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Schimpftirade gegen Journalisten

Frankreich hat sich von der EM 2012 sang- und klanglos im Viertelfinale verabschiedet. Gegen Welt- und Europameister Spanien standen „Les Bleus“ am Samstag auf verlorenem Posten. Der Abschied der als Mitfavorit gestarteten Franzosen erinnerte an das WM-Desaster von 2010 - vor allem abseits des Spielfelds. Dem Streit im Vorfeld der Partie folgte nach dem Viertelfinale ein handfester Skandal.

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Im Mittelpunkt des Geschehens stand einmal mehr Samir Nasri. Der Mittelfeldspieler von Manchester City lieferte sich mit einem Journalisten nach dem 0:2 gegen Spanien ein heftiges Wortgefecht. Der 24-Jährige warf wartenden Reportern vor, immer nur nach Skandalgeschichten zu suchen. „Ihr sucht immer nur nach Scheiße, nach Problemen“, sagte Nasri. Als ein Journalist den Teamspieler mit den Worten „Hau ab“ zum Gehen aufforderte, brannten bei Nasri die Sicherungen durch. Er bedachte den Reporter mit den Worten „Leck mich“ und beschimpfte ihn als „Hurensohn“.

Nasri hatte gegen die Spanier erstmals bei der Euro 2012 nicht in der Startformation gestanden und konnte nach seiner Einwechslung in der 65. Minute auch nicht mehr für die Wende sorgen. Er hatte bereits im Auftaktspiel gegen England nach seinem Treffer zum 1:1-Endstand für Aufsehen gesorgt. Bei seinem Torjubel hatte er aus Ärger über einen kritischen Zeitungsbericht den Zeigefinger auf die Lippen gelegt und einen Journalisten so zum Schweigen aufgefordert.

Samir Nasri

Reuters/Charles Platiau

Schon im ersten Spiel legte sich Nasri nonverbal mit den Journalisten an

Zukunft von Blanc offen

Obwohl die Mannschaft vor der Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Schweden in 23 Partien unbesiegt war und mit dem Einzug ins Viertelfinale die sportliche Vorgabe des französischen Verbandes erfüllt hat, steht die „Equipe Tricolore“ vor einem neuerlichen Neuanfang. Teamchef Laurent Blanc, der das Team nach dem WM-Fiasko von Raymond Domenech übernommen hatte, ließ sich nach dem 0:2 gegen Spanien seine Zukunft offen. „Wir müssen alles im Detail analysieren“, sagte der 46-Jährige.

Blancs Vertrag läuft mit Ende der EM in Polen und der Ukraine aus. Der Noch-Teamchef betonte, es werde immer „Auf und Abs und Enttäuschungen geben, aber wir schauen uns das in Ruhe an und nehmen uns Zeit dafür.“ Blanc wird u. a. von Tottenham Hotspur als Trainer umworben. Auch Verbandspräsident Noel Le Graet vermied eine klare Positionierung. „Wir werden in Ruhe zurückkehren und uns die Zeit nehmen, um mit Laurent Blanc zu sprechen“, erklärte der Funktionär. „Ich weiß nicht, ob man von einer positiven EM sprechen kann, es war eine akzeptable EM.“

„Risse im blauen Haus“

Die Unruhe im französischen Team war bereits nach der unerwarteten 0:2-Pleite im letzten Gruppenspiel gegen die zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschiedenen Schweden eingekehrt. Ein lautstarker Streit in der Kabine zwischen Nasri und Alou Diarra konnte nur mit Mühe geschlichtet werden, danach hatte sich Hatem Ben Arfa lautstark über seine Auswechslung gegen Schweden bei Teamchef Blanc beschwert. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtete bereits vor dem Viertelfinale von „Rissen im blauen Haus.“

Für Florent Malouda waren die „alten Dämonen“ von der WM 2010 wieder geweckt. Obwohl Trainer und Spieler nichts von einer ähnlichen Situation wie vor zwei Jahren wissen wollten, offenbarte sich der fehlende Mannschaftsgeist in der Partie gegen die Spanier. Selbst die Bemühungen Franck Riberys, den Angriff der Franzosen in Schwung zu bringen, waren umsonst. Karim Benzema hing im Sturmzentrum in allen vier Partien in der Luft und blieb torlos. Auch in der Abwehr stimmte die Mischung bei den Franzosen nicht immer.

Kein Führungsspieler

Für Blanc war aber nicht die schlechte Stimmung, sondern das Fehlen eines starken Clubblocks im Team, wie etwa die Bayern-Auswahl bei Deutschland, ausschlaggebend. „Jede starke Nation ist von starken Clubs abhängig. Wir haben das nicht“, sagte der Teamchef. Daneben fehlte den Franzosen in der entscheidenden Phase ein Leitwolf. „Man kann nicht mit den Fingern schnippen und hoffen, dass ein Führungsspieler auftaucht oder einfach einen bestimmen“, sagte Alain Boghossian, seines Zeichens Assistent von Blanc.

„Entweder gibt es einen Führungsspieler oder man muss sich etwas anderes überlegen“, so Boghossian. Bis zum Beginn der WM-Qualifikation im September gegen Finnland muss der Teamchef, ob er nun Blanc heißt oder nicht, sich etwas überlegt haben. Auch im Falle von Nasri. „Wenn das die Realität ist, ist das eine Respektlosigkeit gegenüber dem Journalisten“, sagte der Coach am Sonntag dem TV-Sender TF1.

Es gebe „ein Problem von Nasri mit der Presse. Es ist sehr bedauerlich für sein persönliches Image und das der Nationalmannschaft“, so Blanc. Eine mögliche Sanktion ließen die Verantwortlichen zunächst offen. „Ich bin nicht da, um zu bestrafen und vor allem nicht im Fernsehen“, betonte Verbandspräsident Noel Le Graet in der TV-Sendung, kündigte aber gleichzeitig an, dass man den Vorfall untersuchen werde. „Wir werden ihn anhören und sehen, was passiert.“

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