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Euphorie soll zurückkehren

Beim österreichischen Meister und Cupsieger wird nach tagelangem Rätselraten wieder gearbeitet - und gesprochen. Vergangene Woche stellte sich das neue sportliche Führungsduo von Red Bull Salzburg der Öffentlichkeit. Mit Ralf Rangnick als Sportdirektor und Roger Schmidt als Cheftrainer will die Fußballabteilung des Getränkekonzerns zu einem neuen Höhenflug ansetzen.

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Am Sonntag hatten die Salzburger die Katze aus dem Sack gelassen: Der ehemalige Schalke-Trainer Rangnick zieht künftig die Fäden auf sportlicher Ebene, Schmidt wird dabei sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld sein. Neuer „Global Sport Director Red Bull Soccer“ ist der Franzose Gerard Houllier Nach dem Theater um den überraschenden freiwilligen Abgang von Meistertrainer Ricardo Moniz soll nun wieder Ruhe in Salzburg einkehren. Die Hauptziele, neben heimischer Meisterschaft und Cup, sind altbekannt: Einzug in die Gruppenphase der Champions League und Einbau der Jugend.

Fans sollen zurück ins Stadion

Rangnick will daneben auch die Euphorie in der Stadt wieder entfachen. Selbst in der vergangenen, mit dem Double bisher sogar erfolgreichsten Saison der Clubgeschichte, blieben viele Sitze in der Salzburger EM-Arena leer. „In Salzburg gilt es vor allem, die Zuschauer zurück ins Stadion zu bringen. Letztes Jahr gab es Heimspiele vor 3.000 Zusehern, das hat in Deutschland jeder Drittligist“, sagte der 53-Jährige, der nach einer freiwilligen Schaffenspause wegen eines Burn-outs zurück ins Fußballgeschäft kehrt.

Salzburgs Neo-Sportdirektor Ralf Rangnick

GEPA/Felix Roittner

Rangnick geht mit viel Energie in seine neue Tätigkeit in Salzburg

Der Deutsche, der neben Salzburg auch die Fußball-Abteilung in Leipzig leiten wird, plant, die Marke Red Bull mit dem Prädikat offensiv zu versehen. „Wir wollen begeisternden Fußball zeigen. Bei der EM bin ich bei manchen Spielen auf dem Sofa eingeschlafen - das sollte bei Spielen von Salzburg und Leipzig tunlichst nicht passieren“, sagte Rangnick. Der neue Sportdirektor strotzt vor Tatendrang. Das Burn-out ist überwunden. „Mir geht es so gut wie schon lange nicht“, sagte Rangnick.

Schmidt selbst überrascht

Ein gutes Gefühl hat Rangnick auch bei Trainer Schmidt. Bereits beim ersten Kennenlernen stimmte laut eigener Aussage die Chemie zwischen den beiden. Schmidt ist in Österreich ein unbeschriebenes Blatt, obwohl er in der vergangenen Saison den SC Paderborn in der zweiten deutschen Liga überraschend auf den fünften Platz führte. Der Wechsel nach Salzburg kam auch für ihn überraschend.

„Ich hätte mir eigentlich nicht gedacht, dass ich in der nächsten Saison einen anderen Verein trainiere als Paderborn“, sagte Schmidt, „die Aufgabe hat aber einen großen Reiz.“ Schmidt beschrieb sich selbst als Trainer, der seine Mannschaft „offensiv ausgerichtet spielen lässt und viel Wert auf schnelles, flexibles Umschalten legt“. Viel weiß der frischgebackene Salzburg-Trainer noch nicht über sein künftiges Betätigungsfeld im Schatten der Festung Hohensalzburg.

„Bislang habe ich die österreichische Liga nicht in meinem ständigen Fokus gehabt“, so der Deutsche. Das soll sich aber lieber heute als morgen ändern. „Es ist für mich und die Spieler ein Neuanfang - das ist natürlich immer auch eine Chance“, so Schmidt, der beim Trainingslager in Leogang gemeinsam mit Rangnick das Spielermaterial beim Meister unter die Lupe nehmen wird, „uns erwarten bis zum Saisonstart drei harte und intensive Wochen.“ Erst danach will Schmidt seinen Trainerstab komplettieren.

Der neue Cheftrainer von Red Bull Salzburg Roger Schmidt

APA/Franz Neumayr

Für Schmidt ist die österreichische Bundesliga komplettes Neuland

Zweite Chance für Leonardo

Mit dabei in Leogang ist auch Leonardo. Der unter dem Interimsduo Piet Hamberg und Niko Kovac nach einem Streit im Training aus dem Kader eliminierte Brasilianer bekommt von der neuen sportlichen Führung eine zweite Chance. „Wir machen einen Neuanfang, deshalb ist er dabei“, sagte Schmidt. Erst nach dem Trainingslager will man den Kader neu strukturieren und im Notfall auch neue Spieler an die Salzach holen.

„Es gilt zunächst, die Spieler kennenzulernen und ihre Stärken zu analysieren“, erklärte das Führungsduo unisono. Die Kompetenzen sind laut Schmidt klar verteilt. Was auf dem Platz geschieht und wer, wann und wo spielt liegt allein in seinem Bereich. „Ich habe als Cheftrainer die Verantwortung. Wenn wir verlieren, habe ich die Verantwortung“, sagte der 45-jährige Deutsche, „aber dennoch bin ich ein Teamplayer.“

In Sachen Neuverpflichtungen wird laut eigener Aussage ein reger Austausch stattfinden und auch die Nachwuchsarbeit soll intensiviert werden. „Red Bull hat eine tolle Akademie. Wenn wir fantastische Arbeit im Jugendbereich leisten, werden die Besten auch oben in der ersten Mannschaft spielen“, so Sportdirektor Rangnick, der für drei Jahre bei den Salzburgern unterschrieb. Trainer Schmidt wurde vorerst für ein Jahr weniger in die Gehaltsliste des Getränkekonzerns aufgenommen.

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