wettkämpfe bis zur weiteren Prüfung gesperrt“, teilte der Weltverband mit Bezug auf die Anschuldigung mit. Im Oktober hatte Armstrong den Start beim Ironman auf Hawaii geplant. Auch daraus dürfte nichts werden, wenngleich die Veranstalter mit einem Ausschluss noch zuwarten. Noch schlimmer könnte für Armstrong sein, dass ihm bei Erhärtung der Dopingvorwürde die Aberkennung seiner sieben Tour-de-France-Siege droht.
Dopingmittel vertrieben und verwendet
Armstrong bestritt die neuerlichen Vorwürfe und will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Sein Anwalt Robert Luskin forderte Akteneinsicht und die Namen der Belastungszeugen. „Ich habe nie gedopt und bin im Gegensatz zu vielen meiner Ankläger 25 Jahre als Ausdauerathlet angetreten, ohne dass meine Leistung plötzlich gestiegen ist“, betonte Armstrong. Er wies zudem darauf hin, dass er mehr als 500-mal auf Doping kontrolliert wurde und alle Tests bestanden habe.

AP/Wayne Jones
Armstrongs Anfang - und Ende?
Die USADA hatte Armstrong und fünf weitere Personen aus seinem unmittelbaren Umfeld beschuldigt, zwischen 1998 und 2011 an massiven Dopingverschwörungen beteiligt gewesen zu sein. Darunter war auch sein langjähriger Mentor und Wegbereiter Johan Bruyneel, der als Manager des Radioshack-Nissan-Teams, Arbeitgeber des Tirolers Thomas Rohregger, in der Radszene weiterhin verankert ist.
In Bezug auf Armstrong betonte die USADA, dass „mehrere Fahrer mit Wissen aus erster Hand“ aussagen würden, dass er zwischen 1998 und 2005 EPO und Testosteron genommen, Bluttransfusionen genutzt sowie Dopingmittel vertrieben und verwaltet habe. Die Radprofis, so hieß es, würden auch bezeugen, dass er bereits vor 1996 mit dem menschlichen Wachstumshormon HGH gedopt habe.
„Der Einzige, der nie bestraft wurde“
Auch der Radsportweltverband (UCI), der laut eigenen Angaben in die USADA-Ermittlungen nicht involviert ist, reagierte und forderte sämtliche Beschuldigten umgehend zu Stellungnahmen auf. „Die UCI betont, dass die betroffenen Personen gebeten wurden, Stellungnahmen gegen die erhobenen Vorwürfe einzureichen“, war auf der UCI-Website zu lesen. Im Visier der UCI dürfte vor allem Bruyneel stehen. Der Belgier äußerte sich zu den Vorwürfen vorerst nicht.
Erfreut über den Fortschritt in den Dopingermittlungen gegen Armstrong und sein damaliges Umfeld ist Pierre Bondry, der die Französische Anti-Doping-Agentur (AFLP) bis 2010 leitete. Laut Bondry würde die USADA dazu beitragen, das Image der Tour de France nach den vielen Skandalen der vergangenen Jahre zu heben. „Die Ermittlungen zeigen, dass es keine Gnade für Dopingsünder gibt“, sagte Bondry. Armstrong sei der einzige Topfahrer seiner Ära, der nie bestraft wurde. „Nun muss aufgedeckt werden, ob er gedopt hat oder nicht.“
Michael Fruhmann, ORF.at
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