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Di Natale in der Startelf

Verschwörungsparanoia im Kopf und die Angst vor dem frühen EM-Aus im Nacken: Auf Italien wartet zum Abschluss der Gruppe C am Montag in Poznan (Posen) gegen Irland ein echtes Schicksalsspiel (20.45 Uhr in Konferenz in ORF eins und im Livestream). Denn die „Squadra Azzurra“ benötigt unbedingt einen Sieg. Irlands Teamchef Giovanni Trapattoni verspricht seinen Landsleuten einen heißen Tanz.

Italiens Coach Cesare Prandelli wird sein Team im Vergleich zu den ersten beiden 1:1-Remis gegen Spanien und Kroatien umbauen. Sturm-„Joker“ Antonio di Natale dürfte neben Antonio Cassano diesmal anstelle des angeschlagenen Mario Balotelli beginnen. Ansonsten baut der Teamchef auf eine Rückkehr zur Viererabwehrkette und vor allem auf die Courage seiner Akteure. „Habt Mut, schielt nicht zu Spanien gegen Kroatien und spielt offensiv ohne Angst“, appellierte Prandelli.

Gruppe C, dritter Spieltag

Montag, Beginn 20.45 Uhr

Live in ORF eins und im Livestream

Italien - Irland

Poznan (Posen), Stadion Miejski, SR Cakir (TUR)

Mögliche Aufstellungen:

Italien: Buffon - Abate, Barzagli, Chiellini, Balzaretti - De Rossi, Pirlo, Marchisio - Motta - Cassano, Di Natale

Irland: Given - O’Shea, Dunne, St. Ledger, Ward - Duff, Whelan, Andrews, McGeady - Keane, Walters

Gegen Verschwörungstheorien

Nach dem WM-Debakel 2010 mit dem Vorrunden-K.-o. in Südafrika droht Italien schon wieder eine Pleite. Zum Einzug ins Viertelfinale ist der vierfache Weltmeister selbst bei einem Sieg auf Schützenhilfe angewiesen. Sollten die Gruppengegner 2:2 spielen, wäre Italien auf jeden Fall draußen. So wie bei der EM 2004, als Schweden und Dänemark mit ihrem angeblichen „Wikingerkomplott“ die „Azzurri“ trotz fünf Punkten aus dem Turnier kickten. Tifosi und Medien wittern den nächsten „Biscotto“ (Keks), wie sie eine derartige Verschwörung in Italien nennen.

Prandelli kann es nicht mehr hören. Welt- und Europameister Spanien so etwas zu unterstellen, sei unmöglich. Auch Kapitän Gianluigi Buffon sprach via Internetplattform Facebook Klartext: Das Gerede von der Verschwörung sei nichts weiter als die „billige Ausrede“ von Verlierern. „Lass uns an uns denken und versuchen, zu gewinnen“, erklärte der Keeper und zeigte Verständnis dafür, dass sich Spanien von den Unterstellungen aus Italien beleidigt fühle.

Barzagli gibt Comeback

Stattdessen fordert Prandelli kompromisslosen italienischen Angriffsfußball. Für Balotelli dürfte erstmals der lange geforderte Di Natale von Anfang an neben Cassano stürmen. „Mit Toto werden wir abheben“, prophezeite Italiens WM-Held von 1990 Toto Schillaci. Vielen kamen Balotellis Knieprobleme ganz gelegen, weil Prandelli den bei der EM genauso erfolglosen wie schwierigen Jungstar so ohne Gesichtsverlust auf die Bank setzen könnte.

Gegen seinen früheren Juve-Trainer Trapattoni formiert Prandelli sein Team völlig neu. Die Dreierabwehrkette mit Mittelfeldstar Daniele de Rossi bleibt zwar nach wie vor eine Alternative, die Rückkehr zum früheren 4-3-1-2-System aber gilt als ausgemacht. De Rossi kehrt dann neben Regisseur Andrea Pirlo ins Mittelfeld zurück. In der Defensive ersetzt Andrea Barzagli nach überstandener Wadenzerrung Leonardo Bonucci.

Antonio Di Natale (ITA) am Ball

Reuters/Tony Gentile

Di Natale trägt gegen Irland die Hoffnungen auf viele Tore auf seinen Schultern

Iren sind locker

Die Nerven der Italiener sind zum Zerreißen gespannt, die Iren sind hingegen locker. Bereits nach zwei Spielen hat Irland keine Chance mehr auf das Viertelfinale. „Italien sollte keine Geschenke von uns erwarten“, sagte Teamchef Trapattoni. Die „Boys in Green“ waren beim 1:3 gegen Kroatien und dem 0:4 gegen Spanien nervös. Jetzt geht es für das Team von Kapitän Robbie Keane nur noch darum, „erhobenen Hauptes“ nach Hause zu fahren, so Trapattoni.

Auch die mitgereisten Fans, die bisher positivste Erscheinung bei dieser EM aus irischer Sicht, will man mit einer guten Leistung für die Unterstützung belohnen. Die Chancen stehen gar nicht schlecht: Italien konnte die Iren unter „Trap“ noch nie schlagen. Zuletzt gewannen die Iren 2:0, davor spielten sie zweimal unentschieden. Hält Irlands Serie, wäre Italiens EM-Debakel perfekt. Experimente mit jungen, nachdrängenden Spielern will der 73-jährige Trapattoni auf die WM-Qualifikation verschieben, in der die Iren unter anderem auch auf Österreich treffen.

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